
Eigentlich sollte bei Solar Millennium Ruhe einkehren. Denn der Spezialist für Solarkraftwerke hatte sich vor kurzem mit seinem Ex-Vorstandschef Utz Claassen darauf geeinigt, über einen Vergleich zu verhandeln und so den Streit um Millionenprämien für den schillernden Manager zu beenden.
Doch jetzt bricht in dem Unternehmen ein neuer Konflikt aus, der seit Jahren schwelt. Firmengründer Harald Schuderer greift seinen Aufsichtsrat und Mitgründer Hannes Kuhn öffentlich an. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern geht auf einen Aktiendeal kurz vor dem Börsengang der Solarfirma im Jahr 2004 zurück, der an diesem Freitag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verhandelt wird.
Der Streit sorgt für neuen Wirbel im krisengeschüttelten Unternehmen. Schuderer geht seinen ehemaligen Gefährten hart an: "Kuhn hat viele Fehler gemacht", sagte er dem Handelsblatt. Das liege auch an dessen "teilweise unbelehrbarer Eitelkeit und seiner Neigung zur Selbstüberschätzung".
Kuhn habe bei Solar Millennium private und geschäftliche Interessen "nicht immer sauber getrennt". Er habe seit Schuderers Ausscheiden im Jahr 2004 mangels "Gegenpol" beim Erlanger Solarkraftwerkbauer "immer die Fäden gezogen. Alle Angestellten - einschließlich des Vorstands - betrachtete er nur als seine ausführenden Organe". Die Vorwürfe wies ein Sprecher des Aufsichtsrats zurück.
Längst interessiert sich auch die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin für Solar Millennium. Sie prüft Insidervorwürfe. Es geht um Aktienkäufe, bevor bekannt wurde, dass Utz Claassen überraschend den Chefposten beim Mittelständler übernahm. "Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen", sagte eine Bafin-Sprecherin. "Falls sich der Verdacht erhärten sollte, werden wir den Fall an die Staatsanwaltschaft weiterleiten."
Schuderer bekräftigte gegenüber dem Handelsblatt die Vorwürfe: "Bei Solar Millennium werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere ähnliche Vorgänge finden", behauptete er und fügte hinzu: "Vielleicht hätte sich Kuhn statt um seine eigenen Finanzgeschäfte intensiver um die Finanzierung von Solar Millennium kümmern sollen."
Schwere Fehler
Der Jurist Schuderer war 1997 Initiator und Mitgründer des Erlanger Unternehmens, das Solarthermiekraftwerke baut. Die Anlagen bündeln Sonnenlicht mit großen Spiegeln, erhitzen Öl und erzeugen Wasserdampf, der mit Turbinen Strom erzeugt. Er saß bei dem Unternehmen, das Kraftwerke in Spanien gebaut hat, lange im Aufsichtsrat.
Aber vor dem Börsengang des Unternehmens 2004 schied er aus dem Kontrollgremium aus und verkaufte den größten Teil seiner Aktien an die Balance AG in Dubai, die Kuhn gehört. Heute besitzt er nach eigenen Angaben nur noch "ein paar Anteile im Hobbybereich".
Neue Strategie in den USA Schuderer wirft dem Aufsichtsrat von Solar Millennium schwere Fehler vor. "In den USA hat Kuhn den falschen Mann an die Spitze gesetzt", kritisierte er. Dort hatte das Unternehmen vor kurzem die Strategie für sein Vorzeigeprojekt in Blythe radikal geändert: Statt auf seine eigene Solarthermie-Technologie setzt das Unternehmen jetzt im ersten Bauabschnitt des Milliardenprojekts auf marktübliche Photovoltaikanlagen. Vorstandschef Christoph Wolff führt dafür "den Verfall der PV-Preise" und "kurzfristige Preiserhöhungen bei Rohstoff- und Baupreisen" an.
Schuderer hält dies für falsch: "Wenn sich Solar Millennium von der Solarthermie verabschiedet, können sie den Laden eigentlich dichtmachen."Von Anfang, so Schuderer, habe das Erlanger Unternehmen immer wieder Finanzierungsprobleme gehabt. "Schon bei den Projekten in Spanien mussten wir wegen der Kapitalschwäche große Kompromisse machen", sagte Schuderer.
In Spanien baute das Erlanger Unternehmen unter anderem die Solarkraftwerke Andasol 1 und 2. Am neuen Kraftwerk Andasol 3 haben sich neben Solar Millennium und Ferrostaal auch RWE Innogy, Tochter des Essener Energiekonzerns, die RheinEnergie und die Stadtwerke München beteiligt.
























