Klebstoffe: Vom ordinären Kleister zum Hightech-Kleber

Klebstoffe: Vom ordinären Kleister zum Hightech-Kleber

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Klebstoffe sind zum High-Tech-Produkt geworden

Aus dem ordinären Kleister von einst ist ein Hightech-Produkt geworden, eine der Schlüsseltechnologien dieses Jahrhunderts. Klebstoffe halten Flugzeuge und Autos zusammen, sie revolutionieren die Elektronikindustrie. Ein Milliardengeschäft für deutsche Unternehmen, allen voran den Henkel-Konzern.

Der weiße Kasten sieht aus wie die Tiefkühltruhe einer Großfamilie: knapp drei Meter lang, gut einen Meter breit, hüfthoch. Wolfgang Fleischmann wuchtet den Deckel hoch, Wasser tropft von der Innenseite, Dunstschwaden steigen aus dem geheimnisvollen Monstrum.

Langsam lichten sich die Nebel im Inneren; in den Fächern eines kleinen Behälters steht ein halbes Dutzend zweiteiliger Plättchen. „Über eine Düse“, sagt Fleischmann, „sprühen wir kontinuierlich eine Wasser-Salz-Lösung, mit der wir eine korrosive Umgebung simulieren.“ Das ist der Salznebeltest.

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5000 Stunden lang dauert die Übung, mit der die Witterungseinflüsse im winterlichen Straßenverkehr simuliert werden – also etwa, ob und wie Streusalze die getesteten Materialien angreifen. Dabei geht es Fleischmann weniger um die miteinander verbundenen Stahl- und Kunststoffplättchen, sondern um das, was sie zusammenhält: den Klebstoff.

Fleischmann ist Verfahrenstechniker und leitet das ingenieurwissenschaftliche Zentrum des Düsseldorfer Konsumgüterkonzerns Henkel in Garching.Seit über 15 Jahren stellt der Konzern hier am Stadtrand von München seine Klebstoffe auf den Prüfstand.

Verklebte Bauteile werden in aufwendigen Versuchsreihen so praxisnah wie möglich getestet: Die Haftkraft wird bei mehr-achsigen Belastungstests und in Spannungsfeldern, die die Vibrationen von Automotoren simulieren, bis ans Limit ausgereizt. In Klimakammern müssen die Klebstoffe ihre Temperatur- und Feuchtigkeitsbeständigkeit beweisen. So wie der Acrylatkleber im Salznebel; er soll künftig Autoscheinwerfer zuverlässig an eine Halterung kleben und die herkömmliche Stecklasche ersetzen.

"Klebstoff ist ein Problemlöser"

Aus dem ordinären Kleister von einst ist ein ausgefeiltes High-Tech-Produkt geworden.

Rund 6000 Jahre nach der Entdeckung durch die Sumerer, Babylonier und Ägypter hat sich aus dem in grauer Vorzeit aus Tierhäuten gekochten Leim einer der wichtigsten Werkstoffe unserer Zeit entwickelt. Praktisch jeder Gegenstand, jede Ware, jedes Konsumgut, das uns im täglichen Leben begegnet, enthält Klebstoff. Ob gedehnt, gezerrt oder gezogen – er hält die unterschiedlichsten Materialien zusammen und gilt als eine der Schlüsseltechnologien dieses Jahrhunderts.

Im Zuge der industriellen Massenfertigung Ende der Sechzigerjahre schaffte der chemische Kraftprotz den Durchbruch. „Klebstoff ist ein Problemlöser“, sagt Thomas Geitner, seit wenigen Wochen Chef der über sieben Milliarden Euro schweren Klebstoffsparte bei Henkel. Die modernen Stoffe dienten einer ganzen Reihe von Industriezweigen als Technologien, die den gesamten Fertigungsprozess beschleunigen können.

Geklebte Fensterscheiben sind im Auto längst Standard

Davon profitieren vor allem die Medizin-, Elektro- und die Automobilindustrie. Geklebte Fensterscheiben sind im Auto längst Standard und auch Teile der Karosserie werden geklebt.

Handys wären ohne Kleber wohl immer noch so klobig wie vor zehn Jahren, und geklebte Inlays und Kronen verschönern nicht mehr nur das strahlende Lächeln von Society-Ladys. Selbst Straßenbrücken werden heute ohne Schrauben und Nägel nur aus Kunststoff und Stahl zusammengeklebt. Und wer ins Flugzeug steigt, muss keine Angst haben, weil Teile des Rumpfes und der Tragflächen des Fliegers geklebt und nicht geschweißt sind. Das hält schon.

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