Dazu soll auch Pampers beitragen, die Marke, die sich 80 Milliarden Mal pro Jahr verkauft und rund acht Milliarden Dollar in die Kassen spült. Nach Angaben des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel werden allein in Deutschland jährlich fast drei Milliarden Windeln verbraucht, das sind pro Tag knapp acht Millionen Stück. 4000 Exemplare werden Kindern im Laufe ihrer Windelkarriere umgeschnallt, insgesamt geben deutsche Eltern mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr für das wichtigste Kleidungsstück des Nachwuchses aus. Und über 60 Prozent davon sackt Procter & Gamble ein.
Entwickelt werden die High-Tech- Teile für die Mülltonne in Schwalbach. Dort, vor den Toren Frankfurts, ist eines von 27 rund um den Globus verteilten Innovationszentren des Konzerns beheimatet; das größte außerhalb der USA, über 1000 der weltweit insgesamt 9000 P&G-Forscher arbeiten dort. Drei Standorte gehören zum deutschen Forschungs-Campus: Schwalbach, Kronberg und Darmstadt. Während sich in Schwalbach alles um den trockenen Baby-Popo dreht, stehen in Darmstadt Haare und Haar-colorationen auf dem Prüfstand. Und in Kronberg geht es darum, wie lang die Stoppeln bei einem Drei-Tage-Bart sind, wie laut die Blasgeräusche bei einem Fön sein dürfen und wie beim Zähneputzen die Bürste gehalten wird.
Bei Shampoo-Marken wie Pantene oder Head & Shoulders gebe es drei bis vier Neuheiten-Initiativen pro Jahr, sagt Maximilian Conze, P&G-Marketingdirektor, verantwortlich für das Schönheitspflegegeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bei Produkten wie den Gillette-Rasierern sei der Rhythmus dagegen ein ganz anderer: Dort werde alle fünf bis sieben Jahre eine neue Generation auf den Markt gebracht, eine Art Plattform, von der aus dann Jahr für Jahr Änderungen und Verbesserungen vorgenommen würden. „Also eher Evolution statt Innovation“, sagt Conze, „in etwa vergleichbar mit der Automobilindustrie.“
Synonym für Erfindungsreichtum
Der Seifensiederladen aus dem Mittleren Westen gilt als Vater des Marken-Managements, setzte früh auf TV- und Radiowerbung. In den Dreißigerjahren begann Procter mit Sponsoring und Produktion eigener Sendungen, um seine Ivory-Seife bekannt zu machen – die Seifenoper war geboren. Zwei Milliarden Dollar jährlich fließen in Forschung und Entwicklung, fast neun Milliarden Dollar schwer ist das Marketingbudget – die größte Marketingmaschine in der Welt der Verbrauchsgüter.
P&G, die zwei Buchstaben sind das Synonym für Erfindungsreichtum. Ideen, nah an Trends, nah am Kunden, hier werden sie geboren. Jahr für Jahr bescheinigen Marktforscher und Innovationspreisstifter dem Konzern ungeheuere Kreativität. Viele Unternehmen halten das P&G-Training on the job sogar für eine bessere Schule als ein Studium der Betriebswirtschaft. Nicht wenigen Top-Managern diente sie als Sprungbrett: Microsoft-CEO Steve Ballmer, Adidas-Boss Herbert Hainer, Ex-Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch oder Bernd Beetz, Chef des Parfümriesen Coty, haben ihr Handwerk bei Procter gelernt.
Nur in Ausnahmefällen holt sich Procter Verstärkung von außen. Bei Beförderungen konkurrieren praktisch nur interne Kandidaten miteinander, inklusive der Mitarbeiter, die über eine Akquisition zu P&G gekommen sind.
So wie Pirjo Väliaho, Chefin von P&G-Deutschland und damit der umsatzstärksten Auslandstochter. Die Finnin hat nach der Übernahme des Rasur-Spezialisten Gillette bei Procter Karriere gemacht und findet, der Konzern verstehe es wie kein anderer, mit konsequentem Konsumentenfokus Werte zu schaffen. „Ich war neidisch auf Procter & Gamble, als ich noch bei Gillette war.“













