Korruptionsskandal: Fragwürdige Zahlungen der Deutschen Telekom

Korruptionsskandal: Fragwürdige Zahlungen der Deutschen Telekom

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Korruption üblich. Ausgerechnet die europäischen Länder, in denen heute noch Korruption auf der Tagesordnung steht, hat die Deutsche Telekom zum Schwerpunkt ihrer Auslandsexpansion erklärt. Für die ganze Tabelle auf das Bild klicken

von Jürgen Berke

Dem Konzern drohen weitere Enthüllungen. Seit vier Jahren ermittelt die US-Börsenaufsicht wegen fragwürdiger Zahlungen der Telekom-Töchter in Mazedonien und Montenegro. Der Rechtsvorstand lehnte deren Angebot ab.

Immobilienskandal, Datenskandal, Spitzelskandal – jetzt droht der Deutschen Telekom auch noch ein Korruptionsskandal. Am 31. August durchsuchten Fahnder der Bonner Staatsanwaltschaft Büros und Wohnungen von Konzernchef René Obermann und sieben weiteren Managern. Seit vier Jahren ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC in 27 Fällen, ob es bei Telekom-Töchtern in Mazedonien und Montenegro zu Bestechungen kam. Dass plötzlich Obermann selbst zum Kreis der Beschuldigten gehört, damit hatte niemand gerechnet. Bis zur Exklusiv-Meldung der WirtschaftsWoche am Montag vergangener Woche hatten alle Beteiligten versucht, die Hausdurchsuchung bei Obermann geheim zu halten. Die Razzia sei unverhältnismäßig, sagt Telekom-Rechtsvorstand Manfred Balz. „Alle Vorwürfe sind haltlos.“

Gängige Praxis

Das hofften die Telekom-Oberen schon öfter – und meist schlossen sich langjährige Ermittlungen an. Mit dem Südosteuropa-Geschäft vertraute Telekom-Manager befürchten, dass „noch mehr verdeckte Zahlungen“ auftauchen, wenn an der richtigen Stelle gesucht werde. Das Bestechen von Regierungsbeamten sei in südosteuropäischen Ländern bis vor wenigen Jahren „gängige Praxis“ gewesen. Auch dort sei es darum gegangen, sich Vorteile bei der Marktregulierung zu verschaffen.

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Jetzt rächt sich, dass die Telekom ihre Töchter in Südosteuropa an der langen Leine führte. Im Konzernvorstand fühlte sich jahrelang jeder ein bisschen, aber niemand voll verantwortlich. Auch bei den Kontrollen haperte es. Aufsichtsratsposten in diesen Tochterfirmen wurden meist mit Managern aus der zweiten Reihe besetzt. Einer von ihnen, der Obermann-Vertraute Michael G., zählt nach Informationen der WirtschaftsWoche ebenfalls zu den Managern, gegen die die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt. Telekom und Staatsanwaltschaft wollten sich dazu nicht äußern. Als Vorstand bei T-Mobile International kontrollierte G. – quasi als Multi-Aufsichtsrat – mehrere Telekom-Töchter in Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Erst Anfang 2009 schuf Obermann ein eigenes Vorstandsressort Europa mit Guido Kerkhoff an der Spitze.

Telekom-Manager kritisieren inzwischen intern Balz’ kompromisslose Verhandlungen mit der SEC. Gegen eine Geldstrafe von bis zu 500 Millionen Dollar hätte die US-Börsenaufsicht alle Ermittlungen eingestellt. Balz erschien das bei verdächtigen Zahlungen von rund 32 Millionen Euro zu hoch. Er bot eine Aufwandsentschädigung in sechsstelliger Höhe an, was die SEC ablehnte. Balz hofft, dass die Ermittlungen auch ohne Millionentransfer ein baldiges Ende finden.

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