Klartext: Schaefflers Trumpf ist die Finanznot der Banken

Klartext: Schaefflers Trumpf ist die Finanznot der Banken

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Eingang des Hauptsitzes der Schaeffler KG in Herzogenaurach

Trumpf für die Rettung des eigenen Unternehmens ist die Finanznot der Geldgeber – vor allem der Commerzbank.

Wer die Wirren um die Übernahme von Continental durch die Schaeffler-Gruppe verstehen will, muss bei der Commerzbank anfangen. Kredite in Höhe von fünf Milliarden Euro an Schaeffler stehen bei der teilverstaatlichten Bank in den Büchern. Durch die Übernahme der Dresdner Bank Anfang des Jahres hat sich ihr Engagement glatt verdoppelt. Obwohl Schaeffler als überschuldet gilt und für die kreditgebenden Banken eigentlich harte Schnitte angestanden hätten, haben sie stillgehalten und die Finanzierung von Schaeffler verlängert. Der Automobilzulieferer hat nun zwei bis drei Jahre Zeit gewonnen, um zumindest einen Teil der Schulden aus dem laufenden Geschäft abzutragen.

Als kluger Kopf hinter der erfolgreichen Verlängerung der Kredite gilt der neue Schaeffler-Finanzvorstand Klaus Rosenfeld, der für die Technik-Tüftler die Sprache der Geldgeber spricht. Denn Rosenfeld war vor seinem Wechsel nach Herzogenaurach bis März dieses Jahres Finanzvorstand bei der Dresdner Bank und weiß genau, wo die Schwächen der kreditgebenden Institute liegen – allen voran die der fusionierten Häuser. Keine Bank trägt bei dieser Übernahme ein höheres Risiko als das Institut von Commerzbank-Chef Martin Blessing.

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Blessing sind in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden. Würde er die Kredite fällig stellen, müsste er damit rechnen, dass Schaeffler Insolvenz anmeldet und er Milliarden abschreiben müsste. Anschließend bräuchte die Commerzbank vermutlich erneut Staatshilfe. Nicht viel besser sähe es aus, wenn die Banken die Schulden der Unternehmen in eine Beteiligung umwandeln (debt to equity swap). Während Kredite nur mit bis zu zwölf Prozent Eigenkapital unterlegt werden müssen, sind es bei Beteiligungen bis zu 100 Prozent. Auch das könnte das Eigenkapital der Commerzbank derart reduzieren, dass sie erneut Staatshilfe beantragen muss.

Dann droht jedoch massiver Ärger aus Brüssel. Die EU-Kommission würde vermutlich erneut harte Auflagen gegen die Commerzbank verhängen. Zudem hat sie die bisherige Staatshilfe nur unter der Prämisse genehmigt, dass die Bank beweist, dass sie ein tragfähiges Geschäftsmodell hat. Neuerlicher Milliardenbedarf könnte genau dieses infrage stellen und dazu führen, dass die Kommission weitere Staatshilfen nicht genehmigt oder sogar die bisherigen zurückfordert.

Um den Schuldenberg zu reduzieren, bliebe noch der Verkauf von Unternehmensteilen. Das wiederum wollen die Ministerpräsidenten der Bundesländer verhindern. Die Banken setzen deshalb in ihren Planungen darauf, dass die Unternehmen am Ende ihre Schulden durch eine milliardenschwere Anleihe reduzieren können, für die der Staat geradesteht.

Als unvermeidlich gilt aus Bankensicht darüber hinaus eine Kapitalerhöhung, die entweder bei Continental oder aber auch beim fusionierten Konzern stattfinden könnte. Geht der Plan auf, könnten die Banken damit Abschreibungen vermeiden, und die Alteigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg hätten wieder bessere Chancen, dass ihnen am Ende doch ein Stück vom fusionierten Konzern bleibt.

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