Künstler Ai Weiwei: Warum bunte Bilder allein Chinas politisches System nicht verändern - Seite 3

Künstler Ai Weiwei: Warum bunte Bilder allein Chinas politisches System nicht verändern

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Bemalte Vase des Künstlers Ai Weiwei
Bemalte Vase des Künstlers Ai Weiwei

Ein Foto, das Sie im Hotelaufzug unmittelbar nach dem Überfall in China geschossen haben, ist, auf mehrere Quadratmeter vergrößert, Teil Ihrer Ausstellung im Münchner Haus der Kunst. Was hat dieser Schnappschuss mit Kunst zu tun?

Ich lebe in einer politisierten Welt, habe keine Wahl zwischen Politik und Poesie – ich muss mich äußern, schon, um mein Leben zu verteidigen. Ich fühle mich wie ein großer Behälter, der sich die passenden Kanäle sucht. Ob ich eine Skulptur schaffe, ein Haus entwerfe, einen Artikel für meinen Blog schreibe, übrigens der meistgelesene in ganz China, ob ich koche oder mir die Haare schneide – alles ist Kunst, und Kunst ist totale Kommunikation. Also auch ein nächtlicher Schnappschuss in einem Hotelaufzug, den ich auch sofort über Twitter ins Internet gestellt habe. Das Internet ist unsere große Chance, Veränderungen anzustoßen. Nur so können wir darauf aufmerksam machen, was in China passiert.

Ihre Blogs werden von der Zensurbehörde doch regelmäßig dichtgemacht...

Dann eröffne ich eben einen neuen, das ist wie das Hase-und-Igel-Spiel. Als ich im Sommer angefangen hatte zu twittern und mir auch dieser Weg mehrmals versperrt wurde, haben Hunderte Twitterer meinen Namen benutzt. Es war wie ein Aufstand gegen den Staat – bis dieser Twitter in ganz China abgeschaltet hat. Seitdem twittere ich von meinem Mobiltelefon. Nur so haben wir die Möglichkeit, diese Diktatur zu bekämpfen.

140-Zeichen-Botschaften sollen China die Demokratie bescheren?

Man muss alles versuchen. Wovor haben die Machthaber in Peking denn am meisten Angst? Vor Transparenz, Argumenten, Diskussionen. Deswegen ließen sie zuletzt noch mehr Überwachungskameras installieren, Telefone abhören, Menschen zu Verhören verschleppen. Aber sie können nicht mehr alle Kritiker mundtot machen. Immer mehr junge Menschen publizieren ihre Meinung im Internet. Ich bekomme viele ermunternde Reaktionen auf meinen Blog. Wir dürfen nicht aufhören, unbequeme Fragen zu stellen. Wir können etwas ändern.

So wie die Demonstranten in der DDR, die vor 20 Jahren den Fall der Mauer beschleunigten?

Ich bin optimistisch, dass wir in China am Beginn einer Bürgerrechtsbewegung stehen. Die Temperatur steigt, ich träume davon jeden Tag.

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6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.01.2010, 17:16 UhrAnonymer Benutzer: Chinesin

    Kommentar zu den Meinungen von dumm und naiv:

    1. Ein Mensch kann seine Herkunft nicht wählen. Es ist auch überhaupt nicht ironisch, dass Wei Wei als "KP-profiteueren" gegen KP hetzt. Ganz im Gegenteil, dass er die Nachteile des Regimes umso deutlicher erkennt und diese verdeckt, finde ich mutig, selbstlos und äußerst verantwortlich für sein Volk.

    2. Es gibt kein westlicher und ostlicher Demokratie. Menschrechte sind überall gleich. Wenn China ein Kind wäre, wäre er ein über 108 jähriges Kind, der sich immer noch von dem Demokratie "Hürden" schrecken lässt oder betrogen wird.

    3. Es ist ein gutes Recht von Aiweiwei zu entscheiden, mit welcher Medien er zusammenarbeitet. Wenn Chinesische Medien seine Meinung neutral nach innen und Außen trägt ,wird er sich auch mit dem kooperieren.

    4. Fehler von freien Medien ist nicht zu fürchten. Die Wahrheit wird immer klarer mit Debatten sein. Die Chinesen zu betrügen dass die Medien gegen China ist und ihre Gehirn so zu waschen dass Andersdenken fpr sie unakzeptierbar ist, das ist ein echtes Verbrechen.

    Sorry für mein Deutsch. ich hoffe dass ihr alle verstehen könntet.

  • 13.10.2009, 00:01 UhrAnonymer Benutzer: Robert

    Der Kollege "dumm und naiv" gehört wohl zu den legendären "Wu Mao Dang"? Toll wozu ein Germanistik Studium alles taugt.

  • 11.10.2009, 17:03 UhrAnonymer Benutzer: Rienzi

    Die Courage des Künstlers ist zwar bewundernswert, aber Künstler haben noch nie etwas gegen hartgekochte totalitäre Regime ausrichten können, wie u.a. Nazi-Deutschland oder der ehem. kommunistische block gezeigt haben. Entweder mussten sie emigrieren, schweigen oder sich mit dem Regime arrangieren.

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