Konzernermittler: Telekom reagierte 2005 mit einer Rasterfahndung auf Indiskretionen aus dem Top-Management

Konzernermittler: Telekom reagierte 2005 mit einer Rasterfahndung auf Indiskretionen aus dem Top-Management

Im Jahre 2005 hat die Deutsche Telekom nach Indiskretionen umfangreiche Ermittlungen gegen Vorstände und Top-Manager eingeleitet.

Das Unternehmen reagierte im Juni 2005 mit einer internen Fahndung auf einen Bericht der WirtschaftsWoche, wonach der damalige T-Com-Chef Walter Raizner einen Umzug der Festnetz-Zentrale von Bonn nach München plane. Wie aus dem streng vertraulichen Prüfbericht der Anwaltskanzlei Oppenhoff & Partner hervor geht, der der WirtschaftsWoche komplett vorliegt, beauftragte Raizner die Konzernrevision, im gesamten Management der Deutschen Telekom nach der undichten Stelle zu fahnden. Die Prüfer sollten umgehend eine Liste aller an dem Umzugsprojekt (Codename „Kombinat“) beteiligten Manager und Mitarbeiter erstellen und herausfinden, wer die WirtschaftsWoche informiert hatte.

Bereits am 20. Juni legte die Konzernrevision Raizner einen Zwischenbericht vor. Demnach hätten kurz vor Veröffentlichung in der WirtschaftsWoche 68 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen und Führungsebenen vom Umzugsprojekt „Kombinat“ gewusst. Der Zwischenbericht, den der Anwalt der WirtschaftsWoche einsehen konnte, listet die Namen aller herausgefilterten Telekom-Manager auf. Verzeichnet ist, wann jeder einzelne Manager in die Umzugspläne eingeweiht worden waren und wer von ihnen Vertraulichkeitserklärungen unterschrieben hatte. Die Indiskretion komme aber von ganz oben aus dem Bereichsvorstand oder dem Konzernvorstand, fand die Revision heraus, weil nur die Vorstandsmitglieder alle in der WirtschaftsWoche veröffentlichten Schlüsselinformationen gekannt hätten. Eine Kopie des Berichtes ging auch an den Hauptverdächtigen in der Spitzelaffäre, den für Sonderermittlungen in der Konzernsicherheit zuständigen Telekom-Manager Klaus Trzeschan.

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Im Prüfbericht zur Spitzelaffäre hält die Anwaltskanzlei Oppenhoff & Partner ausdrücklich fest, dass die Konzernrevision vorschlug, zur Suche der undichten Stelle „in enger Zusammenarbeit mit der Konzernsicherheit weitere systematische Analysen“ anzustellen. Dazu passt ein Vermerk, den die Oppenhoff-Anwälte fanden. Demzufolge seien diese „Analysen“ bereits unter der Verantwortung von Sicherheitsmanager Trzeschan „in Arbeit“.

Die Telekom teilte der WirtschaftsWoche auf Anfrage mit, dass die Ermittlungen nach Vorlage des Zwischenberichts gestoppt worden seien. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es im Rahmen der Quellensuche für die Umzugspläne von T-Com Bespitzelungen gegeben hat“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Konzerns. „Der Revisionsbericht befasst sich ausschließlich mit der Ermittlung der internen Quelle. Da bereits nach kurzer Zeit feststand, dass 68 Personen von dem Thema wussten, stellte die Revision die Arbeit als nicht weiter zielführend ein.“ Die Telekom schließt aber nicht aus, dass der WirtschaftsWoche-Bericht über die Umzugspläne einer der Auslöser dafür gewesen sein könnte, dass 2006 die Wirtschaftswoche-Redakteure Jürgen Berke und Thomas Kuhn monatelang bespitzelt wurden.

Für T-Com-Chef Raizner war die frühzeitige Veröffentlichung ein Fiasko. Der damalige Konzernchef Kai-Uwe Ricke, der schon Zustimmung signalisiert hatte, rückte von den weit gediehenen Umzugsplänen ab. Die Zentrale der Festnetzsparte blieb in Bonn.

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