Kölner Mediengruppe: Familienkrach trifft M. DuMont Schauberg zur Unzeit

Kölner Mediengruppe: Familienkrach trifft M. DuMont Schauberg zur Unzeit

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Verleger Konstantin Neven DuMont

von Peter Steinkirchner

Auflagenverluste, schrumpfende Anzeigeneinnahmen, Integration von Zukäufen: Der grelle, in aller Öffentlichkeit ausgetragene Familienkrach kommt für die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg alles andere als gelegen.

So sieht also ein Verlagserbe aus, der gerade im Urlaub weilt: Im beige-grauen Anzug mit hellen Karos, blaukariertem Hemd zur ebenfalls blauen Krawatte steht Konstantin Neven DuMont am Dienstag vergangener Woche um die Mittagszeit im früheren Altarraum des alten Priesterseminars Collegium Leoninum zu Bonn. Am Tag zuvor noch hatte er in der immer stärker eskalierenden Familienfehde gegen seinen Vater Alfred ausgeteilt. Offiziell ist er „seit mehreren Tagen“ beurlaubt und aller Ämter entbunden. Doch nun steht er da und spricht als Vorstand des Medienhauses DuMont Schauberg bei dieser Konferenz der Beratung Deloitte. Der Zwangsurlauber, er klingt wie ein Verleger alter Schule.

Vom Podium herab wettert der junge Neven gegen den Einheitsbrei in den Zeitungen und appelliert an Journalisten, exklusiven „Content“, vulgo: Inhalt, zu schaffen. Nur der lasse sich anschließend auch über andere Medienkanäle als die Zeitung exklusiv verkaufen: Handys, Laptops, Tabletrechner. Medienhäuser und Mitarbeiter, so seine Botschaft, müssten sich wandeln: „Unsere Kuh ist die Zeitung, aber niemand weiß, wie lange sie noch Milch gibt.“ Er treibt seine Worte mit der rechten Hand an, als jage er Vieh auf die Weide: „Deshalb müssen jetzt die neuen Kälber her, die eines Tages die Milch liefern können.“ Da präsentiert sich einer als Mann des Aufbruchs.

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Nur: Ist er das noch? Derzeit gibt der 41-Jährige, der seit Januar 2009 in zwölfter Generation im Vorstand des Kölner Verlagshauses M. DuMont Schauberg amtete, eher einen Mann auf Abruf.

Deutschlands viertgrößtes Verlagshaus mit Zeitungen wie „Kölner Stadtanzeiger“, dem Boulevardblatt „Express“ und der „Mitteldeutschen Zeitung“ leidet mitten in der wohl größten Umbruchphase des Gewerbes unter einem Familienkrach, der in der Branche seinesgleichen sucht und für das traditionsreiche Haus zur Unzeit kommt:

Auflagenverluste machen den Kölnern zu schaffen. Für 2010 rechneten sie mit bis zu vier Prozent geringeren Verkäufen. Damit steht DuMont nicht allein: Seit 1995 verloren die Abo-Zeitungen in Deutschland ein Fünftel ihrer Auflage.Gleichzeitig schrumpften die Anzeigeneinnahmen dramatisch. Lagen die Werbeerlöse aller Zeitungen im Rekordjahr 2000 bei 6,5 Milliarden Euro, rauschten sie 2009 auf 3,7 Milliarden. Bei DuMont brach das Anzeigen- und Beilagengeschäft 2009 um mehr als 30 Millionen Euro ein, für 2010 erwartete der Verlag um fünf bis sieben Prozent sinkende Werbeumsätze.Ausgerechnet in dieser Phase kaufte DuMont ein zweites Mal kräftig zu: Nach dem Erwerb von 50 Prozent der Anteile der „Frankfurter Rundschau“ 2006, für die der Verlag 2008 und 2009 insgesamt 25 Millionen Euro abschreiben musste, kaufte er sich 2009 bei der „Berliner Zeitung“ ein. Zeitungsexperte Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut: „Nie zuvor sind so große Transaktionen im Zeitungsmarkt vorgenommen worden wie in den beiden vergangenen Jahren.“ Die Käufe gilt es zu integrieren und Synergien durch Gemeinschaftsredaktionen für einige Ressorts zu heben. Das alles sorgt intern für Unruhe.

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