Kirche oder Kommerz: Rüffel aus Rom für Weltbild-Verlag

Kirche oder Kommerz: Rüffel aus Rom für Weltbild-Verlag

, aktualisiert 13. November 2011, 20:11 Uhr
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Carel Halff ist Chef des Weltbild-Verlags.

von Joachim Hofer und Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Der Chef des katholischen Medienkonzerns Weltbild soll auf Erotik im Angebot verzichten. Dann müsste er Bestseller, wie „Schoßgebete“ von Charlotte Roche, aus dem Programm nehmen. Das wäre schlecht für den Umsatz.

München/DüsseldorfDer Mann wirkt so brav, dass er im entsprechenden Gewand als Priester durchginge. Der 60-Jährige mit dem grauen Haarkranz trägt gerne graue Anzüge und schwarze Schuhe, und jedes seiner Worte wählt er sorgfältig aus. Doch Carel Halff ist Geschäftsmann und hat einen der schwierigsten Jobs in der deutschen Medienbranche: Halff ist Chef der Verlagsgruppe Weltbild, eines Unternehmens, das der katholischen Kirche gehört. Jeden Tag muss er den Mittelweg zwischen Kirche und Kommerz aufs Neue finden

Dieser Tage fällt ihm das besonders schwer. Hat der Manager, der sich ansonsten bei Audienzen mit Papst Benedikt XVI. gerne publikumswirksam zeigt, doch einen Rüffel aus Rom bekommen. Der Pontifex plädierte gegen die „Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet“. Und diese Äußerungen wurden als Kritik an der Verkaufspolitik des katholischen Weltbild-Verlags verstanden.

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Wenn es ums Geschäft geht, war Halff bislang nicht zimperlich. Aus einem defizitären und auf religiöse Werke beschränkten Buchverlag hat er ein Medienhaus mit 1,65 Milliarden Euro Umsatz geschaffen. Halff ist seit 1975 bei Weltbild und seit 2001 Vorsitzender der Geschäftsführung.

Halff stößt als guter Kaufmann schon länger auf Kritik unter Katholiken. So manchem missfällt, dass bei Weltbild erotische Literatur zu haben ist. Halff selbst hat das stets verteidigt: Im Internet böte der Verlag alle lieferbaren Bücher an, „da ist eine inhaltliche Beschränkung gar nicht machbar“, sagte er.

Papst Benedikt XVI. ist da anderer Meinung. Beim Antrittsbesuch des neuen deutschen Botschafters beim Heiligen Stuhl sagte er nun, man werde verstärkt darauf achten, dass der „notwendige Einsatz gegenüber diesen Missständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt“.

Auf Erotik im Angebot zu verzichten ist für Halff aber schwierig. So haben etwa die intimen Bekenntnisse von Charlotte Roche die Bestseller-Listen gestürmt. Ihre Bücher sind im Onlineshop Weltbild.de erhältlich – und bei den Kunden beliebt. Halff selbst bezeichnet sich als „religiös, aber nicht fromm“.

In der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gibt es schon lange Stimmen, die auf einen Verkauf von Weltbild drängen. Vor drei Jahren hat die Kirche einen Anlauf dazu gemacht – aber ohne Erfolg. DBK-Sekretär und Weltbild-Aufsichtsrat Pater Hans Langendörfer sagte zuletzt: „Eine Verkaufsoption besteht weiterhin – zu einem vertretbaren Zeitpunkt und einem vernünftigen Preis.“

Für Halff wäre ein weltlicher Eigentümer ein Segen. Seinen hohen Anspruch hat er jüngst im Handelsblatt-Interview formuliert. Im neuen und stark wachsenden digitalen Geschäft wolle er ganz vorn mit dabei sein. Neben Amazon und Apple gebe es „in jedem Fall Platz für einen dritten, regionalen Anbieter“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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