Korruption: Bilfinger Berger im Fokus der Ermittler

KommentarKorruption: Bilfinger Berger im Fokus der Ermittler

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Jobwechsel für Roland Koch: Der ehemalige hessische Ministerpräsident ist nun Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger.

von Harald Schumacher

Kurz bevor Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch den Vorstandsvorsitz bei Bilfinger Berger übernimmt, kocht dort die lange verdrängte nigerianische Schmiergeldaffäre hoch. Eine Erblast, die Bilfinger Berger - wie schon Siemens, MAN, Ferrostaal - in eine tiefe Krise stürzen kann.

Siemens, MAN, Ferrostaal - die deutschen Konzerne, die in den vergangenen Jahren Korruptions-Geschichte geschrieben haben, waren alle mal in diesen Phasen wie jetzt Bilfinger Berger. Alle haben mal darauf bestanden, ihre Compliance-Organsisation sei perfekt. Alle haben sich in der Frühphase der Ermittlungen noch unangreifbarbar gegeben und vermutlich auch so gefühlt. Alle haben am Ende kleinlaut und reumütig zugeben müssen, dass die Korruption eben doch System hatte, dass die Compliance-Organisation den Misständen nicht gewachsen war und vielleicht auch gar nicht gewachsen sein sollte - Hauptsache, die Mitarbeiter in Sudan, Russland, China füllten die Auftragsbücher - irgendwie. Das Top-Management verlor bei allen Posten und Reputation und wird am Ende vom Ex-Arbeitgeber für die zu zahlenden Strafgelder und Schäden in Regress genommen.

Wenn überhaupt in Mannheim Statements zu der nigerianischen 49-Prozent-Tochter Julius Berger zu bekommen waren, dann solche wie die von Vorstandschef Herbert Bodner im vergangenen Jahr: Die von ihm eingeführte Compliance-Struktur unterbinde "Korruption im Geschäft" - auch bei Julius Berger. Zwar gebe es Korruption in Nigeria - "aber nicht bei Julius Berger".

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Ermittlungen des US-Justizministeriums und der Staatsanwaltschaft Frankfurt entlarven die Aussagen inzwischen als schönfärberisch und falsch. Beim Bau einer Pipeline für die Nigerian National Petroleum Corporation zusammen mit dem US-Ingenieur-Dienstleister Willbros floss demnach vor sieben Jahren eine knappe Million Dollar Schmiergeld, und nach "Spiegel"-Recherchen kam das Geld von einem Wiesbadener Bilfinger-Konto. In Wiesbaden sitzt eine rund 500 Mitarbeiter starke Nigeria-Niederlassung von Bilfinger, die für Julius Berger etwa so wichtig ist wie für den Körper das Hirn. Und der jetzt ermittelte Fall ist vermutlich nur das, was gemeinhin "Spitze des Eisbergs" genannt wird.

Es steht zu befürchten, dass Bilfinger den mühsamen Weg von Siemens, MAN und Ferrostaal geht. Die Katharsis hat noch gar nicht begonnen. Und Koch, dessen Glaubwürdigkeit aus der hessischen CDU-Parteispendenaffäre beschädigt hervorging, muss nun bei Bilfinger ein altes Versprechen einlösen: "brutalstmögliche Aufklärung", und zwar vom 1. Juli an. 

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