Kommentar: Continental: Ein Sieg der Cleverness

Kommentar: Continental: Ein Sieg der Cleverness

Nur einen Monat nach Bekanntwerden der Übernahmepläne des fränkischen Konkurrenten Schaeffler hat Continental den Widerstand heute Nacht aufgegeben. Überraschend kam der Schritt nicht.

Es gab zahlreiche Signale in den vergangenen Tagen und Wochen, dass Continental nicht ewig blockieren würde.

Doch Continental hat Bedingungen gestellt – und diese nun auch erfolgreich durchgesetzt: Schaeffler erhöht das Angebot von gut 70 auf 75 Euro pro Aktie, ein deutlicher Aufschlag. Außerdem ließen sich die Franken weitgehende Zugeständnisse an die Conti-Belegschaft abringen.

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Sie sichern Continental nicht nur die Eigenständigkeit und die Börsennotierung zu, auch Verkäufe von Firmenanteilen, Betriebsschließungen und Arbeitsplatzabbau werden bis auf weiteres ausgeschlossen. Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und die Mitbestimmungsregelungen dürfen ohne Zustimmung von Conti nicht geändert werden.

Mit diesen Zugeständnissen hat Schaeffer seine Handlungsmöglichkeiten extrem eingeschränkt. Denn sowohl Continental von der Börse zu nehmen als auch das Unternehmen zu zerschlagen, wäre aus Investorensicht sinnvoll. Allein der Verkauf der Conti-Reifensparte hätte einen hohen einstelligen Milliardenbetrag in die Kasse spülen und damit die Übernahme zu einem Gutteil finanzieren können. Dass Schaeffler freiwillig darauf verzichtet, ist bemerkenswert. Denn mit der indirekten Kontrolle über 36 Prozent der Aktien hätte das Unternehmen auch die feindliche Tour fahren können.

Verglichen mit diesen Zusagen dürfte den Franken das Zugeständnis, in den kommenden vier Jahren maximal 49,99 Prozent von Conti zu erwerben, dagegen leicht über die Lippen gegangen sein. Die Kontrolle hat Schaeffler auch mit weniger als der Hälfte der Aktien, und mehr zu erwerben war von Anfang an nicht das Ziel.

Dass es zu einer Einigung zwischen den Unternehmen kommen würde, war abzusehen. Völlig überrascht wurden die Branche und die Analysten jedoch vom schnellen Abgang des Conti-Chefs. Nach der harschen Kritik Manfred Wennemers an Schaeffler – er hatte den Franken vorgeworfen, sie handelten „egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" – war klar, dass er nach einem Einstieg von Scheaffler wohl nicht mehr all zu lange an der Spitze von Conti stehen würde. Ende des Jahres werde er wohl aussteigen, wurde in Branchenkreisen spekuliert. Dass er schon in wenigen Tagen seinen Schreibtisch räumt, zeigt: Wennemer ist seiner Pflicht noch nachgekommen, das Maximum für Conti herauszuschlagen. Nun will er weg, so schnell es geht.

Es ist schon paradox: Der Manager, der durch beinharte Shareholder-Value-Orientierung den Conti-Kurs über Jahre erfolgreich gepusht hat, stolperte letztlich über die gnadenlosen Gesetze der Börsenwelt: Die teure Übernahme von Siemens VDO hat die Conti-Aktie auf Talfahrt geschickt, dadurch wurde das Unternehmen zum Übernahmekandidat. Und weil Schaeffler und die beteiligten Banken noch cleverer waren als die Conti-Führung und ihre Berater, muss sich Wennemer nun geschlagen geben.

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