Kreditinstitute: Das Prinzip Sparkasse

Kreditinstitute: Das Prinzip Sparkasse

Geschäfte, die man versteht, mit Kunden, die man kennt: Aber die Sparkassen sind oft weit entfernt vom Puls der Zeit.

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Das rot leuchtende Sparkassen-Logo auf der Drehtür einer Düsseldorfer Sparkassen-Filiale

Der deutsche Finanzsektor funktioniert nach dem Drei-Säulen-Modell: Eine Säule bilden die Privatbanken, die zweite die Genossenschaftsbanken und die dritte die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken. Das Modell ist historisch gewachsen, geriet jedoch seit der Finanzkrise immer wieder in die Kritik. Die EU zieht ein freieres Bankensystem wie das in England vor. 

Säule drei, die Sparkassen, entstanden im 19. Jahrhundert, ihre Vorläufer waren Waisenkassen und Leihhäuser. Damals hatten die Banken den Zweck, es ärmeren Bevölkerungsschichten zu ermöglichen, Geld für das Alter oder den Krankheitsfall beiseite zu legen. Und ein bisschen Zinsen dafür zu bekommen. Privatbanken suchten sich eher betuchte Klienten aus – ein Großteil der Bevölkerung konnte sein Geld nur im Strumpf unter der Matratze lagern. Deshalb beschlossen Städte und Gemeinden, karitative Geldhäuser zu gründen: Die Institute sollten mehr dem Gemeinwohl als dem eigenen Profit dienen. Noch heute gehen Gewinne der Sparkassen an den Träger oder in Stiftungen der Sparkassen, die sich in der Regel für soziale Projekte engagieren.

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Sparkassen sind öffentlich rechtliche Universalbanken

Am Grundprinzip der Sparkassen hat sich nicht viel geändert: Im Vordergrund stehen die regionale beziehungsweise kommunale Bindung, die Orientierung am Gemeinwohl und die Zusammenarbeit im Verbund mit anderen Einrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe.

Jedoch sind die damaligen Geschäftsbeschränkungen auf Altersvorsorge und den Notgroschen im Krankheitsfall weggefallen: Sparkassen sind heute öffentlich-rechtliche Universalbanken und betreiben die üblichen Bankgeschäfte mit Privatleuten und Unternehmen. Die Träger dieser Anstalten des öffentlichen Rechts sind Städte, Gemeinden und Landkreise. In Deutschland gibt es nur sechs freie Sparkassen, die nicht im Besitz der öffentlichen Hand sind, sondern Aktiengesellschaften. Eine davon ist etwa die Sparkasse Hamburg. Wie die Sparkassen als Unternehmen agieren, bestimmen das Kreditwesengesetz und das Sparkassengesetz des jeweiligen Bundeslandes sowie die eigene Satzung.

Sparkassen und Landesbanken sind eng verwoben

Bundesweit sind derzeit 431 Sparkassen mit rund 15.700 Geschäftsstellen vertreten, insgesamt arbeiten 250.000 Menschen für die Banken. Die Sparkassen arbeiten eng zusammen mit Landesbausparkassen, der Deutsche Leasing, der DekaBank oder den Landesbanken. Gerade letztere hätten die Sparkassen im Zuge der Finanzkrise fast mit in den Abgrund gerissen. Sparkassenvertreter sitzen in den Verwaltungsräten der Landesbanken, die einen halten Sicherungsreserven für die anderen bereit. Schließlich sind beide öffentlich rechtlich. Die Sparkassen und ihre Träger sind wiederum Mitglieder in einem regionalen Sparkassen- und Giroverband, deren Dachverband der Deutsche Sparkassen- und Giroverband e.V. (DSGV) mit Sitz in Berlin ist. Die freien Sparkassen sind im Verband der Deutschen Freien Öffentlichen Sparkassen organisiert.

Jede einzelne Sparkasse hat einen Vorstand und einen Verwaltungsrat als Aufsichtsgremium. Das Geld der Kunden ist durch ein eigenes Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe gesichert. Das System ist in einem Haftungsverbund zusammengeschlossen: Im Krisenfall zahlen alle dem Verbund Zugehörige für den Ausfall. Bei den Sparkassen wären das die regionalen Sparkassenstützungsfonds, die Landesbanken mit ihren Sicherungsreserven und die Landesbausparkassen mit ihrem Sicherungsfonds. Die Finanzkrise hat jedoch gezeigt, dass die Fonds nicht ausreichen, wenn Landesbanken und Sparkassen straucheln.

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