Börsig beantwortet noch eine ganze Reihe von Fragen. Das tut er nüchtern und beherrscht. Auch als Kirch-Anwalt Peter Gauweiler versucht, seine Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen. Börsig solle doch aus der Bank gemobbt werden, sagt Gauweiler, und stehe deshalb unter enormem Druck, im Sinne der Bank auszusagen. Dabei bezieht er sich auf Turbulenzen um die mögliche Nachfolge von Bankchef Josef Ackermann und die anschließende Spitzel-Affäre, bei der auch Börsig eine Rolle spielte. „Fühlen Sie sich frei?“, fragt Kotschy. „Ich fühle mich frei“, sagt Börsig. Da gibt es sogar Gelächter.
Nach seiner Aussage wird Börsig nicht entlassen, darf aber eine Stunde spazieren gehen. Er sagt, dass er doch einen wichtigen Termin in Stuttgart habe. Das beeindruckt Kotschy nicht weiter. Börsig hätte doch wissen können, dass dies ein längerer Termin werden könne.
An die Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai 2007 erinnert sich Tessen von Heydebreck noch gut. Allerdings vor allem deshalb, weil der damalige Personalvorstand dort „freundlich“, wie er selbst sagt, von Ackermann und Börsig in den Ruhestand verabschiedet worden ist. Dass Ackermann dort von einem Beschluss sprach, Kirch ein Beratungsmandat anzubieten, weiß er nach eigenen Angaben nicht mehr. Insgesamt präsentiert er sich als freundlicher Ruheständler und wird auch so behandelt. Auch nach seiner Erinnerung ging es darum, das eigene Verhalten für den Fall des Auftretens von Interessenten zu klären. An konkrete Anfragen kann er sich nicht entsinnen. Er sei sogar derjenige gewesen, der dieses Verhalten vorgeschlagen habe, sagt er. Selbst die Kirch-Anwälte haben nur zwei Fragen.
Anwälte der Deutschen Bank sorgen für Erheiterung
Für leichte Erheiterung sorgen die Anwälte der Deutschen Bank, als sie erklären, dass Börsig bei seiner Vernehmung eine falsche Adresse angegeben hat. Bevor Börsig gehen darf, soll er die noch korrigieren. Er hat wohl seine Adresse in München mit der in Frankfurt verwechselt, die Postleitzahl seines Frankfurter Domizils kennt er aber auch nicht.
Adressen sind offenbar schwer. Die Kirch-Anwälte wollen auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Zeugen laden, haben aber die Adresse des Bundestages angeben. Da ist Schröder aber schon länger nicht mehr zu Hause. Hatte Börsig Auslagen, wir er vom Richter noch gefragt.„Mir ist geraten worden, keine geltend zu machen.“ Dann ist Mittagspause.
IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti hat nicht viel zu ergänzen. Seine Aussage klingt ähnlich wie die davor. Immerhin macht er einen interessanten Unterschied. Er habe zwar keine „konkrete“ Erinnerung an die Sitzung, nach dem Lesen des Protokolls aber immerhin wieder eine „Kontexterinnerung.“ Irgendwann wird es Richter Kotschy zu viel.. Er herrscht Lamberti an, dass es offenkundig Widersprüche gebe. Schließlich sei im Protokoll klar die Rede davon, dass die Deutsche Bank gefragt worden sei, ob sie Vermittler sein könne, er spreche aber nur von einem möglichen Fall.. Lamberti beruft sich wieder auf den Kontext. Es könne sich da um Murdoch oder einen Teilnehmer des Gesprächs beim Kanzler mit den Chefs der großen Medienkonzerne handeln. An konkrete Namen könne er sich aber nicht erinnern
























