Kursdesaster: Aktionäre wollen Hypo Real Estate verklagen

Kursdesaster: Aktionäre wollen Hypo Real Estate verklagen

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Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke

Der Absturz des einstigen Börsenlieblings Hypo Real Estate (HRE) kennt auch Gewinner: Anleger-Anwälte. Einen Tag nach dem Kurseinbruch des Immobilienfinanzierers prüfen die ersten Juristen bereits Schadenersatzklagen gegen das Unternehmen.

Nach dem gestrigen Kursdesaster droht dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) nun neuer Ärger: Anleger-Anwälte machen gegen den Immobilienfinanzierer mobil und prüfen Schadenersatz-Klagen. „Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass den Aktionären Risiken verschwiegen wurden ", so der Düsseldorfer Rechtsanwalt Jens Graf.

Gestern hatte die Hypo Real Estate bekannt gegeben, dass durch die Kreditkrise der Wert eines US-Wertpapierportfolios um 390 Millionen Euro nach unten korrigiert werden muss. Die Aktie des Unternehmens war daraufhin um 35 Prozent eingebrochen und hat sich auch heute nur leicht erhöht.

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„Den Aktionären wurde vorher stets versichert, dass es keine Probleme gibt", argumentiert Anwalt Graf. „Das könnte man als bewusste Täuschung interpretieren". Ein Vorwurf, den ein HRE-Sprecher entschieden von sich weist: „Wir haben uns immer an die Ad-Hoc-Pflicht gehalten."

Allerdings hatte HRE-Vorstandschef Georg Funke noch im November den Abschreibungsbedarf auf lediglich vier Millionen Euro beziffert und betont, seine Gruppe sei "aus der Marktkrise der vergangenen Monate gestärkt hervorgegangen". Da die auf Gewerbeimmobilien und öffentliche Projekte spezialisierte Bank nicht im US-Privatmarkt tätig sei, habe sich die Krise nicht direkt auf den Konzern ausgewirkt, sagte Funke damals.

Diese und ähnliche Aussagen könnten den Konzern nun juristisch in Bedrängnis bringen und Anleger-Anwälten reichlich Arbeit bescheren. So prüft die Kanzlei Nieding + Barth nach eigenen Angaben bereits „für eine zweistellige Anzahl von Mandanten" mögliche Schadenersatzansprüche gegen HRE wegen falscher, fehlerhafter und unvollständiger Kapitalmarktinformationen.

Auf der nächsten Hauptversammlungen wollen Nieding + Barth zudem einen Sonderprüfer durchsetzen. Auch Bernd Jochem, Partner der Münchner Kapitalrechts-Spezialisten Rotter Rechtsanwälte, berichtet über Anfragen „etlicher Aktionäre", die sich von HRE getäuscht fühlen. „Wir prüfen, ob und wie wir nun juristisch vorgehen", so Jochem.

Zuvor hatte auch der Bankenexperte Wolfgang Gerke dem Immobilienfinanzierer eine Schädigung der Anleger vorgeworfen. „Ich halte die Art der Kommunikationspolitik, die hier betrieben wurde, für inakzeptabel", sagte Gerke.

HRE-Chef Funke hatte die Millionen-Abschreibung dagegen gestern bei einer Telefonkonferenz verteidigt. „Wir schaffen frühzeitig Klarheit für den Markt und können unbelastet in das neue Jahr gehen", sagte Funke.

Auch der Vorstand habe keine Fehler gemacht, vielmehr sei es gelungen, die Belastungen „auf einen sehr überschaubaren Betrag" zu begrenzen. „Unser Team hat dabei einen guten Job gemacht", ist sich Funke sicher. Etliche Aktionäre dürften da allerdings ihre Zweifel haben.

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