Kotschy nimmt Börsig hart ran – hat er schlechte Laune, weil er auf dem Weg in den Gerichtssaal gestürzt ist, wobei sein Jackett zerriss? Börsig erklärt, dass „gar kein Interesse“ dagewesen sei. In dem Protokoll steht, dass die Bank gefragt worden ist, ob sie als „Mediator“ agieren könne; bei Anfragen solle man sich erst an Kirch wenden und wenn er kein Interesse habe, „wären wir frei“, wie Börsig sagt. Es sei darum gegangen, mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden.
Inhaltliche Widerprüche
Aber wer hat die Deutsche Bank gefragt? Daran kann sich Börsig, auch bei mehrfachem Nachfragen, leider nicht erinnern. Die Formulierung lege nahe, dass bereits eine Anfrage eines möglichen Interessenten auf dem Tisch gelegen habe, sagt Kotschy. Darauf klärt Börsig die Richter darüber auf, dass das englische Perfekt eine andere Bedeutung habe als im deutschen und außerdem der damalige Protokollführer kein englischer Muttersprachler gewesen sei. Leider kann man den nicht mehr fragen; er ist vor einigen Jahren gestorben.
"Ich fühle mich frei"
Das Ganze sei sehr vage gewesen, der Vorstand habe nur „eine Haltung für ein eventuelles künftiges Vorgehen“ zum Ausdruck gebracht. Auch dass Bankchef Josef Ackermann bei der Hauptversammlung 2007 erklärt habe, dass am 29. Januar 2002 beschlossen worden sei, an Kirch heranzutreten. Das sei nach seinem Verständnis eine „untechnische“ Antwort Ackermanns gewesen, sagt Börsig. Er ist jetzt schon fast zwei Stunden dran. Voll und ganz scheint er die Richter nicht zu überzeugen. Jedenfalls ist viel von „inhaltlichen Widersprüchen“ die Rede und von der Bitte, "Aussagen mit Inhalt zu füllen.“
























