Korruptionswächter: Waigel will sich bei Siemens zurückziehen

Korruptionswächter: Waigel will sich bei Siemens zurückziehen

, aktualisiert 14. November 2011, 17:13 Uhr
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Theo Waigel will seine Arbeit bei Siemens beenden.

Quelle:Handelsblatt Online

Theo Waigel will sich als oberster Korruptionswächter bei Siemens zurückziehen. Im kommenden Herbst will er sein Mandat beenden. Arbeit für Korruptionsbekämpfer bleibe im Konzern aber weiterhin.

MünchenEx-Finanzminister Theo Waigel bereitet seinen Rückzug als oberster Anti-Korruptionsaufpasser bei Siemens vor. Er warte noch die Antwort der US-Behörden ab, die ihn vor drei Jahren mit der Aufsicht beauftragt hatten, und werde dann voraussichtlich zum Ende des Geschäftsjahres im kommenden Herbst das Mandat beenden, sagte der CSU-Ehrenvorsitzende im Club der Münchner Wirtschaftspresse.

Fünf Jahre nach dem Beginn der milliardenschweren Siemens-Schmiergeldaffäre stellte er dem Konzern ein positives Zeugnis im internen Kampf gegen Korruption aus. „Ich kann zertifizieren, dass kein systemisches Risiko mehr besteht“, lobte Waigel. Alle Vorschläge, die er zur Schaffung eines sogenannten Compliance-Systems gemacht hätte, habe der Konzern umgesetzt. Für die rund 600 Korruptionswächter bei Siemens bleibe dennoch Arbeit. „Ich kann nie für alle garantieren“, sagte er.

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Die jüngst bekannt gewordenen Verdachtsfälle, wonach Vertreter der Medizintechnik Funktionäre in der Karibik bestochen haben, bestätigten das. „Wenn nichts passieren würde, wäre das hochverdächtig“, sagte er im Hinblick auf die 400.000 Siemens-Mitarbeiter weltweit. Allerdings würde jeder Verstoß gegen die Regeln mittlerweile konsequent geahndet.
Waigel warb für eine Wirtschaft ohne Schmiergeld. „Compliance ist ein Wettbewerbsvorteil. Es lohnt sich anständig zu sein“, sagte der 72-Jährige. „Bestechungsgeschäfte sind meist Verlustgeschäfte.“ Er räumte allerdings auch ein, dass Siemens wegen seiner harten Linie auf das eine oder andere Geschäft, zuletzt bei der Wassertechnik in Nordafrika, verzichten habe müssen. Nicht alle Konkurrenten teilten die Ansichten der Münchner. „Wir haben uns seit 2007 massiv verändert, aber die Welt um uns herum hat sich nicht im gleichen Maße verändert“, sagte der Organisator der Siemens-Compliance-Organisation, Josef Winter.

In seinem voraussichtlichen letzten Jahr als Monitor bei Siemens werde er sich vor allem der Arbeit der größten Standorte München, Erlangen und Berlin widmen und auf der mittleren und unteren Managementebene unangemeldet vorbeischauen. Zudem würden sich die Korruptionsbekämpfer vermehrt dem Kampf gegen Kartelle widmen, räumte Justiziar Klaus Moosmayer ein. In diesem Bereich war Siemens zuletzt rund um die Welt verstärkt in Bedrängnis geraten. Moosmayer räumte ein, das die Aufklärung der meist mündlich getroffenen Wettbewerbsabsprachen deutlich schwieriger sei. „Die können sie nur durch Kronzeugen knacken“, sagte er. Siemens werde den Schwerpunkt auf Prävention und Schulungen legen.

Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren begann mit einer Razzia der Münchner Staatsanwaltschaft bei Siemens der größte Firmen-Korruptionsskandal in der Nachkriegsgeschichte. Insgesamt kostete die Affäre das Unternehmen mehr als zwei Milliarden Euro an Strafen, Steuernachzahlungen und Aufarbeitungskosten. Mehrere Manager und Vorstände standen vor Gericht, nahezu die gesamte Führungsspitze wurde seither ausgetauscht.

Unter dem Druck der US-Börsenaufsicht und des dortigen Justizministeriums stimmte Siemens seinerzeit zu, seinen Kampf gegen schwarze Kassen und Gesetzesverstöße von einem unabhängigen Monitor überwachen zu lassen. Waigel war der Nicht-Amerikaner, den die US-Behörden für eine solche Aufgabe einsetzten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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