Kulturberatung: "Ewiges Gejammer des Kulturbetriebs"

Kulturberatung: "Ewiges Gejammer des Kulturbetriebs"

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Norbert Thomas

Der Kulturberater Norbert Thomas über das Finanzgebaren der Intendanten und unfähige Kulturpolitiker.

WirtschaftsWoche: Herr Thomas, Sie gelten als schärfster Kritiker des deutschen Opernbetriebs. Was nervt Sie an Ihren Ex-Kollegen, den Intendanten, so?Thomas: Dass die meisten sich zu wichtig nehmen. Die müssen von ihrem hohen Ross runter. Schließlich arbeiten sie zum größten Teil mit öffentlichen Geldern.

Das klingt nach Populismus. Was bemängeln Sie konkret?Nehmen Sie den Spielplan. Viele Intendanten stellen ihn auf und merken erst später, dass das Geld nicht reicht. In einem üblichen Wirtschaftsunternehmen geht so etwas nicht. Bei der Oper macht man das aber, indem man dann einfach zum Steuerzahler geht. Das geht meiner Ansicht nach nicht. Ich kann herumspinnen, wenn ich Geld habe. Man darf aber die Parlamente nicht ständig bitten, immer noch mal ein paar Millionen rüberzuschieben. Solche Intendanten gehören entlassen.

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Sie haben während Ihrer Zeit als Intendant der Münchner Philharmonie nie einen Nachtragshaushalt gestellt?Nein, niemals! Mich kotzt dieses ewige Gejammer des Kulturbetriebs an, wenn irgendwo eingespart werden muss. Es kann nicht sein, dass dieser Bereich ausgenommen wird und der Steuerzahler unablässig ran soll.

Warum erschließen so wenig Intendanten andere Geldquellen?Es mangelt den meisten von ihnen an Ideen. Sie müssten neue Wege gehen, auch dafür werden sie bezahlt. Viele verkriechen sich aber in ihrem künstlerischen Knusperhäuschen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es möglich ist, finanzielle Hilfe von Sponsoren zu bekommen, beispielsweise bei Neuinszenierungen. Aber das verhindert nicht selten das ganze System, wie in Deutschland Opernhäuser geleitet werden.

Das müssen Sie erklären.Ein ganz großes Übel ist die sogenannte Regieintendanz. Das heißt, ein Intendant ist zugleich Regisseur von Inszenierungen seines eigenen oder schlimmstenfalls eines fremden Hauses. In beiden Fällen verdient er sich eine goldene Nase. Dadurch ist ein Intendant in seinem eigenen Opernhaus vier bis sechs Wochen physisch nicht anwesend, mental sogar noch länger. Sein Intendantengehalt läuft weiter, er kassiert zusätzlich, und sein eigenes Haus leidet darunter. Ein Intendant hat eine Dienstleistung zu erbringen, und das sieben Tage in der Woche.

Warum beseitigen die Kulturpolitiker diese Auswüchse nicht?Sie könnten es. Da müsste man ansetzen. Aber was da häufig für unfähige Typen rumhängen, ist unglaublich. Statt über Kompetenz läuft viel zu viel über Parteibuch oder private Verbindungen.

Welche Bedeutung hat das Repertoire für die Wirtschaftlichkeit der Opernhäuser?Eine sehr große. Viele Häuser agieren nach dem Motto: Nur eine ausgebuhte Inszenierung garantiert eine große Presseresonanz. Die Kulturpolitiker sonnen sich dann gern in der ausführlichen Erwähnung im Feuilleton. In Wirklichkeit aber ist nur die Premiere rappelvoll, nämlich mit geladenen Gästen, der freie Verkauf bricht danach gnadenlos ein. Wenn ein Intendant egoistisch ist, dann macht er vor allem solche Stücke...

...weil populäre Aufführungen vom Feuilleton oft abfällig als Abonnentenfutter bezeichnet werden?So ist es. Doch damit müssen die Kulturpolitiker Schluss machen. Die Oper ist kein Selbstbedienungsladen für neurotische Regisseure!

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