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Künstliches Wetter: Peking macht Schnee

von Andreas Hoffbauer Quelle: Handelsblatt Online

Mit künstlichem Regen haben die chinesischen Wetterforscher Erfahrung, seit Jahren entlocken sie dunklen Wolken mit einem Chemie-Cocktail Niederschlag. Im Kampf gegen die Dürre erlebt die Bevölkerung Pekings in diesen Tagen allerdings ihr weißes Wunder: Während es in den Nachbarprovinzen wie gewünscht regnet, versinkt die Hauptstadt ungewollt im Schnee.

Ein früher Wintereinbruch sorgt in Peking für Chaos. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Ein früher Wintereinbruch sorgt in Peking für Chaos. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

HB PEKING. Peking zeigt sich heute in einem seltenen Gewand: Stahlblauer Himmel, strahlender Sonnenschein, weite Fernsicht und - eine dicke Schneedecke. Denn am Sonntag haben Chinas "Wettergötter", wie die China Meteorological Administration genannt wird, mal wieder zugeschlagen. Sie haben im Kampf gegen die anhaltende Dürre die Wolken mit Chemikalen wie Silberiodid beschossen, um künstlichen Regen zu erzeugen.

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Durch einen rapiden Temperatursturz kam dieser in vielen Gebieten jedoch als dichter Schneefall vom Himmel - zum Entsetzen der chinessichen Autofahrer und zur Freude der Pekinger Kinder. Denn in Peking kommt Schnee trotz Winterkälte nur recht selten vor. So rieselten zuletzt vor 22 Jahren so früh im Jahr weiße Flocken in der Hauptstadt.

Ob diese damals ebenfalls künstlich erzeugt wurden, ist nicht überliefert. Möglich ist es, denn China erforscht bereits seit mehr als 30 Jahren die künstliche Beeinflussung des Wetters. Rund 60 Mio. Euro sollen jährlich in das Programm fließen, für das 32 000 Menschen arbeiten, darunter 60 Wissenschaftler. Allein 35 Wetterfleugzeuge sowie unzählige Wetterkanonen stehen rund um die Uhr für den Einsatz bereit. Auf diesen Wegen bringen die Forscher ihren Wirkstoff in höhere Luftschichten.

Mit 186 Portionen des Chemie-Cocktails wurden nach Angaben der Behörden die Wolken über Nordchina beim aktuellen Einsatz "geimpft". Denn in der Shandong-Provinz, eine der wichtigsten Weizenregionen, gefährdet die Trockenheit bereits die Ernte auf mehr als 800 000 Hektar Land. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten: In der südlicheren Agrar-Provinz Anhui fielen nach langer Dürre 40 Millimeter künstlicher Regen - weiter nördlich um die Hauptstadt Peking bis zu 30 Zentimeter Schnee.

Insgesamt seien 16 Mio. Tonnen Schnee erzeugt worden, teilte Behördenchef Zhang Qiang nicht ohne Stolz mit - davon kann mancher Wintersportort in den Aplen nur träumen. Vor allem zu den Olympischen Spielen hatte Peking die Wettermanipulation stark vorangetrieben, um im August 2008 den sonst üblichen Sommerregen über Peking zu verhindern. Es klappte, die Spiele strahlten im schönsten Sonnenwetter.

Allerdings ist unter Experten durchaus umstritten, ob Regen im großen Maßstab durch Menschenhand erzeugt oder verhindert werden kann. Zudem werden die verkündeten Regenerfolge angezweifelt. "Wir werden keine Möglichkeit auslassen, künstlichen Niederschlag zu erzeugen", kündigte dagegen Zhang Qiang schon mal vorsorglich an. In den nächsten Tagen sind weitere Temperaturstürze in der Region Peking angesagt.

Schon im Februar hatten es Chinas Wetterfrösche etwas zu gut gemeint und wohl eher unbeabsichtigt für anhaltenden Schneefall in Peking gesorgt. Damals hatte die Wettervorhersage leichten Schneeregen vorausgesagt, daraus wurde dann tagelanges Schneetreiben. Auch jetzt sorgte der jüngste Schnee für noch mehr Verkehrschaos, hatten mehr als 200 Flüge in Peking zum Teil stundenlange Verspätung.

Immerhin soll die Pekinger Stadtregierung aufgrund des Wintereinbruchs angeordnet haben, die eigentlich erst Mitte November beginnende Heizperiode umgehend zu starten. In den meisten zentral durch Fernwärme geheizten Büro- und Wohnblocks der Stadt war davon am Montag wenig zu spüren. Wolldecken waren auf den Billigmärkten dagegen der Verkaufsschlager.

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