Korruptionsaffäre: Köpferollen in Siemens-Vorstandsetage geht weiter

Korruptionsaffäre: Köpferollen in Siemens-Vorstandsetage geht weiter

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Der seit 1994 für die Siemens -Medizinsparte verantwortliche Vorstand Erich Reinhardt.

Kein Ende der Schmiergeldaffäre bei Siemens: Heute musste der Chef der Medizinsparte, Erich Reinhardt, seinen Vorstandposten aufgeben und zurücktreten. Ermittler sollen in der Medizinsparte schwarze Kassen entdeckt haben. Erst vor wenigen Tagen hatte der ehemalige Siemens-Chef Heinrich v. Pierer den Ermittlern Akten übergeben.

In der Siemens-Koruptionsaffäre nimmt ein weiteres Vorstandsmitglied seinen Hut. Der langjährige Medizintechnik-Chef Erich Reinhardt scheide zum Monatsende aus der Konzernspitze aus, weil jetzt auch in seiner Sparte Regelverstöße aufgedeckt worden seien, teilte Siemens heute mit. Der „Südeutschen Zeitung“ zufolge waren interne Ermittler auf schwarze Kassen für Schmiergeldzahlungen gestoßen.

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme betonte, Reinhardt sei nach heutigen Erkenntnissen „persönlich unbeteiligt an fragwürdigen Aktivitäten“: Es gebe keinerlei Zweifel an seiner persönlichen Integrität. „Wir mussten aber feststellen, dass es in dem ehemaligen Bereich Medizintechnik Fehlverhalten gegeben hat, das nicht akzeptabel ist“, sagte Cromme. Auch Vorstandschef Peter Löscher sprach Reinhardt „höchsten Respekt“ für seinen Rücktritt aus: „Dies zeugt einmal mehr von seinem beispielhaften Verantwortungsbewusstsein und Führungsverständnis“, sagte Löscher.

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Reinhardt erklärte seinen Rücktritt mit seiner Gesamtverantwortung auch für „Compliance-Verfehlungen innerhalb des früheren Siemens-Bereichs Medizintechnik, die mich betrüben und die ich zutiefst missbillige und bedauere“. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wurden auch in der Medizinsparte schwarze Kassen entdeckt. Die internen Ermittler der US-Kanzlei Debevoise hätten entdeckt, dass über Konten in Dubai und anderswo von 2001 bis 2006 fragwürdige Zahlungen in Höhe von fast 70 Millionen Euro abgewickelt worden sein sollen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft sei bereits informiert worden. Auch in der Sparte Telekommunikation seien nach Erkenntnissen von Debevoise und der Staatsanwaltschaft hohe Millionenbeträge über Dubai in schwarze Kassen geschleust und anschließend für Schmiergeldzahlungen genutzt worden sein sollen.

Nachfolger Reid-Anderson

Der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld will sich erst morgen dazu äußern. Ein Siemens-Sprecher lehnte weitere Auskünfte ab. Reinhardts Nachfolger im Konzernvorstand soll Jim Reid-Anderson werden, der derzeit Manager in der Medizinsparte ist. Reinhardt war seit 1994 für die Siemens-Medizinsparte verantwortlich, wo er auch 1983 seine Laufbahn begann. Mit der Neustrukturierung des Konzerns im Januar dieses Jahres übernahm der Elektrotechnik-Ingenieur im Vorstand des Konzerns die Leitung für den Sektor Gesundheit. Dem obersten Führungsgremium gehörte Reinhardt seit 2001 an.

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