Kommunikationstechnik: Handy-Produktion in Deutschland vor dem Aus

Kommunikationstechnik: Handy-Produktion in Deutschland vor dem Aus

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August-Wilhelm Scheer, Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM)

Mit der Schließung des Nokia-Standorts Bochum sei die Handy-Herstellung in Deutschland „so gut wie tot", sagt der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer.

Denn erst die von BenQ übernommene Siemens-Handyfertigung in Kamp-Lintfort und Bocholt, dann Motorola in Flensburg, jetzt Nokia in Bochum: Ein Werk nach dem anderen macht in Deutschland dicht; die Konzerne verlagern die Fertigung selbst vermeintlicher Hightech-Produkte ins billigere Ausland - und dieser Trend könnte weitergehen. Und auch anderen Fertigungsbetrieben der Telekommunikationstechnik droht nach seiner Einschätzung ein ähnliches Schicksal.

„Handys sind inzwischen Massenprodukte mit schmaler Marge", erläutert Scheer. Bei den Produktionskosten komme es auf jeden Cent an. Selbst Spitzentechnologie lässt sich - spätestens wenn die Fertigungsabläufe eingespielt sind - in Länder mit weniger hoch qualifizierten Arbeitnehmern verlagern, wie das Beispiel Motorola zeigt. In Flensburg wurden die ersten UMTS-Handys gebaut. Doch auch diese Produktion ging im vergangenen Jahr nach Asien. Der Exodus bei der Geräteherstellung werde weitergehen, wenn die Politik nicht für bessere Standortbedingungen sorge, beispielsweise durch ein flexibles Arbeitsrecht und ein modernes Bildungssystem, sagte Scheer.

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Die Zahl der Beschäftigten in der Herstellung von Kommunikationstechnik in Deutschland ist nach den Angaben von Bitkom von rund 80.000 im Jahr 2000 auf inzwischen noch 57.500 gesunken. Chancen sieht der Verband noch für den Erhalt der Produktionsstandorte für Infrastruktursysteme. Die gesamte Vermittlungstechnik gehöre dazu, Nebenstellenanlagen, Komponenten für Mobilfunkbasisstationen, erläuterte Bitkom-Experte Manfred Breul. Scheer sagte, bei der Herstellung von Telekommunikationsnetzen habe Deutschland „viel Substanz und eine gute Ausgangsbasis". Insgesamt steht nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten vor allem die Fertigung von Massenprodukten auch in anderen Bereichen in Deutschland vor einer schlechten Zukunft.

Der Direktor des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, erwartet einen allgemeinen Rückgang der Industriearbeitsplätze. „Generell müssen Industriearbeiter in allen Branchen langfristig um ihre Jobs fürchten", sagte er nach Angaben der „Bild am Sonntag". Die Herstellung von Vorprodukten mit ihren vielen Arbeitsplätzen gehe in Deutschland zunehmend verloren. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts Thomas Straubhaar sagte, Konsummassenartikel wie Schuhe, Kleider, günstige Fahrzeuge und einfache Elektrogeräte könnten in Deutschland nicht konkurrenzfähig hergestellt werden.

Ob zwangsläufig immer mehr Produktion aus Deutschland abwandert, ist allerdings auch nicht ganz sicher. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ist die Neigung zumindest mittelständischer Unternehmen zur Verlagerung ihrer Werke leicht rückläufig. Demnach planen gegenwärtig 13 Prozent der Firmen in den nächsten drei Jahren die Aufgabe der Produktion in Deutschland. Im Jahr 2005 waren es noch 19 Prozent. Hauptziele seien China und Osteuropa. Zugleich ist ein - wenn auch noch geringer - Trend festzustellen, die Produktion wieder nach Deutschland zurückzuholen. 46 Prozent der im Dezember 2007 befragten 360 mittelständischen Industrieunternehmen unterhalten der Studie zufolge Werke im Ausland. 2005 waren es noch 49 Prozent. Anders als in früheren Jahren hätten inzwischen sechs Prozent der im Ausland fertigenden deutschen Firmen Produktion zurückverlagert; fünf Prozent planten, dies zu tun. Gründe könnten Effizienzsteigerungen in Deutschland oder auch gestiegene Kosten zum Beispiel bei den Löhnen im Ausland sein, erläuterte Ernst & Young.

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