Kult-TV-Serie Mad Men: "Natürlich wollen alle Don Draper sein"

Kult-TV-Serie Mad Men: "Natürlich wollen alle Don Draper sein"

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Chairman der Düsseldorfer Agentur-Neugründung Arthur Schlovsky und einer von Deutschlands Top-Kreativen.

von Peter Steinkirchner

Ralf Zilligen, Chairman der Düsseldorfer Agentur-Neugründung Arthur Schlovsky und einer von Deutschlands Top-Kreativen, über den Start der TV-Serie "Mad Men", die ZDFneo erstmals diesseits des Pay-TV zeigt.

Er ist Werbegenie und Egomane, Womanizer und Familienvater - Don Draper ist Kreativchef der New Yorker Agentur Sterling Cooper.  Deutschlands Werber schauen ziemlich genau hin, was Draper so treibt, denn der Mittdreißiger ist eine Kunstfigur. Er zeigt der Welt, wie cool und abgezockt es in den 60er Jahren in der Agenturszene an New Yorks Madison Avenue zuging, damals, als die Werbung laufen lernte. Der kreative Draufgänger ist Held der US-Erfolgsserie "Mad Men", die im Juli 2007 erstmals über die Mattscheibe lief und seither mit reichlich Fernsehpreisen ausgezeichnet wurde: 2008, 2009 und 2010 etwa jeweils mit dem Golden Globe als Beste Drama-Serie. Ab heute abend läuft die Kultserie versteckt auf dem kleinen Digitalsender ZDFneo. Über Mad Men sprach WiWo-Redakteur Peter Steinkirchner mit Ralf Zilligen, Chairman der Düsseldorfer Agentur-Neugründung Arthur Schlovsky und einer von Deutschlands Top-Kreativen.

wiwo.de: Ab heute Abend zeigt der kleine Digitalsender ZDFneo die Erfolgsserie „Mad Men“ erstmals in Deutschland im FreeTV – ich nehme an, Sie können die besten Dialoge schon mitsprechen?

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Zilligen: Na ja, auswendig kenne ich die noch nicht, aber natürlich habe ich mir die Serie schon vor einiger Zeit als DVD besorgt  – das ist wirklich große Fernsehunterhaltung, handwerklich brillant gemacht, mit klasse Dialogen. „Mad Men“ wird absolut zu recht hoch gelobt – das ist ein grandioses Abbild einer Zeit, die allerdings längst vergangen ist.

Sie haben in verschiedenen Ländern bei völlig unterschiedlichen Agenturen – von einem Netzwerk-Dickschiff wie BBDO bis zum Start-up wie aktuell mit Arthur Schlovsky  - als Kreativer gearbeitet. Was ist für Sie der wesentliche Unterschied zwischen der Serien-Werbewelt an der New Yorker Madison Avenue Anfang der 60er und der Agenturwelt heute?

Der Agentur- und Werbewelt, wie wir sie heute erleben, sind im Vergleich zu „Mad Men“ vor allem zwei Dinge völlig abhanden gekommen: Die Unberechenbarkeit, die sie früher mal auszeichnete. Und dieses Gefühl von Überlegenheit anderen Berufen und Branchen gegenüber. Das ist beides weg.

Warum?

 Weil sich nach den vielen Krisen der vergangenen Jahre – nehmen Sie allein die Wirtschaftskrise und die Medienkrise – ein neuer Realismus bei den Werbern und ihren Auftraggebern breit gemacht hat. Nehmen Sie 2008: Da hat es sehr viele harte Einschläge in Werbeagenturen gegeben – an einem einzigen Tag haben damals bei BBDO in Detroit mehrere hundert Werber ihren Job verloren, weil ein großer Autokunde seinen Etat gekündigt hatte. So etwas sitzt tief. Werbung ist heute Knochenarbeit. Das Bild vom Kreativchef, der von dem Unternehmen, für das er sich mal eben ein paar coole Sprüche ausdenkt, auf Händen getragen wird, ist längst pure Nostalgie. Don Draper, der Kreativchef in „Mad Men“ konnte sich noch alles mögliche erlauben. Diesem Typen und damit einer ganzen Branche setzt „Mad Men“ praktisch posthum ein Denkmal.

Draper und seine Kollegen bedienen so ziemlich jedes Klischee, das einem zu Werbern einfällt?

Zilligen: Ja klar, dabei ist das von der Wirklichkeit damals sicher gar nicht so weit entfernt. Das war früher wirklich so, die Jungs damals an der Madison Avenue haben das Image des durchgeknallten  Werbers praktisch erfunden – die soffen schon morgens um zehn, gingen fremd wie nichts gutes, machten nach zig Martinis millionenschwere Deals mit ihren Kunden in irgendwelchen Bars, gleichzeitig fand da ein unglaubliches Gespreize und Getue statt – und alle sahen blendend aus. Also, wenn meine Nachbarn und meine Familie sich die Serie anschauen, die müssen doch denken: Der Ralf führt schon ein klasse Leben. Dabei werden natürlich schon lange keine Deals mehr in Hotelbars gemacht – die Verträge mit den Kunden machen heute der Einkauf und das Procurement. Und die bleiben immer nüchtern.

Klingt jetzt, als würden Sie das bedauern?

Zilligen: Nein, persönlich bedauere ich das eigentlich nicht – wir betreiben ein ernsthaftes Geschäft und liefern solide Arbeit ab. Und auch wenn das jetzt schon fast pastoral klingt: Wir strengen uns wirklich an. Ich fand’ das Bild des Werbers als Popstar, wie es vor einigen Jahren noch kultiviert wurde, immer schon reichlich übertrieben. Das hat aber immerhin dazu geführt, dass Werber eine Zeitlang für sehr viele Leute ein Traumberuf war. Das wollten doch in den 90er Jahren alle machen, „was mit Werbung oder Medien“. Das war auch die große Zeit der Agenturgründungen – heute dagegen erleben wir den Abgesang auf die Zunft.

Haben Sie trotzdem eine Lieblingsfigur bei „Mad Men“?

Zilligen: Natürlich wollen wir alle – auch wenn er nun wirklich das Gegenteil von  politically correct ist - Don Draper sein: der kriegt die besten Frauen, hat die schicksten Klamotten und die größte Klappe. Don Draper hat doch den coolsten Job der Welt: Er war dabei, als in Amerika die Werbung laufen lernte.

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