Konzernumbau: Der Nebel um Fiat lichtet sich

Konzernumbau: Der Nebel um Fiat lichtet sich

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Fiat-Präsident John Elkann (rechts) und der Vorstandsvorsitzende von Fiat Sergio Marchionne

von Martin Seiwert

Nach langem Schweigen meldet sich Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne in dieser Woche mit zahlreichen Neuigkeiten zurück. Der Auto- und Industriekonzern Fiat steht vor turbulenten Monaten.

Es war ziemlich ruhig geworden um Fiat-Chef Sergio Marchionne in den letzten Monaten. Als er noch um den Einstieg bei Opel kämpfte, war er fast täglich in den Schlagzeilen. Kurz nach dem geplatzten Opel-Deal überraschte er die Autowelt dann mit seinem spektakulären Einstieg beim zwischenzeitlich insolventen US-Autobauer Chrysler. Seit Fiat 20 Prozent an Chrysler hält, sitzt der notorische Pullover-Träger – Marchionne bindet sich so gut wie nie eine Krawatte um –  auch im Chrysler-Headquarter in Detroit am Steuer.

Zwar teilte der Fiat-Boss vor einigen Monaten der Öffentlichkeit in groben Zügen mit, wie er das Geschäft von Fiat und Chrysler künftig verschmelzen und Milliarden-Einsparungen realisieren möchte. Doch ansonsten hüllte er sich in Schweigen. Besonders die Chrysler-Händler machte das allmählich nervös. Während Wettbewerber mit einer Fülle neuer Modelle versuchten, die Absatzkrise in den USA abzuhaken, war bei Chrysler noch nicht einmal absehbar, mit welchen Modellen der Konzern in die Zukunft gehen will – geschweige denn, wie sie aussehen. 

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Neue Chrysler-Modell

Das Schweigen ist beendet. Mit einem kleinen Feuerwerk von Neuigkeiten hat sich Marchionne in den vergangenen Tagen zurückgemeldet. Geschickt bediente der Italiener die zuerst, bei denen die Ungeduld am größten war: Die Chrysler-Händler in den USA. In Orlando, Florida, traf er sich am Dienstag hinter verschlossenen Türen mit rund 2400 Chrysler-Händlern und stellte ihnen 15 neue oder überarbeitete Modelle vor, mit denen Chrysler künftig wieder auf in die Erfolgsspur zurückkehren will. Alles unter strengster Geheimhaltung, versteht sich. Medienvertreter waren ebenso wenig erwünscht wie Mobiltelefone oder Kameras.

Die neuen Modelle hat der Konzern bitter nötig. Obwohl der Absatz in den USA im ersten Halbjahr um zehn Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2009 zulegte, standen am Ende rote Zahlen in der Bilanz. Nur operativ war Chrylser schwarz. Unter anderem wegen hoher Zinslasten durch staatliche Kredite blieb unterm Strich ein Minus von rund 370 Millionen Dollar.

Teuer erkauftes Plus

Marchionne konnte sich deshalb vor den Händlern in Orlando eine Spitze gegen die Regierung in Washington nicht verkneifen: Wenn man Chrysler wie „den anderen Autobauer in der Stadt“ – gemeint war GM – behandelt hätte und Subventionen statt Kredite gegeben hätte, so murrte Marchionne, „dann wären wir jetzt schon in den schwarzen Zahlen“.

Das Absatzplus im ersten Halbjahr, so heißt es bei Chrysler-Händlern, war teuer erkauft. Vor allem mit wenig gewinnbringenden Verkäufen an Firmen und Autovermieter habe Chrysler 2010 die Absätze angekurbelt. Privatkunden warteten dagegen auf neue Modelle oder wanderten zu anderen Marken ab.

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