Konzernumbau: Existenzsicherung für TUI-Chef Frenzel

Konzernumbau: Existenzsicherung für TUI-Chef Frenzel

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TUI-Chef Michael Frenzel: will sich nun von seiner Schifffahrt-Sparte Hapag-Lloyd trennen

Fast hätte man Mitleid mit Michael Frenzel haben können: Erstmals seit langem kann er für das vergangene Jahr ordentliche Zahlen mit gestiegenen Umsätzen und deutlich verbesserten Ergebnissen vorlegen – und dann nimmt kaum einer davon Notiz.

Selten gab es eine Bilanzpressekonferenz, auf der die Bilanz so wenig interessierte, wie am Dienstag beim Reise- und Schifffahrtskonzern TUI in Hannover. Was die angereisten Journalisten wirklich wissen wollten, darüber ließ sich Frenzel erst zum Schluss aus – in mehr oder weniger freier Rede. Kein Wort stand davon in seinem vorab verteilten Redetext, obwohl es um nicht weniger geht als die Zukunft des TUI-Konzerns.

Kein Wort auch über den, der den bevorstehenden Kurswechsel letztlich veranlasst hat. Den Namen seines Widersachers John Fredriksen nannte Frenzel nicht ein einziges Mal. Dabei hat der norwegische Tankerkönig geschafft, woran andere Anteilseigner scheiterten. Er zwang den dienstältesten Dax-Vorstand in die Knie. Fast zwanghaft wirkte darum Frenzels Bemühen, den Eindruck zu erwecken, er und seine Vorstandskollegen hätten den bevorstehenden Kurswechsel aus eigenem Antrieb eingeleitet.

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Sicher ist: Die TUI steht vor einem tiefgreifenden Strategiewechsel. Das in den vergangenen Jahren von Frenzel verfolgte Zwei-Säulen-Modell mit den beiden Geschäftsfeldern Touristik und Schifffahrt ist passe, die Trennung von Hapag-Lloyd beschlossene Sache. Der von vielen erwartete Merger der Containerreederei mit einem Partner aus Fernost und die Weiterführung dieser Beteiligung in der TUI-Holding nach dem Vorbild des Zusammenschlusses mit dem britischen Reiseveranstalter First Choice in der TUI Travel ist zwar noch eine von drei Optionen, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Ebenso so unwahrscheinlich ist ein Spin-off der Schifffahrt. Zu groß ist der von Hapag-Lloyd zu übernehmende Anteil der Schuldenlast von fast vier Milliarden Euro im Konzern. Das neue Unternehmen, obwohl wegen der guten Aussicht für die Containerlogistik mittel- und langfristig eine Ertragsperle, wäre vom Start weg unterbewertet und damit ein sicherer Übernahmekandidat. Was ganz deutlich wurde: Stattdessen hofft Frenzel auf einen schnellen Verkauf seiner Reedereibeteiligung, am liebsten an die schon seit Wochen als Interessenten gehandelte Singapur-Reederei Neptune Orient Lines (NOL).

Was das letztlich für Hapag-Lloyd bedeutet, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Wird die Hamburger Traditionsreederei in Zukunft zur NOL-Europa-Dependance degradiert? Gehen dabei Arbeitsplätze verloren und wenn wie viele? Gibt es womöglich doch eine Chance für die vom Großspediteur Klaus-Michael Kühne (Kühne + Nagel) angeregte „deutsche Lösung“ mit einer heimischen Investorengruppe, die dafür sorgen könnte, dass Hapag-Lloyd ein deutsches Unternehmen bleibt? Besonders realistisch ist auch das nicht.

Eher erkennbar ist die Perspektive für die Rest-TUI. Die wird wohl wieder, was sie schon mal werden sollte, als Frenzel mit dem Umbau des ehemaligen Stahl- und Kohlekonglomerats Preussag begann: ein Touristikunternehmen. Mit dem Hauptgeschäftsfeld Reiseveranstalter und zwei kleineren, dafür ertragsstarken Bereichen als Hotelbetreiber und Kreuzfahrtanbieter.

Und was wird aus der Holding in Hannover? Frenzel hält die auch in Zukunft für notwendig, um von dort die drei zukünftigen Touristikgeschäftsfelder zu steuern. Überzeugend ist das nicht. Eher drängt sich der Eindruck auf, dass es hier um Existenzsicherung geht. Wenn Frenzel schon nichts für die Jobs bei Hapag-Lloyd tun kann, dann wenigstens für seinen eigenen.

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