
Der Appell von Klaus Hellmann dürfte viele Mitarbeiter verärgern. Die Beschäftigten des Osnabrücker Logistikunternehmers sollen mehr Bahn fahren oder gleich auf Dienstreisen verzichten. Weil kleine Dienstwagen besser für die Umwelt seien als große, verordnete der Chef seinen Führungs- und Vertriebsleuten zudem sparsamere und preiswertere Karossen. Die 300 Pkws der Firmenflotte aus BMW, Volkswagen und Toyota werden komplett ausgetauscht. Künftig fahren Hellmanns Leute eine Klasse niedriger – und sparen 250 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) pro Jahr.
Hellmann Worldwide Logistics, drei Milliarden Euro Umsatz und 9000 Beschäftigte, ist einer der führenden Logistiker Deutschlands. Seit Mitte der Neunzigerjahre gehöre Nachhaltigkeit zur „Unternehmens-DNA“, sagt Gerhard Lohmeier, Umweltberater des Familienunternehmens. In der Logistik genüge es nicht, den Transport von A nach B zu optimieren, es müssten „alle transportrelevanten Bereiche, die Auswirkungen auf die Umwelt haben, auf den Prüfstand“.
Die Farbe Grün hat Hochkonjunktur im Geschäft mit dem Transport, der Lagerung und der Verteilung von Gütern. Alle großen Logistiker schreiben sich klimaschonende Angebote und Prozesse auf ihre Fahnen. Viele stecken sich ehrgeizige Ziele bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes in den kommenden Jahren und unterstützen Klimaschutzprojekte im Ausland.
Ein Drittel weniger CO2 bis 2020
Die Logistikbranche steht unter Druck. Die Warentransporteure zählen zu den größten Verschmutzern der Welt. Allein Deutsche Post DHL, der Primus unter den Logistikkonzernen, stieß vergangenes Jahr nach eigenen Angaben rund 33 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre — 20 Prozent über eigene Lkws und Flugzeuge, den Rest über Subunternehmer. Würden 500 Logistiker dieser Größe die Luft so verpesten, käme allein dadurch die Hälfte des gesamten jährlichen CO2-Ausstoßes von rund 30 Milliarden Tonnen weltweit zustande.
Da kann es nicht schaden, alles was Ressourcen und Geld spart, möglichst grün anzustreichen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig. Tatsächlich lassen sich mit mehr Grün gehörig Kosten sparen, ohne Etikettenschwindel zu betreiben.
Post-Vorstandsvorsitzender Frank Appel etwa will bis 2020 den Ausstoß von Kohlendioxid pro Brief, pro transportierter Tonne oder pro Quadratmeter genutzter Fläche um fast ein Drittel im Vergleich zu 2007 reduzieren. Der Paketdienst Hermes Transport Logistics, Tochter des Hamburger Versandhändlers Otto, will den klimaschädlichen CO2-Ausstoß pro Paketeinheit jedes Jahr um zwei Prozent reduzieren und die Standorte rund drei Prozent emissionsärmer machen. Auch DB Schenker, die Spedition der Deutschen Bahn, hat sich dem Sparen verschrieben und will bis 2020 insgesamt 20 Prozent weniger CO2 verursachen.
Sommersmog verringern
Mit ihren Klimaschutzaktivitäten sind deutsche Anbieter weltweit „vorne mit dabei“, sagt Dirk Lohre, Logistikprofessor an der Hochschule Heilbronn. Einige Unternehmen machten dabei aber „eine Schippe mehr als andere“.
Hellmann zum Beispiel bedient sich der gesamten betrieblichen Ökopalette. Die Niedersachsen stellten den kompletten Fuhrpark auf Lkws der klimafreundlichen Emissionsklasse Euro 5 um, setzen auf recycelbare Büromaterialien und beheizen das neue Verwaltungsgebäude mit Erdwärme. Allein am Hauptsitz in Osnabrück hat Hellmann 7000 Quadratmeter Dachfläche begrünt. Das senkt den Energieverbrauch für Heizung, verlangsamt die Verdunstung von Regenwasser und „verringert so den Sommersmog“, so Lohmeier.













