Kunstmarkt : Frauen sind die Aufsteiger

Kunstmarkt : Frauen sind die Aufsteiger

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Fotografie von Mette Tronvoll

von Manfred Engeser

Im neuen Art Report gehören Künstlerinnen zu den auffälligsten Aufsteigern. Auch weil immer mehr Frauen nun in Galerien und Museen an den Schalthebeln sitzen.

Eigentlich wollte sie zum Fotografieren in die Berge fahren. Ihre erste Reise nach Japan war das damals, 2008. „Ich hatte völlig falsche Vorstellungen von diesem Land“, erinnert sich Mette Tronvoll. Statt im Gebirge zu fotografieren, fuhr die Norwegerin weiter Richtung Südküste. Und traf, zufällig, auf eine Gruppe älterer Frauen bei der Seegras-Ernte. Die waren anfangs gar nicht begeistert, dass die Künstlerin sie mit ihrer Kamera festhalten wollte.

„Sie wollten ihre Ruhe, fanden sich nicht schick genug in ihrer Arbeitskleidung“, sagt Tronvoll. Weil sie sich den Arbeiterinnen aber Tag für Tag ganz behutsam näherte, gewann Tronvoll schließlich deren Vertrauen. Und schuf eine Serie einfühlsamer Porträts, auf denen Mensch und Landschaft zu einer Einheit zu verschmelzen scheinen. „Mich interessiert die Schönheit auf den zweiten Blick“, beschreibt Tronvoll ihre Arbeit. „Ich will die Welt einatmen auf meinen Bildern.“

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Interesse an Künstlerinnen nimmt zu

Ein erfolgreiches Konzept: Die Norwegerin Tronvoll gehört im aktuellen Art Report zu den Künstlern, die 2011 die größten Sprünge gemacht haben: 2578 Plätze kletterte sie im Vergleich zum Vorjahr nach oben, steht derzeit auf Rang 42 der aktuellen Rangliste. Mit ihrem jüngsten Erfolg befindet Tronvoll sich in bester weiblicher Gesellschaft: Künstlerinnen sind weltweit auf dem Vormarsch, stoßen in Museen und Galerien, öffentlichen wie privaten Sammlungen auf immer stärkeres Interesse: Während die Aufmerksamkeit gegenüber den rund 3000 meistbeachteten lebenden männlichen Kunstschaffenden zwischen 2008 und 2010 nachließ, zog das Interesse an den 900 Künstlerinnen laut Art Report um 7,6 Prozent an.

Ausgewählt werden sie von einer steigenden Zahl von Frauen an den Schalthebeln des Kunstbetriebs: Jede dritte Galerie in Deutschland wird nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Galeristen (BVDG) derzeit von einer Frau geführt, darunter international anerkannte Schwergewichte wie Monika Sprüth und Philomene Magers, Gisela Capitain oder Esther Schipper. „Galeristinnen haben immer eine wichtige Rolle im Markt gespielt“, sagt BVDG-Vorsitzender Klaus Gerrit Friese. „Und es ist nur logisch, dass nach den Vermittlerinnen auch den Künstlerinnen die ihnen adäquate Stellung im Kunstmarkt eingeräumt wird.“

Historische Situation

In den Museen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: 53 Prozent der Kuratoren sind laut Art Report weiblich, gut 47 Prozent der deutschen Kunstmuseen werden von Frauen geleitet, darunter immer mehr erste Adressen im Kunstbetrieb. Marion Ackermann steht an der Spitze der nordrhein-westfälischen Kunstsammlungen K20/K21. Sie hatte zuvor fünf Jahre das Kunstmuseum Stuttgart geleitet, wo sie von Ulrike Groos beerbt wurde, der langjährigen Leiterin der Kunsthalle Düsseldorf. Susanne Gaensheimer, die in diesem Jahr auch den deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig kuratiert, wurde an die Spitze des Frankfurter MMK geholt, Karola Kraus, langjährige Leiterin der Kunsthalle Baden-Baden, lenkt seit vergangenen Herbst die Geschicke des Wiener Museums für Moderne Kunst. Und die diesjährige Biennale in Venedig wird mit Bice Curiger ebenso von einer Frau geführt wie mit Carolyn Christov-Bakargiev die nächste Documenta 2012 in Kassel.

„Zurzeit haben Frauen im Kunstbetrieb manchmal sogar einen Bonus“, bestätigt Pia Müller-Tamm, seit 2009 erste offizielle Direktorin in der 170-jährigen Geschichte der Kunsthalle Karlsruhe. „Eine historisch einmalige Situation – in einigen Häusern muss man fast schon wieder über eine Männerquote nachdenken.“

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