Konzernchef Reitzle: Linde wird Euro-Krise sicher überstehen

Konzernchef Reitzle: Linde wird Euro-Krise sicher überstehen

von Sebastian Matthes, Franz W. Rother und Roland Tichy

Wolfgang Reitzle, Chef des im Dax notierten Gaseherstellers Linde, will bei anhaltender Euro-Krise verstärkt ins außereuropäische Ausland investieren.

"Wird die Euro-Krise von der Politik nicht bewältigt, werden wir unser Engagement außerhalb von Europa eben noch stärker ausbauen als ohnehin geplant. Etwa 70 Prozent unserer Investitionen in neue Projekte tätigen wir bereits heute in Asien und Lateinamerika", sagte Reitzle der WirtschaftsWoche. In Deutschland erwirtschaftet das Unternehmen laut Reitzle schon jetzt nur noch knapp zehn Prozent seines Umsatzes. Linde sei deshalb bei der aktuellen Währungskrise "ein vergleichsweise sicherer Hafen". Begünstigt werde dies auch durch Struktur des Gasegeschäfts: "Wir sind kein Export-Unternehmen. Wir produzieren unsere Industriegase immer dort, wo sie benötigt werden." Die Kosten seien entsprechend immer in der gleichen Währung wie der Umsatz. Reitzle: "Dadurch haben wir eine natürliche Währungsabsicherung. Bricht eine Währung ein, macht sich dies zwar auch in unserer Bilanz in Euro bemerkbar, wir verlieren aber keine Marge." Deshalb, so Reitzle, ändere eine Währungsschwäche nichts an Lindes Wettbewerbsfähigkeit: "Egal, was mit dem Euro passiert - Linde wird diese Währungskrise sicher überstehen."

Euro-Rettung gefährdet Aufschwung

Die Ergebnisse des jüngsten Euro-Krisengipfels gefährden laut dem Linde-Chef den Aufschwung. "Was in Brüssel beschlossen wurde, führt zu einer schleichenden Egalisierung des Zinsniveaus. Das wird die Investitionstätigkeit in Deutschland und in anderen leistungsstarken EU-Ländern bremsen. Damit setzen wir unseren Aufschwung aufs Spiel", sagt Reitzle. Europa brauche aber weiterhin ein ordentliches Wachstum, um die Schuldenmisere zu überwinden. Reitzle weiter: "Ich bin grundsätzlich für den Euro, aber nicht um jeden Preis - vor allem nicht zum Preis der Sozialisierung der Schulden anderer Länder. Der jetzt eingeschlagene Weg hin zu einer Transferunion mit einer zur Bad Bank mutierten Europäischen Zentralbank kann nicht die Lösung sein."

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Mit Nachdruck fordert Top-Manager Reitzle "verbindliche einheitliche Spielregeln, nach denen sich alle Euro-Mitgliedstaaten richten müssen". Es könne nicht sein, "dass einige Länder auf Kosten anderer Nationen ein angenehmes Leben führen. Insofern stehen wir vor einer historischen Weichenstellung: Europa könnte, wenn wir nicht aufpassen, zum großen Verlierer der Finanzmarktkrise werden." Der Euro könne nur überleben, wenn sich die Länder " in den nächsten 10 bis 20 Jahren an eine disziplinierte Haushaltsführung halten". Die Griechenland-Rettung sei deshalb möglicherweise ein falsches Signal, fürchtet Reitzle, weil andere schwache EU-Länder sich auch auf die Solidargemeinschaft verlassen könnten und weniger Druck zur Haushaltssanierung spürten.

Als letzte Lösung fordert der Linde-Chef, dass undisziplinierte Staaten aus der Euro-Gruppe entfernt werden müssten: "Wir brauchen einen Prozess, der es erlaubt, ein Land, das sich nicht an die Regeln hält, aus der Gemeinschaft auszuschließen. Es muss die Möglichkeit geben, einen Staat geordnet pleitegehen zu lassen. Sonst wird so ein Land zum schwarzen Loch für die anderen."

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