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Korruptionsaffäre : Peinlicher Kuhhandel mit Ex-Siemens-Aufsichtsrat v. Pierer

von Andreas Wildhagen

Mit der Schadensersatzzahlung von Heinrich v. Pierer an seinen früheren Arbeitgeber endet vorerst eine Schlammschlacht. Sie ist nicht mehr als eine symbolische Wiedergutmachung für die gigantische Korruptionsaffäre mit einem Gesamtschaden von zwei Milliarden Euro. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, meint WirtschaftsWoche-Reporter Andreas Wildhagen.

Siemens: Der deutsche Quelle: REUTERS
Siemens: Der deutsche Industriekonzern hofft auf neue Milliardenaufträge in China Quelle: REUTERS

Nun will Heinrich v. Pierer doch zahlen, nicht die geforderten sechs Millionen Euro Schadensersatz, die Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme von ihm verlangte, sondern eine Million Euro weniger.

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Eigentlich war die Frist, die ihm Cromme gesetzt hatte, bereits am 15. November abgelaufen, aber so eng sah es der Oberkontrolleur am Ende dann doch nicht.

Er ließ v. Pierer noch weitere zwei Wochen Zeit, die Summe doch noch massiv herunterzuhandeln. Sie ist nicht mehr als eine symbolische Wiedergutmachung für die gigantische Korruptionsaffäre mit einem Gesamtschaden von zwei Milliarden Euro.

Der Kuhhandel der vergangenen Tage war es auch, der den sogenannten Schadensersatz vollends zur Farce werden ließ. Es ging für Cromme zum Schluss darum, v. Pierer öffentlich abzustrafen, aber nur ein bisschen.

Zum Sozialhilfeempfänger wollte er ihn nicht machen. Und fünf Millionen Euro tun dem Konto von v. Pierer nicht nachhaltig weh.

Das ganze Kontrollsystem bei Siemens war offenbar für die Katz

Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack.

Wieso kann v. Pierer bis zum Schluss behaupten, er habe von den nahezu 1,3 Milliarden Euro nichts gewusst, die an Schmiergeldern weltweit geflossen sind?

Das ganze Kontrollsystem bei Siemens war offenbar für die Katz. Wenn einem Konzernchef 1,3 Milliarden Euro entgehen, fragt man sich, was er überhaupt sonst noch so treibt an der Spitze des Unternehmens.

Bisher ist ein Hauptschuldiger, ein Täter, im Schmiergeldsystem nicht gefunden worden.

War das System so perfekt? Ganz von allein haben sich die Milliardenzahlungen aber nicht auf den Weg zu ihren Empfängern gemacht. Möglicherweise war das ganze so raffiniert angelegt, dass ein Täter niemals gefunden wird.

Das aber lässt eine tiefe Verunsicherung bei den Aktionären zurück über die Miniatur-Möglicheiten von Managern, ihre Läden überhaupt noch zu regieren.

Das Jonglieren mit Schadensersatzsummen wie im Fall v. Pierer wird im mitteren Managemant eine verheerende moralische Wirkung zeigen

Das Geschacher zum Schluss um den Schadensersatz des Ex-Chefs zeigt, dass auch bei solchen Schadenssummen auf Topebene eben alles Verhandlungssache ist.

Ein normaler Mitarbeiter auf unterer Ebene hat keine Chance auf solche Konzilianz, die Justiz langt da wesentlich härter zu.

Das Jonglieren mit Schadensersatzsummen wie im Fall v. Pierer wird im mitteren Managemant daher eine verheerende moralische Wirkung zeigen. Positiv an der ganze Sache ist nur, dass Siemens offenbar nun die Chance hat, zur Ruhe zu kommen und seinen Geschäften nachzugehen, was in Zeiten einer nicht ausgestanden Krise auch ein Wert an sich - und zu begrüßen ist.

Wie zum Hohn bleibt es allerdings nicht beim Jonglieren mit Millionenzahlungen, es kommt noch ein Spiel mit Worten hinzu, die aller Welt ein x für ein u vormachen will.

Es bleibt v. Pierers Geheimnis, Schadenersatz zu zahlen und gleichzeitig Wert darauf zu legen, keinen Schaden angerichtet zu haben.

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7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.12.2009, 22:31 UhrAnonymer Benutzer: jemand

    Die USA plustern sich mit gespielter Moral auf - Moral war hier nur ein Hilfsmittel um einen Wettbewerber eins auszuwischen. Korruption ist in den USA übrigens dann nicht verboten, wenn es im "nationalen interesse" geschieht. Dann forscht auch die börsenaufsicht nicht nach.
    ist v. Pierer wirklich der große buhmann? Nein - er hat zwar Fehler gemacht - aber er hat den Siemens -Konzern erhalten. Hätte er nicht die Hype der reinen iT und der .com-blase /Telekomunikation-blase abgelehnt, wäre Siemens nach den damaligen ideen und Modetrends zur reinen Telekommunikationsfirma umgebaut worde. Und wovon lebt Siemens heute? Von den klassischen Sparten aus über 160 Jahren Firmengeschichte und nicht von der längst untergegangenen Telekommunikationshype.

  • 02.12.2009, 21:28 UhrAnonymer Benutzer: global

    Die größe Schande besteht wohl darin, das deutsche Unternehmesleiter das verboten wird, was andere in noch größerem Stil tun, um ihrem Land Arbeitsplätze zu sichern, allen voran der gespielte Moralapostel USA. Wir können es uns aber leisten ...und die kleinen die hier protestieren, die werden wir wohl wieder schreien hören, wenn sie auf der Straße sitzen..die Welt ist leider voll von Korruption- schade, aber in der angloamerikanischen Ökonomie ist keine Raum für Ethik..

  • 02.12.2009, 21:06 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa

    Die Kleinen hängt man .......

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