Korruption: Sauberes Siemens-Weltreich

Korruption: Sauberes Siemens-Weltreich

Bild vergrößern

Am Beispiel der Siemens-Landesgesellschaften in Osteuropa zeigt sich exemplarisch, wie schwer der Kampf von Konzernchef Peter Löscher gegen die Korruption ist.

Am Beispiel der Siemens-Landesgesellschaften in Osteuropa zeigt sich exemplarisch, wie schwer der Kampf von Konzernchef Peter Löscher gegen die Korruption ist.

Die Siemens-Schmiergeldaffäre schwappt zunehmend in die Niederlassungen des Münchner Konzern rund um den Globus: So durchsuchten beispielsweise im Dezember Ermittler die Moskauer Russland-Zentrale von Siemens. Zuvor waren die Festnahme des Siemens-Repräsentanten für die Ural-Region und eines leitenden Beamten der Gesundheitsbehörde von Jekaterinburg bekannt geworden. Der Siemens-Mann, so die Ermittler, habe Krankenhäusern Computer-Tomographen zu weit überhöhten Preisen verkauft. Für das, was die von Siemens mit der internen Aufklärung der Korruptionsfälle beauftragte Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton herausgefunden hat, sollen sich unterdessen auch russische Geheimdienstkreise interessieren.

In Ungarn, wo Siemens gleich mit drei Korruptionsfällen in Verbindung gebracht wurde, versucht der Konzern bereits seit vergangenem Sommer einen Neuanfang –  mit einem neuen Mann an der Spitze: Der ehemalige Ungarn-Chef des Elektronikherstellers Epcos, Laszlo Szentkuti, löste den bisherigen Siemens-Generaldirektor Gabor Beke-Martos ab. Unter dessen Leitung hatte  Siemens’ Ruf in Ungarn schweren Schaden genommen. Besonders großes Aufsehen erregte ein Fall, in dem Siemens-Honorare offenbar auf  Konten von Scheinfirmen geflossen waren – geleitet von Obdachlosen, die sich gegen Bezahlung als Geschäftsführer ausgaben. Im Visier der Budapester Strafverfolger: ein von Siemens angeheuerter Mittelsmann, der den Schwindel eingefädelt haben soll.

Anzeige

Sogar in der an korruptionsgewohnten Geschäftswelt Ungarns eilte Siemens der Ruf voraus, bei Ausschreibungen besonders rücksichtslos vorzugehen – Konkurrenten schüttelten mitunter fassungslos die Köpfe. Im Geschäftsjahr 2006/2007 sank Siemens’ Nettogewinn trotz steigender Umsätze um 31 Prozent. Wohl auch, weil Siemens rund zwei Millionen Euro nachzahlen musste, nachdem die ungarische Finanzbehörde Verträge aus den Jahren 2002 bis 2005 beanstandet hatte.

Vom Ruch der Schattenwirtschaft soll Szentkuti den Namen Siemens nun befreien. Als Außenstehender soll er es – wie das große Vorbild Löscher – bei seinen Aufräumarbeiten einfacher haben als ein Mann aus dem Siemens-System. Gänzlich systemfremd ist Szentkuti freilich auch nicht, immerhin wurde Epcos erst im Jahr 2000 von Siemens abgespalten und war zuvor eine Konzernsparte.

Doch der Deutsche mit ungarischem Vater steht unter Tatendrang. Unter dem Motto „Sauber und stark“ will er mit einer PR-Offensive bei den Ungarn verlorene Sympathien zurückgewinnen. Ein neuer Compliance-Beauftragter auf Vollzeit-Stelle soll garantieren, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Denn neuerliche Vorwürfe wären das Letzte, was Szentkuti in Zeiten von „Sauber und stark“  gebrauchen könnte.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%