Kunsttipp: "Berlin Paris – Un échange de galeries"

Kunsttipp: "Berlin Paris – Un échange de galeries"

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Dorothy Iannone

Mit dem Projekt "Berlin Paris – Un échange de galeries" ist ein Austausch zwischen Künstlern und Galerien der beiden Hauptstädte auf Initiative der Französischen Botschaft in Berlin organisiert worden. Das Programm: Elf Berliner und 13 Pariser Galerien tauschen für kurze Zeit die Räume.

Majestätisch hängen sie an der Wand, sehen aus wie von zittriger Hand gezeichnet und leuchten dem Betrachter gespentisch-bläulich entgegen: "Double Manège" heißt die Installation aus drei unterschiedlich großen Neon-Kreisen, geschaffen von Claude Lévêque, derzeit zu sehen in der Galerie Jan Wentrup.

Auf der Künstlerliste der Berliner Galerie allerdings sucht man den französischen Künstler vergeblich. Denn Lévêque, der sein Heimatland bei der kommenden Biennale in Venedig vertreten wird und eigentlich mit der Pariser Galerie Kamel Mennour zusammenarbeitet, gibt in der deutschen Hauptstadt nur ein kurzes Gastspiel.

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Es ist der Versuch, eine historische Kunstachse wiederzubeleben

Elf Berliner und 13 Pariser Galerien tauschen für kurze Zeit die Räume: Noch bis zum 18. Januar 2009 sind die Franzosen zu Gast in Berlin, vom 6. bis 15. Februar 2009 zeigen die beteiligten Berliner Galerien in den Räumen ihrer Pariser Partner Arbeiten von Künstlern aus ihrem Programm.

Das Ziel der Aktion, so die gemeinsame Botschaft der Organisatoren: Keine Leistungsschau dies- und jenseits des Rheins, sondern "Brücken schlagen und Synergien entwickeln."

Und damit auch der Versuch, eine historische Kunstachse wiederzubeleben. Erinnert die Zusammenarbeit doch bewusst an die Ausstellung "Paris Berlin", die 1978 im Pariser Museum Centre Pompidou stattfand und den Besuchern erstmals in breitem Umfang Gelegenheit gab, die in Frankreich weitgehend ignorierte Kunst im Deutschland des ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vor Augen zu führen.

"Die Besucher", erinnert sich der renommierte Kunsthistoriker Werner Spies, damals Kurator der Ausstellung und von 1997 bis 2000 Direktor des Centre Pompidou, "erwartete in weiten Teilen der Ausstellung ein visueller Schock." ("Interview mit Kunstexperte Wener Spies auf wiwo.de: "Rätsel ohne Auflösung")

So heftig werden die Reaktionen 30 Jahre später wohl nicht mehr ausfallen, für Überraschungen dieser Art ist der Kunstmarkt heute viel zu sehr vernetzt.

Esther Schipper zeigt unter anderem Arbeiten der beiden Künstlerinnen Dorothy Iannone und Lily van der Stokker

Zu Gast bei der Berliner Galeristin Giti Nourbakhsch ist Pierre-Olivier Arnaud, der unter anderem mit Offset-Drucken und einer Neon-Installation, die die Spuren einer ehemaligen Lichtreklame nachzeichnet, einen Ausschnitt aus seinen "Variations on Grey" zeigt, mit denen er sich seit gut zehn Jahren beschäftigt - eine visuelle Umsetzung von John Cages Idee, Musik als unendliches Hintergrundgeräusch zu begreifen.

Esther Schipper zeigt unter anderem Arbeiten der beiden Künstlerinnen Dorothy Iannone und Lily van der Stokker, die sich beide mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinandersetzen.

In Iannones Bildern dominieren Personen mit überzogener Sinnlichkeit dar, van der Stokker spielt mit einer Ästhetik, die auf kräftige Farben setzt und sich Richtung Karikatur bewegt.

Auf musealem Niveau bewegt sich das Programm, das die Pariser Galerie 1900-2000 in den Räumen ihrer Berliner Partner-Galerie Mehdi Chouakri in der Invalidenstraße ausstellt: Zu sehen sind rund 60 Werke des Dada und des Surrealismus, darunter Arbeiten von Hans Bellmer, Max Ernst und Kurt Schwitters, Marcel Duchamp, Francis Picabia und Man Ray.

Aber auch das Pariser Publikum darf gespannt sein, wenn Mehdi Chouakri im Februar an die Seine kommt - und mit seinem Programm "Berliner Luft" unter anderem Arbeiten von John Armleder, Gerwald Rockenschaub oder Hans-Peter Feldmann zeigen wird. Für ihn eine Art Heimspiel - hat er sich doch seine ersten Sporen am Kunstmarkt in einer Galerie in Paris verdient.

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