Kondolenzliste: Prominenten-Trauer um einen Pressechef und SPD-Politiker

Kondolenzliste: Prominenten-Trauer um einen Pressechef und SPD-Politiker

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Gerhard Schröder und Frank-Walter Steinmeier vor Beginn einer Kabinettssitzung im April 2005

von Andreas Wildhagen

Vor dem früheren Oberstadtdirektor von Göttingen und EnBW-Kommunaktionsleiter Hermann Schierwater neigen Ex-Kanzler Schröder und der genesende Frank-Walter Steinmeier ihr Haupt. Es fehlen auch Namen.

Selten wurde einem verstorbenen Kommunalpolitiker soviel Ehre zuteil. Altkanzler Schröder und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier stehen unter der Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom Donnerstag. Schierwater war ein höchst angesehener Kommunalpolitiker, als SPD-Oberstadtdirektor war er die Speerspitze des damaligen Oppositionsführers im niedersächsischen Landtag, Gerhard Schröder - eine kleine Bastion in der niedersächsischen Universitätsstadt, wo eigentlich die Grünen immer stark waren. Schwierwater, zunächst Sozialdezernent, später Verwaltungschef der Stadt, stärkte den Wissensstandort Göttingen, unterstüzte die Max-Planck-Gesellschaft in der Stadt, wo immer es ging. Das mag der Grund dafür sein, dass Schröder selbst und sein damaliger Chef der Staatskanzlei in Hannover, Frank-Walter Steinmeier, auf der nach dem Alphabet geordneten Kondolenzliste auftauchen - ganz ohne Titel, Funktion oder früheren Ehren.

Erfolgreicher Kommunikator

Selten wurde einem früheren Pressesprecher und Oberstadtdirektor soviel Ehre zuteil. Man mag mutmaßen, woran das liegt. Zunächst auffällig ist, dass einer auf der Liste fehlt: Utz Claassen, der frühere und erfolgreiche Chef des Göttinger Wäge- und Messinstrumentenherstellers Sartorius. Die Unternehmerfamilie Sartorius ist eine Göttinger Größe, eine Dynastie. Als der damals gerade bei Volkswagen ausgeschiedene Automanager Claassen, Sanierer bei Seat, zum Vorstandsvorsitzenden der Göttinger Technologie-Vorzeigefirma gekürt wurde, da holte er Schierwater ins Haus - als Kommunkationschef. Schierwater machte seinen Job so gut, dass Claassen ihn zum baden-württembergischen Energiekonzern EnBW nachholte, wo er ebenfalls die Kommunkationsabteilung leitete und Claassen, der auch gern mal als Provokateur im Ländle - bewusst oder unbewusst, mal laut mal leise, aber immer mit breiter Brust auftrat - gegen allzu schlimme Anfeindungen geschickt abfederte und auch abschirmte.

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Dankbarkeiten der Politik

Insider der niedersächsischen Politiker-, Professoren- und Managerszene erwarten - und zu dieser Kaste gehört auch der mittlerweile ins Beraterfach gewechselte Claassen als Honorarprofessor der Universität Hannover - dass Claassen vielleicht noch eine eigene Anzeige schaltet. Aber das ist Spekulation. Dass Schröder und Steinmeier ihre Namen direkt unter die Todesanzeige setzen, liegt daran, so berichten dieselben Insider, dass Schierwater persönlich und zusammen mit der süd-niedersächsischen SPD einst maßgeblich daran beteiligt war, dass Gerhard Schröder zum Oppositionschef im niedersächsischen Landtag und als Ministerpräsidentenkandidat gekürt wurde. Die SPD Göttingen war damals ein wichtiger Einflussfaktor für den Aufstieg Schröders innerhalb der niedersächischen Landespartei, die Braunschweig-SPD mit ihrem Kandidaten Glogowski, der spätere SPD-Innenminister und Ministerpräsident als Nachfolger von Schröder, war damals gegen Schröder. Schierwater machte innerhalb der SPD Stimmung für Schröder - und somit ebnete eine graue und verlässliche Eminenz den Weg des früheren Juso-Chefs ins Kanzleramt.

Es gibt noch Dankbarkeiten, auch im sonst vielfach als schmutzig angesehenen Geschäft der Politik - das mag die Kernaussage der ungewöhnlichen Todesanzeige vom Donnerstag sein.

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