Kultur: Pirelli-Kalender: Bekenntnisse eines Starfotografen

Kultur: Pirelli-Kalender: Bekenntnisse eines Starfotografen

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5to9 Pirelli Aufmacher

Exklusiv-Fotos aus der 2009-Edition des legendären Pirelli-Kalenders. Charlotte Seeling entlockte dem Starfotografen und Afrika-Abenteurer Peter Beard überraschende Bekenntnisse.

Heldenverehrung funktioniert am besten aus der Ferne. Mehr als 30 Jahre hatte sie versucht,den legendären Peter Beard zu treffen. Als jetzt aber ganz überraschend die Zusage zum Interview ins Haus flatterte, kamen unserer Autorin Charlotte Seeling dann doch Bedenken. Was passiert, wenn man einem Mythos von Angesicht zu Angesicht begegnet? So lange Wünsche nicht erfüllt sind, kann man von ihnen träumen. Und von der Begegnung mit dem Afrika-Abenteurer und Fotografen Peter Beard hatte sie geträumt: Nicht von dem Mann, obwohl er blendend aussah und sich heute mit 70 immer noch sehen lassen kann, sondern von seinem reichen Leben: dem Beweis, dass Freiheit und Abenteuer möglich sind. Man muss nur den Mut dazu haben – und ein Mann sein, wie der Autorin immer wieder schmerzlich bewusst wurde, wenn sie von Beards Eroberungen und Eskapaden las.

Das Interview mit Peter Beard findet an der Côte d’Azur statt, wo er sich vorübergehend ein Atelier genommen hat, um den Pirelli-Kalender für 2009 fertigzustellen. Er trägt blaue Hosen, ein blaues Hemd und eine blaue Fleece-Weste. Das müsste seine blauen Augen perfekt zur Geltung bringen. Aber davon ist nur ein ganz schmaler blassblauer Ring um stark erweiterte dunkle Pupillen zu sehen. An einem Fuß trägt er eine Sandale, am anderen eine graue Stricksocke. Er mixt sich Drinks aus Saft und Wodka, raucht viel, ist liebenswürdig und geduldig, ein Gentleman vom nachlässigen Scheitel bis zur derangierten Sohle. Der Held ist tot, es lebe der Mann! Und der ist nicht ohne Glamour. Schon allein, weil – wie ein Journalist einmal schrieb – „um ihn herum schöne Mädchen wie Pilze aus dem Boden schießen“. An diesem Tag ist er umgeben von vier Frauen, jede so wohlgestalt, dass man zwischen Model und Assistentin nicht unterscheiden kann. Und wenn eine schwarze Schönheit sich träge von der Terrasse erhebt und geht, erscheint wie aus dem Nichts sofort eine neue. Aber was Peter Beard wirklich attraktiv macht, ist die ungebrochene Leidenschaft für seine Arbeit.

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5to9 Pirelli 2 Personen

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Seit seinem 16. Lebensjahr notiert, zeichnet und klebt er die Spuren seines Lebens akribisch in Tagebücher, die heute als gesuchte Kunstwerke gelten. Auch während des Gesprächs springt er immer wieder auf, wühlt in unzähligen Haufen, die achtlos auf dem Boden gestapelt sind, und klebt Schnappschüsse von Tauben auf seiner Terrasse oder kleine Steine vom französischen Strand auf riesige Abzüge seiner Fotos für Pirelli. Zwei Wochen hat er in Botswana am Rande der Kalahari-Wüste Models mit Elefanten konfrontiert – zu Wasser, zu Lande und in der Luft, nämlich auf hohen Bäumen. Und jetzt reichert er die Images mit Ausschnitten anderer Fotos, mit handgeschriebenen Texten und verrückten Fundstücken an, darunter sogar ein Zehennagel, den er im Sand entdeckt hat.  

5to9 Pirelli Elefanten

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Seine Arbeitswut und seine Kreativität sind so überbordend, dass Pirelli beschlossen hat, statt des üblichen Kalenders zum ersten Mal ein ganzes Buch herauszubringen. „1964 starteten wir mit zwölf Fotos, für jeden Monat eines“, erzählt Gioacchino del Balzo. Er gilt als Erfinder des legendären Kalenders, der nicht für Geld und gute Worte zu haben ist, sondern weltweit 20 000 Auserwählten zum begehrten Geschenk gemacht wird. Alle namhaften Fotografen, von Norman Parkinson über Arthur Elgort bis zu Richard Avedon und zuletzt Patrick Demarchelier haben für das Kultobjekt des italienischen Reifenherstellers gearbeitet und die schönsten Frauen der Welt haben dafür posiert, etwa Naomi Campbell, Gisele Bündchen, Milla Jovovitch und sogar Sophia Loren mit 72 Jahren. Peter Beard will sie alle überbieten und das tut er schon allein aufgrund der Fülle seiner Fotos, vor allem aber, weil er jedes zu einer einzigartigen Collage erweitert hat. Sobald er mit seinen kräftigen Händen arbeiten kann, ist er in seinem Element, wirft sich wie ein Kind mit vollem Körpereinsatz in die selbst gestellte Aufgabe.  Seinem Körper hat der Mann, der 1996 von einer Elefantenkuh niedergetrampelt und fast getötet wurde, immer alle Härten zugemutet. Seine Seele jedoch hüllt er in Watte, schottet sie ab hinter einem Nebel narkotischer Substanzen. Sein kritischer Verstand hat darunter nicht gelitten, wie seine Tiraden gegen die mutwillige Zerstörung unserer Welt beweisen.

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