Konjunktur: Deutschlands neues Wirtschaftswunder

Konjunktur: Deutschlands neues Wirtschaftswunder

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BASF

von Franz W. Rother, Jürgen Salz, Mark Fehr, Martin Seiwert, Michael Kroker, Lothar Schnitzler, Harald Schumacher und Hans-Jürgen Klesse

Der XXL-Aufschwung schrumpft. Doch Deutschlands Unternehmen müssen sich nicht fürchten. Wie sich mittelständische Unternehmen und Dax-Konzerne gewappnet haben, und was Anleger davon haben.

Eigentlich müsste Jochen Hahne Trübsal blasen. Die Weltwirtschaft stottert und auch in Deutschland lässt das Wachstum nach. Doch der Chef und Gesellschafter des Büromöbelbauers Wilkhahn in Bad Münder bei Hildesheim ist guter Dinge.

„Mit ein bisschen Glück werden wir im laufenden Jahr unseren Rekordumsatz von 2007 mit 94,6 Millionen Euro knacken“, sagt der Niedersachse. In den ersten sechs Monaten legte der Umsatz um 20 Prozent zu. Vor allem die Deutschen und die Chinesen bestellten wie wild die Designmöbel vom flachen Land. Hahne spürt zwar, dass der Auftragsdruck nachlässt, allerdings nicht so stark, dass er sich Sorgen macht.

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„Und wenn der Abschwung kommt“, sagt Hahne, „sind wir besser darauf vorbereitet denn je.“ Frühzeitig baute der Mittelständler für die kommenden Flauten vor. In der vergangenen Krise war der Umsatz um ein Drittel gefallen. Seine Beschäftigten bekommen Mehrarbeit nicht direkt bezahlt, sondern bunkern sie für auftragsarme Zeiten. Bis zu 200 Stunden können Hahnes Leute auf diese Weise ansparen - und unter bestimmten Umständen ein halbes Jahr Flaute ohne große Gehaltseinbußen und Extrakosten fürs Unternehmen überbrücken. Wenn es hart kommt, kann Hahne das Weihnachts-und Urlaubsgeld ausfallen lassen und später nachzahlen.

Wilkhahn steht für das neue Selbstbewusstsein, das in den meisten deutschen Unternehmen vorherrscht. Statt vor drohenden Abschwüngen zu zittern, bauen die Chefs auf die Konsequenzen aus der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, die Deutschland 2008/09 erlebte. „Für die Unternehmen hierzulande gibt es keinen Grund, in Panik zu geraten“, sagt Christan Schuh, Partner bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney, „sie haben aus der letzten Konjunkturkrise gelernt und können mit dem Auf und Ab der Märkte viel besser umgehen.“

Anders als vor wenigen Jahren, verfügen die Unternehmen heute über einen Werkzeugkasten zur Krisenbewältigung, der so gut gefüllt ist wie nie zuvor. Arbeitszeitkonten, freiwilliger Lohnverzicht, Zeitarbeit, Kurzarbeit – allein wenn es darum geht, Lohnkosten zu sparen, aber Stammmitarbeiter für den späteren Aufschwung zu halten, sind deutsche Unternehmen inzwischen bestens präpariert.

Zugleich stehen viele Konzerne und Mittelständler wirtschaftlich so stark wie wie nie da, um einen möglichen Abschwung ohne große Blessuren zu überstehen. Die Auftragsbücher sind voll, Lieferzeiten von acht Monaten und mehr keine Seltenheit. Die Bilanzen strotzen vielerorts nur so vor Solidität. Wer gut im Geschäft ist, hat in der Krise nur maßvoll Geld verloren und nach dem Abschwung wieder gut verdient. Etliche der 30 Dax-Konzerne haben ihre Eigenkapitalquote seit Ende 2007 trotz des Einbruchs 2008/09 erhöht. Alle deutschen Börsenschwergewichte zusammen sitzen derzeit auf Reserven von über 180 Milliarden Euro. Noch vor zwei Jahren waren es nur rund 100 Milliarden Euro.

Was mit Blick auf die Zukunft aber mindestens so viel zählt, sind die vielfach runderneuerten Geschäftsmodelle und -prozesse. Unternehmen haben sich in der Krise auf die zukunftsträchtigen Märkte fokussiert und schwache oder verlustreiche Sparten abgestoßen – die Deutsche Post zum Beispiel das defizitäre US-Geschäft ihres Expressdienstes DHL. Andere wie Heidelberger Druckmaschinen oder die zumeist deutschen Töchter des Schweizer Maschinenbauers Oerlikon haben die Gewinnschwelle gesenkt und schreiben jetzt schon bei weniger Einnahmen schwarze Zahlen.

Das ist gut so.

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