Konzertveranstalter: Alarm im Ticketshop

Konzertveranstalter: Alarm im Ticketshop

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Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandsvorsitzende der CTS Eventim AG

von Hermann J. Olbermann

Der weltgrößte Vermarkter von Konzertkarten will den deutschen Markt aufmischen – und verärgert seinen Partner.

Konzertbesucher kommen kaum an ihm vorbei. Ob sie ihre Karte bei Kölnticket erwerben, bei Heinersdorff in Düsseldorf oder einer Vorverkaufsstelle in München, meist kassiert Klaus-Peter Schulenberg mit. 1989 hat er sein Unternehmen in München gegründet, 2000 an die Börse gebracht und unter dem Namen CTS Eventim zum größten Ticketvermarkter nicht nur Deutschlands, sondern Europas ausgebaut. Allein 2009 verkaufte er mehr als 80 Millionen Tickets, obwohl er selbst nur einen einzigen Vorverkaufsladen besitzt: "Am Roten Platz in Moskau", so Schulenberg.

CTS betreibt zwar einen eigenen Online-Shop. Aber die meisten Karten schlägt das Unternehmen über externe Vorverkaufsstellen los. Darauf gründet sein Erfolg. Schon lange vor dem Internet-Boom hat Schulenberg eine Software zur Ticketvermarktung entwickelt, sie firmenfremden Kartenverkäufern angedient und dafür Lizenzgebühren eingefordert – für jedes Ticket, das über die CTS-Systeme veräußert wird. Inzwischen kooperiert er mit rund 8000 Ticketläden und ist in 20 europäischen Ländern aktiv.

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US-Primus sorgt in der Branche für Alarm

Längst ahmen andere das Modell nach. Doch an CTS reicht in Deutschland niemand heran. Eine detaillierte Übersicht über die Branche gibt es zwar nicht, aber klar ist: Viele Ticketvermarkter beschränken sich auf eine Region oder aufs Internet. Selbst die Ticket-Online-Gruppe, Branchenzweiter in Deutschland, setzt europaweit nur rund 40 Millionen Tickets im Jahr ab, halb so viele wie CTS. Doch jetzt startet ein Unternehmen in Deutschland durch, das noch größer ist als CTS: Live Nation Entertainment. Die Branche hat Ticketalarm ausgelöst.

Der amerikanische Konzern entstand im Januar durch die Fusion von Live Nation, dem weltgrößten Konzertveranstalter, und Ticketmaster, dem weltgrößten Kartenverkäufer. Zusammen haben die beiden US-Riesen 2009 fast 300 Millionen Karten veräußert und rechnerisch einen Umsatz von 5,5 Milliarden Dollar erzielt – mehr als die meisten Musikkonzerne.

Live Nation Entertainment startet Deutschland-Offensive

"Deutschland ist der viertgrößte Musikmarkt der Welt hinter den USA, Japan und Großbritannien und bietet uns großes, ungenutztes Potenzial", schwärmt Live-Nation-Chef Alan Ridgeway. Im März hat er die Deutschland-Niederlassung eröffnet, im Mai schickt er Lady Gaga auf Deutschland-Tournee. Ridgeway: "Wir sind gut positioniert, um mit der historischen Dominanz von CTS im deutschen Markt konkurrieren zu können."

Der Angriff der Amerikaner trifft CTS doppelt. Denn CTS ist nicht nur Europas größter Ticketvermarkter, sondern auch Europas größter Konzertveranstalter.

In beiden Sparten müssten die Amerikaner eigentlich mit den Deutschen kooperieren, statt sie zu attackieren. Denn Live Nation und CTS haben einen Pakt zur Zusammenarbeit geschlossen – das war freilich vor der Fusion der US-Konzerne. In Branchenkreisen kursiert nun das Gerücht, die Amerikaner wollten das Bündnis lösen. Doch Schulenberg widerspricht: „Wir haben einen gültigen Zehn-Jahres-Vertrag mit Live Nation, der noch neun Jahre Laufzeit hat.“ Der US-Konzern äußert sich dazu nicht, fest steht allerdings: Bisher hat er das Abkommen nicht gekündigt. Da Live Nation und CTS an der Börse notiert sind, müssten sie dies sofort melden.

Noch sind beide aufeinander angewiesen. Live Nation nutzt die Software von CTS, und CTS will mithilfe von Live Nation die Expansion in Europa vorantreiben. „Wir haben durch einen Exklusivvertrag mit Live Nation die Möglichkeit, in bestimmten europäischen Ländern zu starten, ohne Unternehmen kaufen zu müssen“, sagt CTS-Chef Schulenberg.

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