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Korruption: Siemens hat aus Schmiergeldskandal Lehren gezogen

von Wilfried Eckl-Dorna

Der Elektrokonzern Siemens hat nach Einschätzung seines Anti-Korruptionsaufsehers, des ehemaligen Finanzministers Theo Waigel, aus dem milliardenschweren Schmiergeldskandal gelernt. Siemens "Compliance"-System sei mittlerweile vorbildlich.

Siemens-Gebäude in München Quelle: AP
Siemens-Gebäude in München Quelle: AP

Dem Konzern sei es gelungen, einen guten und professionellen Umgang mit der Bekämpfung der Korruption zu finden, sagte der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel der „Augsburger Allgemeinen“. Nach dem ersten Jahr seiner Tätigkeit als Anti-Korruptionsbeauftragter von Siemens habe er den amerikanischen Behörden inzwischen einen knapp 200 Seiten starken Bericht vorgelegt. Dieser sei „ohne jegliche Kritik akzeptiert“ worden. Das US-Justizministerium habe die Arbeit gelobt.

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Siemens ist in den USA börsennotiert und war deshalb dort durch den Korruptionsskandal massiv unter Druck geraten. Ende 2008 hatte sich der Konzern nach langen Verhandlungen mit der US-Börsenaufsicht SEC und der Staatsanwaltschaft München auf rund eine Milliarde Euro an Geldbußen geeinigt. Waigel bescheinigte dem Konzern einen radikalen Wechsel der Unternehmenskultur: „Die Worte des Siemens-Chefs Peter Löscher, nur saubere Geschäfte seien Siemens-Geschäfte, werden gelebt“, sagte er der Zeitung. Im ersten Jahr seiner Tätigkeit habe er mit einem großen Team weltweit rund 500 Einzelgespräche mit Mitarbeitern des Unternehmens geführt und etwa 10.000 Dokumente eingesehen. „Ich bin auf keine krumme Angelegenheit gestoßen“, sagte der Anti- Korruptionsaufseher.

Der Konzern habe aber bereits einen langen Selbstreinigungsprozess hinter sich gebracht, bevor er mit seiner Arbeit angefangen habe. Ein vorbildliches „Compliance“-System sieht Waigel in vielen Regionen der Welt als Wettbewerbsvorteil. „Auch autokratische Systeme wünschen unter sich keine Korruption.“ Solche Staaten wüssten, dass Bestechung zu mangelnder Qualität etwa beim Bau einer neuen Brücke führen könne. „Wir wissen, dass auch nichtdemokratische Regierungen konsequent reagieren, wenn Korruptionsvorwürfe auftauchen.“ Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von Gesetzen und Regeln in Unternehmen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.01.2010, 15:09 UhrAnonymer Benutzer: primebh

    ich möchte dem "Siemensianer" (1. Kommentar) zustimmen. Der Mann hat Recht. Natürlich werden die Augen verschlossen, da insgesamt der Schaden für Siemens, verursacht von korrupten Managern in den eigenen Reihen, über die Jahrzehnte deutlich höher ist als der öffentlich gemachte Schmiergeldskandal. bereits vor diesem Hintergrund kann die "Akte" nicht abgeschlossen werden. Um diese Machenschaften aufzudecken, braucht Siemens noch einige Jahre. Viel Erfolg dabei!

  • 05.01.2010, 11:55 UhrAnonymer Benutzer: Siemensianer

    So, so. Der Anti-Korruptionsbeauftragter Waigl attestiert dem Siemens Konzern mit seinen 200 Seiten starken bericht, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist und ein guter und professioneller Umgang der bekämpfung von Korruption stattfindet. Hat man da nicht den Gärtner zum bock gemacht? Welcher deutsche Politiker könnte heute noch von sich behaupten, eine weiße Weste zu haben? Fakt ist, bei Siemens hat sich an den Stellen, die im Konzern das Problem der Korruption zu verantworten haben, nämlich die Führungsebene, nichts geändert. Waigl hat 500 Einzelgespräche geführt und so viele Dokumente eingesehen, dabei aber keine krummen Angelegenheiten gefunden. Entweder ist er blind gewesen oder er hat die falschen Leute bei Siemens befragt. Siemens hat sich mit seinen Compliance Richtlinien ein Regelwerk auferlegt, das alle Mitarbeiter daran hindert produktiv zu arbeiten, und das kostet dem Unternehmen mehr als jeder Strafzahlung, gleichzeitig aber die Führungsebene wieder aus der Verantwortung genommen, weil hier wieder einmal mit zweierlei Maß bestimmt wurde, was erlaubt ist und was nicht.
    Lieber Herr Waigl, ich kann ihnen versichern, dass im Unternehmen bei den Stellen die für Korruption besonders anfällig sind, sich nichts geändert hat. Aber wie soll ein Politiker das auch erkennen? Schade nur, dass sich im Konzern tausende von Mitarbeitern damit beschäftigen, der Führungsebene eine saubere Weste zu beschaffen, und um das zu finanzieren zehntausende Arbeitsplätze geopfert werden müssen. Schade auch, dass überbezahlte Manager ausgemusterte Politiker holen müssen, um die Arbeit dieser Manager zu tun. Compliance und dessen Kontrolle ist eine Führungsaufgabe und kann nicht delegiert werden. Oder kann der Siemens Vorstand das auch nicht, wie so vieles andere auch.

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