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Kreditausfälle: Banken sind auf drohende Pleiten schlecht vorbereitet

von Melanie Bergermann (Frankfurt)

Durch die Krise droht eine Welle von Unternehmenspleiten. Doch viele Banken sind auf steigende Kreditausfälle schlecht vorbereitet.

Andreas Schmitz Quelle: dpa
Andreas Schmitz, Präsident Bundesverband Deutscher Banken. Für Kreditausfälle gerüstet? Quelle: dpa

Auf den ersten Blick sieht der Kunde dem Autohaus in einer baden-württembergischen Großstadt seine Probleme nicht an. Auf dem Hof des Händlers Willi B. stehen 80 gebrauchte Fahrzeuge — von VW über Opel bis BMW. Nebenbei, so scheint es, betreibt das Familienunternehmen noch eine Werkstatt und einen Neuwagenhandel.

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Doch tatsächlich ist der Traditionsbetrieb ein Autohaus für Neuwagen der Marke Seat. Nur hat der Händler lediglich vier Fahrzeuge der Marke auf seinem Gelände. Denn der störrische Händler gibt Neuwagenkäufern keine Rabatte. Stattdessen nimmt er ihr Altfahrzeug zu hohen Preisen in Zahlung. Weil er sich jedoch weigert, die Autos mit Verlust wieder zu verkaufen, blockieren die Gebrauchten den Hof.

Willi B. schlittert in die Pleite, genauso wie 29.800 andere Unternehmen im vergangenen Jahr. Bis Ende 2009, schätzt Creditreform, werden es weitere 35.000 sein.

Kredit-Rezession steht noch bevor

Die Pleitenwelle schlägt auf die Banken durch. Unternehmer wie Willi B. stehen oftmals bei ihnen in der Kreide. Rutschen die Kunden in die Insolvenz, verliert auch die Bank ihr Geld, wenn sie nicht genug Sicherheiten hat. „Unsere Banken werden in ein paar Monaten die volle Wucht der schärfsten aller bisherigen Rezessionen in ihren Kreditportfolios spüren“, prophezeit Jochen Sanio, Chef der Finanzaufsicht BaFin. Die Kreditausfälle könnten sich nach Expertenschätzungen bis 2010 verdoppeln.

Doch viele Kreditinstitute sind darauf schlecht vorbereitet. Oft erkennen sie die Probleme ihrer Kunden erst, wenn die ihre Raten nicht mehr zahlen. Zweifelhaft ist zudem, ob vor allem die kleinen Banken die Welle an Problemfällen bewältigen können. Alle Institute haben zwar Abteilungen zur Intensivbetreuung von Krisenunternehmen. Doch sie haben oft weder die Prozesse noch den Personalbestand auf den bereits abzusehenden Bedarf ausgerichtet.

Kreditgeschäft mit Firmen bringt wenig ein

Kredite an Firmenkunden zu vergeben gehört zum Kerngeschäft der Banken. Viel verdienen können sie damit allerdings nicht. Die Spanne zwischen dem Zins, den der Kunde zahlt, und dem Satz, zu dem sich die Bank das Geld beispielsweise am Kapitalmarkt leiht, lag bei Krediten bis eine Million Euro im September 2008 bei durchschnittlich 1,12 Prozentpunkten, hat der unabhängige Finanzanalyst Peter Barkow ermittelt. Bei höheren Summen war es sogar noch weniger. „Die Margen standen in keinem angemessenen Verhältnis zum Risiko“, sagt Ulrich Schürenkrämer, Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden Deutschland der Deutschen Bank.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.07.2009, 10:39 UhrAnonymer Benutzer: erhard

    Das "Risiko-Management" der banken erschöpft sich z.Zt. darin, die Kreditvergabe an KMU allmählich auf Null zu fahren. Keine Kredite=keine Risiken. Keine Risiken=kein Profit. Kein profit=keine banken. Keine banken=kein Mittelstand usw. usw.

  • 14.07.2009, 17:26 UhrAnonymer Benutzer: adenauer

    Der Punkt, dass die bank sich das Geld am Kapitalmarkt beschafft stimmt so nicht. Lediglich 8% sind als Kernkapital nach basel 2 abgedeckt. Die restlichen 92% schöpft die bank aus dem Nichts und verleiht es. Und das ist der Kern des Problems, dasss zum Schuss der Steuerzahler für die fehlenden 92% das Risiko trägt.
    Eine Gesetzänderung, dass die bank 100% abdecken muß, wie in der bewegung "Monetative" vorgeschlagen wäre dringend erforderlich.

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