Kommentar: Der kleine Mann und die Börse

Kommentar: Der kleine Mann und die Börse

Sein Userprofil in der Kontaktbörse Xing ist seit heute morgen gelöscht, aber auch so wissen wir jetzt schon einiges über Jérôme Kerviel.

Ein eher kleiner Händler, angeblich soll er keine 100.000 Euro im Jahr verdient haben, aber Milliarden gehebelt und so kaum fassbare 4,9 Milliarden Euro Verluste beschert haben - der größte Handelsverlust aller Zeiten! Die Summe ist so unglaublich, dass Banker schon argwöhnen, die Société Générale habe gleich noch andere Verluste in dieser Summe versteckt. Dass zugleich eine Zwei-Milliarden-Euro-Abschreibung der Franzosen auf kreditbesicherte Papiere verkündet wurde, zeigt nur einmal neu, dass das viel gelobte Risikomanagement der Banken und der Société Générale im Besonderen in Wahrheit katstrophal ist.

Dass die Société Générale, als sie Kerviels Positionen auf den Dax auflöste, die deutsche Börse mit nach unten getrieben hat, gilt mittlerweile als gesichert. Auch das macht nachdenklich. Ist es wirklich möglich, dass Einzelne die Märkte bewegen - Fed-Chef Ben Bernanke einmal ausgenommen, aber hinter dem steht ja eine riesige Institution und letztlich die größte Volkswirtschaft der Welt?

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Lassen sich mit fünf Milliarden, an der richtigen Stelle platziert und schön über Derivate gehebelt, ruckzuck hunderte Milliarden Börsenwert vernichten? Ich kann die normalen Leute abseits der Finanzzentren, die Friseurin in Hamburg und den Maschinenbauer in Tauberbischofsheim, schon verstehen, die meinen, dass an der Börse und in den Banken nur noch Geldgierige und Verrückte Amok laufen.

Doch solche Nummern - kleiner Impuls, große Auswirkungen - laufen nur dann so total aus dem Ruder, wenn die Märkte hochgradig nervös sind. Alle an der Börse haben Angst, viele sind jetzt wahnsinnig erleichtert. Vielleicht war der Crash ja wirklich nur ein kurzer Alptraum.

Träumt weiter Jungs: Die großen Probleme - Hypothekenkrise, Verschuldung der US-Konsumenten, gefährdete Kreditversicherer und von Abstufungen bedrohte Anleihen, Rezessionsgefahr und und und - sind mitnichten bereinigt, auch wenn der Impulsgeber, der den Absturz des deutschen Marktes anstieß, jetzt identifiziert ist. In der Chaostheorie heißt es, dass ein Schmetterling, der in Südamerika mit den Flügeln wackelt, in Europa Orkane auslösen kann. Wir wissen jetzt nur, wer einer der Schmetterlinge ist - Jérôme Kerviel. Das bedeutet aber nicht, dass es jetzt keine Stürme mehr geben wird!

Top Ten des Schreckens

Die größten Handelsverluste aller Zeiten und ihre Verursacher

1 in Milliarden Dollar; Quelle: eigene Recherchen

Name

Verlust1

Unternehmen

Jahr

Wetten auf

1. Jérôme Kerviel 7,2 Société Générale 2008 Dax-Aktien 2. Brian Hunter 6,5 Amaranth Advisors 2006 Gaspreise 3. John Meriwether 4,0 Long Term Capital Management 1998 Zinsen von Staatsanleihen 4. Yasuo Hamanaka 2,6 Sumitomo Corp. 1996 Kupferpreise 5. Wolfgang Flöttl/ Helmut Elsner 2,0 Bawag 2006 Währungs- und Zinsent- wicklung 6. Robert Citron 1,7 Orange County 1994 Zinsentwicklung 7. Heinz Schimmelbusch 1,6 Metallgesellschaft 1993 Ölpreise 8. Nick Leeson 1,4 Barings Bank 1995 Nikkei-Aktien 9. Toshihide Iguchi 1,1 Daiwa Bank 1995 Anleihen 10. Friedhelm Breuers 0,8 West LB 2007 VW+BMW Vorzugs- und Stammaktien

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