Konzernumbau: Metro-Chef Cordes knöpft sich die Großmarktsparte vor

Konzernumbau: Metro-Chef Cordes knöpft sich die Großmarktsparte vor

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Metro-Chef Eckhard Cordes

von Henryk Hielscher

Deutschlands größter Handelskonzern hat im vergangenen Jahr mehr als 2 Milliarden Euro verdient. Zudem soll die Metro-Großmarktsparte in zwei Bereiche geteilt werden: Das Europa- und das Asiengeschäft. Mit der neuen Konzernstruktur sind auch Personalrotationen verbunden.

Das ZDF bekommt langsam ein Problem. Wozu noch dynastische Verwicklungen im mittäglichen Hausfrauenspaß "Reich und schön" verfolgen, wenn es doch den Düsseldorfer Metro-Konzern gibt? Die Rollen dort sind ähnlich vielschichtig angelegt und bestens geeignet den Gelegenheitszuschauer in tiefe Verwirrung zu stürzen. In der heutigen Folge des Metro-Plotts wurde etwa Konzernvorstand Frans Muller, bisher alleiniger Chef der wichtigen Großmarkt-Sparte Cash & Carry (C&C), überraschend ein neuer Job verpasst. Die C&C-Sparte wird aufgeteilt, tat der Konzern per ad-hoc-Mitteilung kund.

Muller soll sich fortan auf das Asiengeschäft und die Wachstumsmärkte konzentrieren. Sein Vorstandskollege Joel Saveuse übernimmt offenbar zusätzlich zu seinem Chefposten bei der SB-Warenhauskette Real die Verantwortung für das europäische C&C-Geschäft.

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Zugleich sollen die Verwaltungsfunktionen des Konzerns weitgehend mit denen der Cash&Carry-Sparte verschmolzen werden. Details will Metro-Chef Eckhard Cordes bei einer für Dienstag anberaumten Pressekonferenz vorstellen.

Schon jetzt ist klar, dass der Umbau im wichtigsten Konzernbereich vor allem damit zu tun haben dürfte, dass das C&C-Geschäft in Europa lahmt. Insgesamt lag der Metro-Konzerngewinn (Ebit) 2009 zwar bei beachtlichen 2,024 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit. Doch von der Entwicklung der C&C-Sparte ist Cordes offenbar wenig angetan. Ihre frühere Rolle als Wachstumstreiber haben die Großmärkte längst eingebüßt.

Vor allem im Heimatmarkt Deutschland sieht es für die Sparte finster aus. Nach Informationen der WirtschaftsWoche setzten die deutschen Großmärkte 2008 noch knapp 5,68 Milliarden Euro um, 2009 waren es nur noch 5,45 Milliarden Euro. Flächenbereinigt ging der Umsatz der deutschen Metro-Großmarktsparte 2009 sogar um deutliche 5,2 Prozent zurück. Seit 2003 hält die rückläufige Entwicklung an. Damals lag der Umsatz noch bei knapp 5,9 Milliarden Euro.

Auch die Gewinne des einstigen Cash-Garanten sind mittlerweile überschaubar. Im Unternehmen zirkuliert die Zahl von 40 Millionen Euro für C&C-Deutschland im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: 2003 verdiente die Metro-Tochter noch rund 250 Millionen Euro. Dass die Sparte überhaupt Gewinne schreibt, ist offenbar Einsparungen durch einen drastischen Personalabbau und Mietnachlässen geschuldet. Und Besserung ist derzeit nicht in Sicht: Bei der C&C-Kerkundschaft - Restaurants, Hotels und Caterern - lahmt weiterhin das Geschäft infolge der Wirtschaftskrise. Auch Metro-Konzeptmärkte etwa in Siegen und Bremen, mit denen das Unternehmen eigentlich Kunden zurück gewinnen wollte, zeigen nicht die gewünschten Resultate.

Nach der „cordesschen Teilung" soll nun Joel Saveuse ran. Der im Konzern beliebte Manager hat schon bei der SB-Warenhauskette Real gezeigt, dass er das Sanierungshandwerk versteht. Währungsbereinigt glänzte Real 2009 in Osteuropa mit rund 12,5 Prozent Umsatzwachstum. In Deutschland verhagelte zwar der Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel die ambitionierten Renditeziele. Doch zumindest konnte Real den Preiskrieg Dank des rechtzeitigen Ausbaus der Eigenmarkenarchitektur einigermaßen unbeschadet überstehen.

Die jüngsten Vorstandspersonalien sind indes nur ein Teil der Seifenoper vom Rhein, die die Fans seit Monaten in Atem hält. Vor wenigen Wochen räumte etwa der trotzige Personalvorstand Zygmunt Mierdorf seinen Posten. Er soll beim weltläufigen Konzernchef Cordes in Ungnade gefallen sein. Zuvor hatte Cordes einen Vertrauten aus alten Zeiten, den dynamischen Jungmanager und E-Gitarrespieler Olaf Koch, als Finanzvorstand installiert. Kochs Vorgänger Thomas Unger wiederum war beim Flirt mit Metro-Großaktionär Haniel erwischt worden. Bei Haniel hätte er pikanterweise Cordes abgelöst, der bis Januar gleich beide Konzerne geführt hat. Doch letztlich blieb Unger bei Metro, fand gar sein privates Glück in Düsseldorf und wurde zum Vizechef des Handelskonzerns befördert. Bei Haniel tauchte dagegen überraschend der verschollen geglaubte Berater-Veteran Jürgen Kluge auf und wird wohl pünktlich zum großen Staffelfinale, der Metro-Hauptversammlung im Mai, Clanoberhaupt Franz-Markus Haniel als Chef des Metro-Aufsichtsrates beerben.

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