Klebeband: Tesa sieht Zukunft in der Medizintechnik

Klebeband: Tesa sieht Zukunft in der Medizintechnik

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Tesa-Chef Thomas Schlegel: Startete vor 25 Jahren bei Beiersdorf - und blieb bei Tesa kleben

Tesafilm und Kreppband waren gestern. Der neue Tesa-Chef Thomas Schlegel sieht die Zukunft der Beiersdorf-Tochter in der Medizintechnik.

Es gibt Markennamen, die sind zum Synonym für ganze Produktgattungen geworden: Tempo-Taschentuch, Maggi-Würze, Labello-Lippenpflegestift oder Ohropax-Ohrstöpsel. Mit Tesa ist es ähnlich. Soll ein Poster an die Wand gepinnt, eine Brille geflickt oder ein angerissener 50-Euro-Schein geklebt werden – unweigerlich folgt die Assoziation Tesafilm. Der Klebstreifen, dessen Geschichte vor mehr als 100 Jahren begann, hat es sogar in den Duden gebracht. Tesafilm, der: durchsichtiges Klebeband, heißt es dort.

Doch mit Tesafilm und anderen Alltagsprodukten für private Käufer wie Kreppband, Fotoecken oder Fliegengittern kann die Hamburger Tesa AG, die dem Nivea-Hersteller Beiersdorf gehört, allein nicht mehr leben. Wie die wichtigsten Konkurrenten 3M aus den USA, Nitto Denko aus Japan oder Henkel aus Düsseldorf müssen die Hamburger Klebstoffspezialisten – Jahresumsatz rund 850 Millionen Euro, knapp 4000 Mitarbeiter – neue, ertragsstarke Produkte für die herstellende Industrie finden.

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Einer dieser lukrativen Zukunftsmärkte ist die Medizintechnik. Hier hat sich Tesa-Vorstandschef Thomas Schlegel, der am 1. Oktober 2008 das Ruder beim Klebstoffriesen übernahm, gleich ein schönes Antrittsgeschenk gemacht. Ende November erwarb Tesa die Labtec Gesellschaft für technologische Forschung und Entwicklung aus Langenfeld bei Düsseldorf. „Die Kompetenzfelder von Tesa und Labtec ergänzen sich optimal. Das gilt vor allem für die Entwicklung beschichteter Therapiesysteme. Dabei werden Klebstofftechnologie und medizinische Expertise kombiniert“, sagt der neue Mann an der Tesa-Spitze der WirtschaftsWoche in seinem ersten Interview.

Die kleine High-Tech-Firma mit ihren 30 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund zehn Millionen Euro forscht und entwickelt für Unternehmen aus der Pharmaindustrie. Spezialisiert ist Labtec auf arzneimittelhaltige Pflasterprodukte, sogenannte Transdermale Therapeutische Systeme (TTS). Sie geben das Medikament über die Haut in das darunter liegende Gewebe und die Blutgefäße ab. Die Vorteile für Patienten liegen in der im Vergleich zur Tablette und Spritze bequemeren, aber auch gleichmäßigeren und individuelleren Dosierung von Arzneimitteln.

Tesa und Nivea leben in zwei unterschiedlichen Welten

TTS werden zwar seit rund zwei Jahrzehnten eingesetzt. Für diese Art der Medikamentierung machen neue Technologien erst seit einigen Jahren immer mehr Wirkstoffe verfügbar. Experten schätzen deshalb das Wachstum des TTS-Markts auf jährlich mehr als zehn Prozent.

Derlei Prognosen könnten zu einem harmonischen Familienleben beitragen. Seit der Nivea-Konzern Tesa vor acht Jahren in die Selbstständigkeit entließ, leben Mutter und Tochter in Hamburg-Eimsbüttel zwar auf demselben Firmengelände, aber in zwei unterschiedlichen Welten und mit getrenntem Management. Außer der Kantine und dem Werksschutz gibt es kaum Gemeinsamkeiten zwischen den industriellen Klebern und der verbraucherorientierten Nivea-Company. Lange galt Tesa als fünftes Rad am Wagen, und selbst bei Beiersdorf glaubten wenige an eine Zukunft für die Klebstreifen.

Regelmäßig kursieren Gerüchte über einen Verkauf. Denn Beiersdorf-Chef Thomas-Bernd Quaas trimmt den Konzern auf Haut- und Schönheitspflege. Bisher hat Quaas allerlei Randbereiche wie das Bandagen-Geschäft Futuro oder den Desinfektionsmittelspezialisten Bode-Chemie verkauft – nur Tesa nicht. Dabei würde der Verkauf Beiersdorf eine Menge Geld bringen – Experten schätzen den Unternehmenswert auf 1,5 bis knapp 2,0 Milliarden Euro. Aber derzeit sitzt Beiersdorf auf einem Cash-Polster von rund 1,1 Milliarden Euro und wäre auf diese Art der Finanzierung nicht unbedingt angewiesen.

Noch entscheidender:  Ein Großaktionär, der Hamburger Milliardärs-Clan Herz, stellt sich stur. Die Eigentümer des Kaffee- und Handelskonzerns Tchibo kontrollieren über ihre Maxingvest Holding rund 51 Prozent der Beiersdorf-Anteile. Der Clan um Familienoberhaupt Michael Herz klebt an Tesa: Auf dem Firmengelände haben die Herzens, die in der Nachbarschaft wohnten, einst gespielt. Auch deshalb kommentiert Tesa-Chef Schlegel Verkaufsgerüchte mit Gelassenheit. „Wir bekommen jegliche Unterstützung bei unseren Investitionen, wie gerade erst das Geld für Labtec. Das macht in diesen Krisenzeiten sicher kein Investor, der nicht 100-prozentig hinter dem Unternehmen steht.“

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