Küchenhersteller: Neuer Alno-Chef am Pranger

Küchenhersteller: Neuer Alno-Chef am Pranger

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Hauptgebäude der ALNO AG

Die Mitarbeiter des Küchenbauers feiern ihren neuen Chef als Retter. Sein gefeuerter Vorgänger wirft ihm vor, hohe Provisionen kassiert und dubiose Beraterverträge gefordert zu haben.

Der Neue trat heftig nach: „Wir müssen idiotische Entscheidungen rückgängig machen“, sagt Max Müller, Vorstandschef von Deutschlands zweitgrößtem Küchenbauer Alno. Idiotisch nannte er in der „Schwäbischen Zeitung“ etwa die Entscheidung seines Vorgängers Jörg Deisel, die Alno-Zentrale von Pfullendorf nach Düsseldorf zu verlegen. Deisel war am 6. April gefeuert worden, Müller hatte seinen Job übernommen.

In der schwäbischen Provinz kommt der Neue gut an. Jeder scheint froh, dass Deisel weg ist. Müller sei der „Rettungsanker für Alno“, sagt Rudolf Wisser, Betriebsratschef und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. „Es gibt jetzt mehr Hoffnung für Pfullendorf“, sagt Alno-Betriebsrat Hermann Zweifel. Bescheiden, immer im Hintergrund bleibe der Neue. „Herr Müller ist ein normaler Mensch, er benimmt sich, wie es sich gehört.“

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Doch der erste Eindruck kann täuschen. Der in Pfullendorf regelrecht verhasste Deisel schlägt zurück. Er hat einen noch bis Mitte 2015 laufenden Vorstandsvertrag und fordert vorläufig 1,4 Millionen Euro. Eine Klageschrift, die Deisels Anwalt Ende Mai einreichte, listet Vorwürfe auf, die auf eine kaum gehemmte Selbstbedienungs-mentalität Müllers schließen lassen – gefährlich für die 1800 Alno-Mitarbeiter und für Aktionäre.

Die Vergangenheit des Managers wirft hässliche Schatten auf das Bild des Alno-Retters. Bevor der 65-jährige Schweizer bei Alno aufschlug, war er vor allem engagiert in einem Netzwerk von Schweizer Holding- und Investmentgesellschaften. Im Zentrum stehen die von ihm kontrollierte Comco Holding, die einst zum Imperium der Metro-Vorgängerin Asko gehörte, und sein Investmentvehikel Starlet. Laut Handelsregister hat der 65-jährige Müller in seiner Karriere allein in der Schweiz neun Firmen (mit-)gegründet, mit zwei Firmen Konkurs angemeldet und zehn liquidiert.

Doch wie kam der schillernde Investor, der bei der Metro-Vorläuferin Asko Karriere machte und mit der Comco zeitweise im russischen Ölgeschäft mitmischte, nach Pfullendorf?

Traditionsunternehmen in Not

Zu Alno brachte ihn Jürgen Diegruber, Aufsichtsrat und Partner des Private-Equity-Investors German Capital, der über den Aktionärspool Küchenholding an Alno beteiligt ist (siehe Grafik auf der nächsten Seite). Um die Jahreswende 2010/2011 befand sich Alno in einer extremen Notlage – und Müller, so scheint es, wusste diese zu nutzen.

Die Geschichte von Alno ist seit Jahren eine des wirtschaftlichen Niedergangs. Seit 2007 sank der Umsatz der auch noch in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt produzierenden Alno von 602 Millionen auf zuletzt 467 Millionen Euro, Hunderte Mitarbeiter verloren ihre Jobs. „Allein in Pfullendorf arbeiteten mal 2400 Menschen, heute sind es noch 700“ , sagt Betriebsratschef Wisser. Jahr um Jahr schrieb Alno rote Zahlen, Berater fraßen sich fett, Vorstände wechselten im Jahrestakt, der Aktienkurs schmierte ab.

Geldspritze geplatzt

Im November 2010 war eine Kapitalerhöhung gescheitert, die dritte binnen zwei Jahren. Großen Anlegern war das Risiko offenbar zu hoch. Offiziell wurde sie verschoben, weil bedeutende Investoren „aufgrund interner Prozesse“ nicht mehr hätten zeichnen können.

Alno-Chef Deisel aber brauchte das Geld, für Sozialpläne, um sein Sanierungskonzept „Alno 2013“ durchzuziehen. Das von Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers abgesegnete Konzept sollte harte Einschnitte mit sich bringen, insbesondere im Werk Pfullendorf. Mehrere Hundert Mitarbeiter sollten entlassen werden, außerdem wollte Deisel die IT vereinheitlichen und Verwaltungskosten sparen.

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