Kreativer Wettbewerb: Der Schwulen-Faktor - Seite 5

Kreativer Wettbewerb: Der Schwulen-Faktor

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Noch schwerer haben es Schwule in autoritären Staaten. Beispiel Singapur. Dort ist gleichgeschlechtliche Liebe noch immer von Amts wegen verboten. Als Umschlagplatz des Asienhandels konnte es sich das aufstrebende Schwellenland in Südostasien jahrzehntelang leisten, Homosexualität strafrechtlich zu verfolgen. Seit der Rezession 2001 aber ist im Stadtstaat nichts mehr wie es war: Nun sucht Singapur seine Wirtschaft im Eiltempo zu diversifizieren – und investiert massiv in kreative Kräfte. Das Werben um Investmentbanker, Wissenschaftler und Künstler drückt sich dabei nicht nur in neuen Universitäten und Forschungszentren aus. Es reicht vom Bau eines Konzerthauses über eine allabendliche Revue im Singapurer Ableger des „Crazy Horse“ bis hin zu einem ausgewiesenen Rotlichtbezirk – und neuerdings auch einer Schwulenmeile. Singapur ist das jüngste Beispiel, das den Zusammenhang von Homosexualität und Weltoffenheit demonstriert, wie sehr eine schwule Kultur die Attraktivität einer Metropole befördert, wie libertäre Rahmenbedingungen die Wirtschaft beflügeln. Schließlich hat Singapur das Projekt Kreativität erst vor vier, fünf Jahren und noch dazu am Reißbrett entwickelt. Homosexualität wird aber jetzt nicht nur still geduldet. Die Messingschilder in den einschlägigen Kneipen, die gleichgeschlechtliche Paare ans Kussverbot erinnerten, sind längst abmontiert. Reiseführer für Homosexuelle applaudieren euphorisch: „Die schwule Weltkarte ist um einen dicken rosa Punkt reicher.“ Wie gerne würde das früher ach so prüde Singapur auf solche Sätze verzichten! Die Staatsräson aber ist Wohlstandsmehrung, und dabei glaubt nun selbst dieser seine Bürger bevormundende Stadtstaat, auf Schwule nicht mehr verzichten zu können. Das traditionelle China-Town überlässt es tagsüber den Touristen und nachts den Gays – ohne dass die eine Gruppe von der anderen Notiz nehmen könnte: Schwul sein, das darf man in Singapur immer noch so richtig erst ab 22 Uhr. Über solchen Sperenzchen können die Rosa Funken in Köln nur müde lächeln. Sie werden die tollen Tage durchtanzen, den schwulen Kölner Karneval weiter voranbringen. Und wer weiß, vielleicht schafft es bald ein bekennender Homosexueller ins Kölner Dreigestirn? Dann endlich auch könnten die Kölner mit dem Erzrivalen Düsseldorf gleichziehen, wo vor sechs Jahren schon der schwule Prinz Peter IV. die närrische Schar anführte. Das Sessionsmotto damals: „Jede Jeck is anders.“

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