Kommentar: Kovats macht Kasse und Frieden

Kommentar: Kovats macht Kasse und Frieden

Bild vergrößern

Ein Arbeiter prüft in der Norddeutschen Affinerie (NA) in Hamburg die Qualität von geschmolzenem Kupfer.

Seit heute ist klar, dass die Norddeutsche Affinerie die belgische Kupferhütte Cumerio übernehmen kann. Der große Gewinner dabei ist nicht die "Affi", sondern der österreichische Investor Mirko Kovats, analysiert WirtschaftsWoche-Reporter Andreas Wildhagen.

So hatte es sich Werner Marnette wohl nicht gedacht. Der frühere Chef der Hamburger Kupferhütte Norddeutsche Affinerie gab noch gestern in Hamburg eine Blitzpressekonferenz in eigener Sache – quasi als Privatmann mit Ambitionen. Details seines Ausscheidens bei der NA seien noch nicht geregelt, orakelte er. Fest stehe aber, dass er sich in der kommenden Hauptversammlung in den Aufsichtsrat der NA wählen lassen wolle. Um dort ein wenig Ärger zu machen, darf man vermuten. Denn Marnette wurde vom Aufsichtsrat der Kupferhütte vor ein paar Monaten unsanft, so hört man, vor die Tür gesetzt. Er hatte sehr früh mit dem österreichischen Investor Mirko Kovats paktiert, der sich 14 Prozent der NA ergatterte und auch noch 25 Prozent an der belgischen Kupferproduzenten Cumerio gesichert hatte.

Das machte Kovats zum Spielverderber für die „Affi“, wie sie an der Küste auch genannt wird. Denn die Kupfermänner von Hamburg wollten die Cumerio schlucken und sich zum größten Hersteller Europas aufschwingen  - mit unendlich guten Aussichten für den immer wertvoller und lukrativer werdenden Rohstoffmarkt. Mit Kovats' Anteilen war dieser Plan vermiest. Marnette setzte auf Kooperation mit Kovats, sein Aufsichtsrat aber auf Konfrontation.

Anzeige

Nun aber haben der Aufsichtsrat und der Marnette-Nachfolger, NA-Chef Bernd Drouven gesiegt. Kovats zieht sich aus Cumerio zurück, NA hat in Belgien freie Bahn. Für Kovats ist das ein Riesengeschäft, denn NA zahlt kräftig drauf für ihren Befreiungsschlag. In Hamburg wird ein ziemlich großer Rohstoffkonzern entstehen.

Hat Marnette als Racheengel auf der Hauptversammlung noch eine Chance? Wohl kaum. Denn die Kupferbrüderschaft hat es geschafft, fünf Prozent des Aktienpakets an die Stadt Hamburg zu verkaufen. Ole von Beust zeigte sich als Schutzengel einer Industrieikone.

In wenigen Tagen sind Wahlen in Hamburg, die Hanseaten könnten es ihrem Bürgermeister mit der Stimme danken, dass er eine Bastion gegen Kovats aufgebaut hat, die er vielleicht noch ausbauen kann. Die HSH-Nordbank hält zusammen mit Morgan Stanley 15 Prozent der NA-Anteile. Kovats kann mit seinen 14 Prozent an der Kupferhütte nun wenig ausrichten – erst recht nicht gegen die Mehrheit der Hauptversammlung, die vor allem aus lokalpatriotischen Kleinanlegern mit Prinz-Heinrich-Mütze und Elbseglern besteht. Die haben jetzt allen Grund zum Jubeln.

Und Kovats? Er kann an der Waterkant noch ein wenig den österreichisch-ungarischen Industriellen geben, eine Rolle, die er zumindest zuhause bis zur Bühnenreife beherrscht. Der gewitzte Aufsteiger mit dem richtigen Riecher hat sich ein respektables Industrieimperium unter den Namen A-Tech aufgebaut. Vertrauen genoß Kovats immer nie wirklich in Deutschland. Immer haftete ihm der Geruch des Mannes an, der nicht langfristig denkt, sondern nur einen schnellen Dollar, Euro oder was sonst machen will. Mit solchen Leuten setzen sich steife Hanseaten,die ihre Weltoffenheit mit Lokalpatriotismus und Selbstgerechtigkeit zu unterfüttern verstehen, nur ungern an einen Mahagoni-Tisch.

Der große Verlierer ist Werner Marnette, der Kovats sogar in den Aufsichtsrat bugsieren wollte. Gewinner ist der Aufsichtsrat der NA, der zeigte, dass auch eine Anti-Haltung zum Erfolg führt. Der große Profiteur aber ist Mirko Kovats, der sicher auch bald sein Paket verkaufen und sich von der norddeutschen Tiefebene bald wieder in den Wiener Graben zurückziehen wird. Die Zugbrücke von Hamburg ist vor ihm längst hochgeklappt worden. 

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%