Konzernzukunft: E.Ons Zukunft bleibt ungewiss

Konzernzukunft: E.Ons Zukunft bleibt ungewiss

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E.On-Chef Johannes Teyssen

von Andreas Wildhagen

Die Essener Grugahalle wird innerhalb von zwei Wochen zum zweiten Mal Schauplatz einer Aktionärsversammlung, in der viel vom Ausstieg aus der Atomwirtschaft, Moratorien und einem drohenden Stromkollaps die Rede sein wird. Die strategische Zukunft von E.On bleibt allerdings weiterhin offen.

In der ungemütlichen Essener Grugahalle wird es am Donnerstag wieder zu Anti-AKW-Demonstrationen kommen, mutmaßen die Sicherheitskräfte, die von E.On diesmal in doppelter Verstärkung bestellt worden sind. Bei der RWE-Aktionärsversammlung vor Ostern kam es zu erheblichen Behinderungen beim Einlass. Es gelang einige Aktivisten, sich mit dunkelblauen Jackets an den Einlasskontrollen durchzumogeln - natürlich mit einer Eintrittskarte, die man mit dem Erwerb einer einzige Aktien bekommt. Drinnen zogen sich diese Aktionärs-Demonstranten die Alibi-Businesskleidung aus und zeigten ihre weißen Hemden mit der Anti-Atomkraft-Aufsichrift. "Abschalten" skandierten sie und brachten damit den Vortrag von RWE-Chef Jürgen Großmann durcheinander. Diesmal wird ein Vorstandschef die Hauptversammlungsrede halten, der schon im WirtschaftsWoche-Interview eine Woche zuvor Verständnis für das Moratorium der Bundesregierung geäußert hat und dies nun auch vor den Aktionären tun wird: "Ein Denkpause ist nach einer solchen Katastrophe wie in Fukushima absolut angemessen", steht im Redemanuskript.

Theyssens Selbstinszenierung

Gegen den E.On-Chef Johannes Teyssen zu demonstrieren ist deshalb nur halb so schön. Er wählte im Gegensatz zum Konkurrenten - oder Mitbewerber wie man in der Branche lieber sagt, weil es wirklichen Wettbewerb nicht gibt - eine Umarmungsstrategie: Nicht gegen das Moratorium, die Abschaltung der sieben ältesten Atommeiler in Deutschland für drei Monate, wie ein Stier ankämpfen, sondern die Ethikkommission umschmeicheln mit einer Mischung von Verständnis, Freundlich- und Nachdenklichkeit. Teyssen nutzte die Übertragung seines Vortrages vorigen Donnerstag über den Dokumentationskanal Phönix für einen gekonnten Auftritt. Er zelebrierte die Nachdenklichkeit so, als ob er nicht bloß als "sachverständiger Erzeuger" (so die offizielle Einladung vor die Kommission) spricht, sondern selbst Mitlglied der Ethikkommission ist. Dass er dabei noch Vater von vier Kindern ist und in Bayern nur 20 Kilometer von einem Kernkraftwerk entfernt wohnt, darf dabei nicht unerwähnt bleiben.

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E.On-Ruhrgas ist ein Klotz am Bein

Die Hauptversammlung ist Teyssens zweites Aktionsfeld, die er genauso umgarnen wird, wie die Ethikkommission in Berlin. Diese Diskussion, die Teyssen sich als Paraderolle selbst auf den Leib geschneidert hat, wird vieles überdecken, was bei E.On auch noch diskutiert werden müsste: Die massiven Probleme am Gasmarkt zum Beispiel. Gleich neben der Grugahalle steht die nagelneue, viel zu üppig ausgefallene Hauptverwaltung der E.On-Tochter Ruhrgas, die was die Geschäfte betrifft, eine einzige Baustelle ist. Der Wetterbericht für Donnerstag ist gut, milde Sonne, leichter Wind. Aber Ruhrgas wird die Gewinne und Renditen von E.On in diesem Jahr verhageln. Das Problem sind die viel zu langen, viel zu teuer verhandelten Gaspreise mit dem russischen Lieferanten Gazprom. Die Spotpreise für Erdgas sind in den Keller gefallen, seitdem die USA wegen eigener Schiefergasförderung praktisch kein Gas mehr importiert und autark ist. E.On-Ruhrgas bleibt auf seinem Gas sitzen, weil sich die deutschen Stadtwerke, früher nibelungentreue Verbündete und Abnehmer von Ruhrgas, nun ungerührt am Spotmarkt eindecken. Ein bisschen hat die Energieliberalisierung doch gebracht. Dass E.On-Ruhrgas ein Verkaufskandidat für E.On ist, das hat Teyssen bisher immer strikt und auch recht wütend dementiert. Energieexperten, von denen es in diesen Tagen allerdings viele gibt, prognostizieren aber diesen worst-case für E.On - wenn die Gaspreise nicht steigen.

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