
Dem Konzern sei es gelungen, einen guten und professionellen Umgang mit der Bekämpfung der Korruption zu finden, sagte der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel der „Augsburger Allgemeinen“. Nach dem ersten Jahr seiner Tätigkeit als Anti-Korruptionsbeauftragter von Siemens habe er den amerikanischen Behörden inzwischen einen knapp 200 Seiten starken Bericht vorgelegt. Dieser sei „ohne jegliche Kritik akzeptiert“ worden. Das US-Justizministerium habe die Arbeit gelobt.
Siemens ist in den USA börsennotiert und war deshalb dort durch den Korruptionsskandal massiv unter Druck geraten. Ende 2008 hatte sich der Konzern nach langen Verhandlungen mit der US-Börsenaufsicht SEC und der Staatsanwaltschaft München auf rund eine Milliarde Euro an Geldbußen geeinigt. Waigel bescheinigte dem Konzern einen radikalen Wechsel der Unternehmenskultur: „Die Worte des Siemens-Chefs Peter Löscher, nur saubere Geschäfte seien Siemens-Geschäfte, werden gelebt“, sagte er der Zeitung. Im ersten Jahr seiner Tätigkeit habe er mit einem großen Team weltweit rund 500 Einzelgespräche mit Mitarbeitern des Unternehmens geführt und etwa 10.000 Dokumente eingesehen. „Ich bin auf keine krumme Angelegenheit gestoßen“, sagte der Anti- Korruptionsaufseher.
Der Konzern habe aber bereits einen langen Selbstreinigungsprozess hinter sich gebracht, bevor er mit seiner Arbeit angefangen habe. Ein vorbildliches „Compliance“-System sieht Waigel in vielen Regionen der Welt als Wettbewerbsvorteil. „Auch autokratische Systeme wünschen unter sich keine Korruption.“ Solche Staaten wüssten, dass Bestechung zu mangelnder Qualität etwa beim Bau einer neuen Brücke führen könne. „Wir wissen, dass auch nichtdemokratische Regierungen konsequent reagieren, wenn Korruptionsvorwürfe auftauchen.“ Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von Gesetzen und Regeln in Unternehmen.













