Kommentar: MLP und AWD verspielen ihre Glaubwürdigkeit

Kommentar: MLP und AWD verspielen ihre Glaubwürdigkeit

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Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandschef des Finanzvertriebs MLP

Sollten die Finanzdienstler MLP und AWD wirklich zusammengehen, kann von unabhängiger Beratung keine Rede mehr sein. MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg wehrt sich gegen eine Übernahme und dringt auf die Unabhängigkeit seiner Organisation, die vor allem gut verdienende Akademiker zu ihrer Klientel zählt. Und er hat Recht damit, kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefani Hergert.

Der Finanzdienstleister MLP hat seine Erlöse im ersten Halbjahr 2008 um fünf Prozent auf 287,3 Millionen Euro gesteigert, der Überschuss sank zugleich um 35 Prozent auf 14,3 Millionen Euro.

Damit bestätigte der Finanzberater heute seine Prognosen für 2008 und ging von leicht steigenden Erlösen aus. Das laufende Jahr sei wegen der gesetzlichen Neuregelungen mit besonderen Herausforderungen verbunden.

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Zu Berichten über eine mögliche Übernahme durch den Finanzdienstleister AWD sagte MLP-Vorstandsvorsitzende Uwe Schroeder-Wildberg, es habe bisher keinen Kontakt zwischen AWD und MLP wegen einer Übernahme gegeben.

Natürlich würde dem MLP-Chef  eine Übernahme durch AWD überhaupt nicht passen. Er dringt auf die Unabhängigkeit seiner Organisation, die vor allem gut verdienende Akademiker zu ihrer Klientel zählt. Und er hat Recht damit.

Schließlich ist AWD nicht einfach nur ein Konkurrent, sondern wird von einem Versicherer dominiert - der Schweizer Swiss Life. Sollten MLP und AWD wirklich zusammengehen, verspielen die Finanzvertriebe ihre Glaubwürdigkeit. Denn von unabhängiger Beratung kann dann wohl keine Rede mehr sein.

Seit dem Einstieg von Swiss Life bei AWD in diesem Jahr keimen immer wieder Zweifel an der Unabhängigkeit des Vertriebs auf. Etliche Berater hat AWD-Chef Carsten Maschmeyer verloren. Sein Schwager und AWD-Mitgründer Kai Lange ist heute beim neu gegründeten Vertrieb Formaxx. Branchenkenner befürchten, dass die Berater nun mehr Versicherungen der Schweizer verkaufen. Warum auch sonst sollte sich ein Versicherer einen Finanzvertrieb einverleiben?  

AWD steht damit nicht allein da. Die Glaubwürdigkeitsfrage ist auch beim größten Finanzvertrieb, der DVAG, durchaus angebracht. Die mehr als 30.000 Vertreter des gebundenen Vertriebs verkaufen als alleiniger Partner Policen der AachenMünchner, einer Marke von AMB Generali.

Den Ruf als unabhängige Vermittler hatten die Finanzvertriebe zwar auch bisher nicht wirklich: Schon lange wird ihnen vorgeworfen, sie würden nicht unabhängig beraten, sondern vor allem die Policen verkaufen, die in ihrem eigenen Provisionsinteresse liegen. Mit einem Versicherer im Rücken wird es noch schwerer, sich gegen solche Vorwürfe zu wehren.

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