Konzerne: Was vom Merckle-Imperium übrig bleibt

Konzerne: Was vom Merckle-Imperium übrig bleibt

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Ludwig Merckle, Sohn von Adolf Merckle, am 07.05.2009 bei der Hauptversammlung in Leimen bei Heidelberg.

von Jürgen Salz

Vor einem Jahr nahm sich der Unternehmer Adolf Merckle das Leben - riskante Geldgeschäfte verschuldeten das Familienimperium in der Finanzkrise. Von seinem Lebenswerk wird mehr übrigbleiben als zunächst vermutet.

"Mein Ziel ist es, möglichst viel von dem zu erhalten, was mein Vater aufgebaut hat“, sagte Ludwig Merckle vor wenigen Tagen zur „Südwest Presse“. Der älteste Sohn und Alleinerbe des väterlichen Imperiums könnte es schaffen. Die Familie hat im vergangenen Jahr ihre Beteiligung am Baustoff-Hersteller Heidelberg Cement reduziert und trennt sich ebenso von dem Medikamenten-Hersteller Ratiopharm. Das dürfte reichen, um die Schulden – weniger als drei Milliarden Euro – zu begleichen. Der Pharmagroßhändler Phoenix wird dagegen wohl  im Familienbesitz verbleiben. Ebenso wie eine Reihe kleinerer Beteiligungen, zu denen etwa der Geländefahrzeughersteller Kässbohrer zählt. Noch wenige Monate nach Merckles Tod hatte es so ausgesehen, als müsse sich die Familie auch von Phoenix und anderen Beteiligungen trennen.

In der Finanzkrise übernommen

Merckle galt als einer der reichsten Deutschen; zusammengenommen erwirtschafteten seine Unternehmen einen Umsatz von etwa 35 Milliarden Euro und beschäftigten 90 000 Mitarbeiter. Sukzessive baute Merckle seine Beteiligungen aus. Heidelberg Cement jedoch übernahm sich mit der Übernahme des britischen Wettbewerbers Hanson, die Banken wurden nervös. Mit VW-Aktiengeschäften verlor Merckle zusätzlich Millionen. Seine Unternehmen gerieten in eine finanzielle Notlage. Merckle wählte den Freitod. Von fünf Milliarden Euro Schulden war die Rede.

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Im Jahr danach reduzierte Ludwig Merckle den Familienanteil an Heidelberg Cement von 72 auf 24 Prozent – und konnte so bereits einige Schulden begleichen. Um an frisches Geld für Heidelberg Cement (Umsatz 2008: etwa 14 Milliarden Euro) zu gelangen, zapfte Unternehmenschef Bernd Scheifele erfolgreich die Kapitalmärkte an. Scheifele reduzierte die Verschuldung und sicherte sich langfristige Finanzierungen. Inzwischen gilt Heidelberg Cement sogar als Kandidat für den Dax.

Was geht, was bleibt

Um die verbliebenen Schulden von weniger als drei Milliarden Euro zu begleichen, muss sich die Familie noch vom Generika-Hersteller Ratiopharm trennen. Der Verkaufsprozess läuft – und soll noch im ersten Quartal dieses Jahres über die Bühne gehen. Für die Familie ist das bitter: Ratiopharm war immer das Herzstück des Imperiums. „Das ist mein Kind“, sagte Adolf Merckle über Ratiopharm – er hatte das Unternehmen 1973 gegründet. Inzwischen bewerben sich etwa der US-Konzern Pfizer, die chinesische Sinopharm, der israelische Generika-Hersteller Teva und der schwedische Finanzinvestor EQT um den Zuschlag für Ratiopharm.  Für das gerade abgelaufene Jahr erwartet Ratiopharm einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und einen Gewinn (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in Höhe von 300 Millionen Euro.

Falls durch Ratiopharm genügend Geld in die Kasse kommt, wird der Pharmagroßhändler Phoenix wohl im Familien-Portfolio verbleiben. Phoenix – mit einem Umsatz von mehr als zwanzig Milliarden Euro – ist Europas größter Pharmagroßhändler. Das Unternehmen, das Zehntausende Apotheken mit Medikamenten beliefert, galt ohnehin – aufgrund seiner verschachtelten Firmenstruktur – als schwer verkäuflich.

Gegen einen Verkauf hat sich Ludwig Merckle bereits beim Pistenraupen-Hersteller Kässbohrer entschieden. Der Spezialist für Schneefahrzeuge zählt zu den kleineren Unternehmen in Merckles Reich. Im Geschäftsjahr 2008/2009 (30. September) erwirtschaftete der „Pistenbully“-Produzent 176 Millionen Euro Umsatz. Merckle hatte einen Verkauf im Frühjahr prüfen lassen, doch dann erschienen ihm die Angebote wohl nicht verlockend genug. Ebenso wie Kässbohrer dürfte auch das Gut Hohen Luckow in der Nähe von Rostock oder die Beteiligung am Maschinenbauer Zollern in Familienbesitz bleiben. 

„Klar ist, dass es die alte Merckle-Gruppe in dieser Form nicht mehr geben wird“, sagt Ludwig Merckle.  Der Familie bleiben jedoch noch einige wertvolle Unternehmen erhalten.

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