Konzernumbau: Siemens-Chef Löscher entpuppt sich als Wolf im Schafspelz

Konzernumbau: Siemens-Chef Löscher entpuppt sich als Wolf im Schafspelz

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Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher

Peter Löscher kommt als Leisetreter daher. Doch gleich in seinem ersten Jahr als Vorstandschef hat er den Technologiekonzern Siemens radikal umgebaut.

Der Rahmen zeugt vom Drang zur Größe: Zum Galadinner lud der Technologieriese Siemens vergangene Woche in die Painted Hall des Royal Naval College im Londoner Stadtteil Greenwich. Unter der Decke und an den Wänden prangen die gigantischen Malereien des englischen Barock-Künstlers James Thornhill. Sie zeigen griechische Götter, englische Könige und spanische Schiffe, vollendet im frühen 18. Jahrhundert. Konzernchef Peter Löscher geriet ins Schwärmen: „Sie sehen hier die glorreichen Taten der Seefahrernation England.“ Stolze Tage waren das – England auf dem Höhepunkt seiner Macht. Danach ging es bergab.

Ob Löscher die tiefere Symbolik des Ortes erkannte? Seit der 50-jährige Österreicher im Mai 2007 überraschend als Nachfolger des kurz zuvor aus dem Amt gedrängten Klaus Kleinfeld präsentiert wurde, umweht ihn eine Aura des Geheimnisvollen. So wirkt Löscher stets angenehm zurückhaltend; beinahe wie ein Antityp des Dynamikers Kleinfeld. Dennoch hat Löscher den Münchner Technologiekonzern gleich im ersten Jahr nach seinem Amtsantritt radikal umgebaut: Er tauschte fast den kompletten Vorstand aus, verpasste dem Konzern eine grundlegend neue Struktur und zögerte auch vor unpopulären Schritten wie einem massiven Stellenabbau nicht zurück. Das Erstaunliche daran: Inhaltlich macht er nichts anders als Kleinfeld. Er verpackt es nur besser. Und kommt damit durch.

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Denn bei genauem Hinsehen agiert Löscher nicht weniger kompromisslos als sein Vorgänger, der ob seines US-geprägten Managementstils immer wieder bei den eigenen Leuten aneckte. „Unsere heutige Strategie in Richtung der Megatrends Energie, Umwelt und Gesundheit hat zu 100 Prozent schon vor mehreren Jahren begonnen“, sagt Löscher, „wir konzentrieren uns nur auf die reibungslose Exekution.“

Löscher gilt als Wolf im Schafspelz

Löscher, der Wolf im Schafspelz. Nie würde der Mann aus Villach seine Umgebung mit martialischen Ausfällen traktieren. Kleinfeld konnte schon mal aus Ärger spontan das Handy seines Gegenübers im Mineralwasserglas versenken – weil es von Nokia und nicht von Siemens stammte. Undenkbar bei Löscher: „Er ist halt so, wie man sich einen typischen Österreicher vorstellt – staatstragend, ruhig, charmant“, findet eine Aktionärin.

Dass er vor unbequemen Maßnahmen nicht zurückschreckt, will er demnächst erneut beweisen. In Vertrieb und Verwaltung sollen 1,2 Milliarden Euro eingespart werden, rund zehn Prozent der Gesamtkosten. Dass es dabei zu Stellenabbau kommt, gilt als ausgemacht; die Beschäftigten fürchten den Verlust von 15 000 Jobs. Details will Löscher zwar erst in wenigen Wochen verkünden. In der Sache gibt er sich schon heute hart: „Siemens muss noch schlanker und beweglicher werden.“

Löscher ist ein Novum in der 160-jährigen Geschichte von Siemens: Der Österreicher ist der erste Chef, der sich nicht von den Werkbänken in Erlangen und Berlin bis hinauf in die Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz zu München gearbeitet hat, sondern bewusst als Externer geholt wurde. Dem Siemens-Aufsichtsrat rund um Chefkontrolleur Gerhard Cromme blieb keine Wahl: Siemens wird seit Ende 2006 von einer Affäre um Korruption und schwarze Kassen erschüttert, die sich zum größten Skandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte entwickelte. Insgesamt 1,3 Milliarden Euro wurden zwischen 2000 und 2006 für Schmiergeldzahlungen im Ausland aus dem Konzern herausgeschleust – und einiges deutet darauf hin, dass Teile des alten Zentralvorstands zumindest von einigen der Zahlungen wussten.

Ein Neuanfang war deshalb zwingend erforderlich. Löschers Start war dadurch doppelt belastet: Zum einen hatte der Schmiergeld-Skandal die Siemens-Mannschaft tief verunsichert. Gleichzeitig rückte entgegen allen Usancen ein unternehmensfremder und überdies auch in der übrigen deutschen Wirtschaft weithin unbekannter Manager an die Konzernspitze. Auch für Löscher war der Wechsel nicht leicht. Noch ehe ein schriftlicher Vertrag seines neuen Arbeitgebers vorlag, kündigte er beim US-Pharmariesen Merck seinen Job als Präsident der Sparte Global Human Health. „Ich bin quasi als Arbeitsloser angetreten“, sagt Löscher. „Wir hatten uns per Handschlag geeinigt. Der Rest war Vertrauen.“

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