Kreuzfahrtbranche: Finanzinvestor Aurelius entert Traumschiff

KommentarKreuzfahrtbranche: Finanzinvestor Aurelius entert Traumschiff

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Die "MS Deutschland": Das Traumschiff steht für die deutsche Tradition bei Kreuzfahrten

„Investor rettet das Traumschiff“, titelte Spiegel online – „entern“ hätte vielleicht besser gepasst, meint WirtschaftsWoche-Reporter Hans-Jürgen Klesse. Ein Kommentar zu den neuen Besitzverhältnissen bei der deutschen Kreuzfahrtreederei Peter Deilmann.

Jeder Fernsehzuschauer kennt das schneeweiße Traumschiff MS „Deutschland“: Der einzige Kreuzfahrtdampfer unter deutscher Flagge ist seit Jahren Kulisse für eine der erfolgreichsten ZDF-Serien überhaupt. Zwar ist der 175 Meter lange Kreuzer nicht mehr der neueste und wird von Kritikern gern als Gelsenkirchner Barock auf dem Wasser verspottet. Aber bei seinen überwiegend mit gut dotierten Pensionsansprüchen ausgestatteten Stammkunden kommt der traditionelle Kreuzfahrt-Luxus immer noch gut an.

Auch die Unternehmensgeschichte dahinter ist durchaus beeindruckend. Gegründet 1968 von Peter Deilmann aus Neustadt in Ostholstein startete die Reederei mit kleinen Frachtern, Butter- und Angelfahrten auf der Ostsee, später betrieb Deilmann eine Fährverbindung zur dänischen Insel Bornholm. Sein erstes Hochseeschiff, die „Berlin“ übernahm er 1980, später kamen nach und nach neun Flusskreuzer hinzu, 1996 die „Deutschland“.

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Pechsträhne begann vor 10 Jahren

Ein genialer Schritt war der 1986 unterzeichnete Vertrag mit dem ZDF. Zuerst die „Berlin“, später die „Deutschland“ machten als Traumschiff Kreuzfahrten in Deutschland populär. Der Erfolg so gänzlich anderer Konzepte wie die der Aida-Clubschiffe ist auch Deilmann zu verdanken, auch, dass das Kreuzfahrt-Segment hierzulande seit Jahren zweistellig zulegt, ist zu einem Großteil sein Verdienst.

Die Pechsträhne begann vor zehn Jahren mit dem Absturz der Air-France-Concorde in Paris. Die meisten der 113 Todesopfer waren Deilmann-Passagiere auf dem Weg zu einer Karibik-Kreuzfahrt. Drei Jahre später starb der Gründer, die Geschäftsführung übernahmen seine beiden Zwillingstöchter Hedda und Gisa, die damit allerdings häufig überfordert schienen. 2005 wurde die „Berlin“ verkauft, die immer wieder verschobene Bestellung eines Neubaus aber niemals verwirklicht, weil die Finanzierung nicht klappte.

Auch mit ihren Führungskräften hatten die Gründer-Töchter keine glückliche Hand. In der Neustädter Zentrale wechselten die Führungskräfte mehrfach. Und dass mit nur einem Schiff auf Dauer kein vernünftiger Kreuzfahrtbetrieb möglich ist, merkten die Deilmann-Schwestern spätestens im Mai dieses Jahres, als die „Deutschland“ nach einem Brand im Maschinenraum für Wochen ausfiel.  

Münchner Finanzinvestor übernimmt Mehrheit

Das Flusskreuzfahrtgeschäft als zweites Deilmann-Standbein war da schon längst eingeknickt. Schon vorher heftig umkämpft, blieben in der Finanzkrise auch noch die Buchungen aus den USA und Großbritannien aus. Im Sommer vergangenen Jahres musste Deilmann für die Sparte Insolvenz anmelden. Der Umsatz schrumpfte mit einem Schlag um die Hälfte auf nur noch rund 50 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr.

Jetzt hat das vorerst letzte Kapitel der Deilmann-Tragödie begonnen: Der Münchner Finanzinvestor Aurelius hat die Mehrheit der Reederei übernommen und versprochen, einen „zweistelligen Millionenbetrag“ zu investieren. „Wir sind froh, nach stürmischen Monaten einen sicheren Hafen bei einem langfristigen Investor gefunden zu haben“, ließ sich Noch-Geschäftsführerin Hedda Deilmann dazu zitieren. „Die Reederei Peter Deilmann steht für phantastische Reiseerlebnisse, wir werden diese Positionierung der Extraklasse weiter ausbauen und das Unternehmen bei seiner weiteren Entwicklung aktiv unterstützen“, ergänzte Aurelius-Chef Dirk Markus.

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