Kurse für Aufseher: Wo Aufsichtsräte die Schulbank drücken

Kurse für Aufseher: Wo Aufsichtsräte die Schulbank drücken

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Eingang zu einem Besprechungsraum

von Hans-Jürgen Klesse

In einem Dorf bei Nürnberg lernen und üben Aufsichts- und Verwaltungsräte, Chefs zu kontrollieren. Über 100 Teilnehmer haben die Kurse schon absolviert.

Reichenschwand in Mittelfranken muss man nicht unbedingt kennen: fast 800 Jahre alt, rund 2200 Einwohner, mit der Regionalbahn eine halbe Stunde von Nürnberg entfernt. Der Ort ist so klein, dass es nicht mal richtige Bürgersteige gibt.

Und doch gehört das Dorf an der Pegnitz zu den Orten, in denen daran gearbeitet wird, dass Deutschland und seine Unternehmen künftig besser gegen Krisen gewappnet sind. Qualifizierung und geschärftes Risikobewusstsein heißt das Thema an diesen drei Tagen im Schlosshotel Reichenschwand am Dorfrand.

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Amtierende und zukünftige Aufsichtsräte von Konzernen, Beiräte mittelständischer Unternehmen und demnächst auch Verwaltungsräte von Sparkassen und Stadtwerken sind die Zielgruppe für die Kurse. Diesmal haben sich sieben Teilnehmer angemeldet. Sie wollen lernen, wie sie Vorständen und Geschäftsführern künftig genauer auf die Finger schauen – und wenn nötig auch mal hauen. Veranstaltet werden die Lehrgänge von der Münchner Unternehmensberatung Labbé & Cie, die sich auf die Besetzung von Kontrollorganen und die Qualifizierung ihrer Mitglieder spezialisiert hat.

Aufsichtsräte glänzen - mit Unkenntnis

Während draußen die Sonne scheint, herrscht in dem kleinen Gruppenraum im Seitenflügel des Hotels mit seiner niedrigen Decke konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Auf den kleinen, zum Quadrat zusammengerückten Tischen stapeln sich Akten mit Gesetzestexten,Urteilen und Fallbeispielen, kaum einer der Kursteilnehmer hat einen Blick für den weiträumigen Schlosspark vor den raumhohen Fenstern.

Drum herum sitzen drei Herren – Rolf Büchsenschütz aus der Ratingabteilung der Deutschen Bank, Peter Busch vom Beratungsunternehmen PA Consulting und Business Angel und Ex-Banker Franz Josef Günzl – und vier Damen: die selbstständige Unternehmensberaterin Gabriele Jansen, Margret Klinkhammer, Geschäftsführerin der Coaching-Agentur Cormens, Microsoft-Managerin Michaela Kraft, und Christiane Wolff, Vorstandsmitglied der WestLB-Tochter Readybank.

Die Idee zu solchen Kursen hatte Marcus Labbé, Geschäftsführender Gesellschafter der Beratung, schon 2007. „Ausschlaggebend waren meine Feuerwehreinsätze“ bei Unternehmen, die von der Pleite bedroht waren, sagt Labbé . „Als Sanierungsgeschäftsführer habe ich gesehen, dass schon im Vorfeld von Insolvenzen häufig gemauschelt wurde, Aufsichts- und Beiräte davon aber nichts mitbekommen hatten.“ Meistens aus Unkenntnis: „Viele kennen weder die gesetzlichen Grundlagen, noch sind sie sich darüber im Klaren, welche Pflichten sie in ihrer Kontrollfunktion haben und welche Konsequenzen Versäumnisse für sie persönlich haben könnten.“

Aufsichtsräte in Familienunternehmen häufig mit Wissenslücken

Besonders groß sind die Wissenslücken nach Labbés Beobachtung bei den Aufsehern in Familienunternehmen und im gehobenen sowie kapitalmarktorientierten Mittelstand – also bei Firmen, die Investitionen aufgrund der Größe über den Kapitalmarkt finanzieren. Die Kontrolleure solcher Unternehmen und die Aufpasser der Manager öffentlicher Unternehmen sind darum die Hauptzielgruppe der Lehrgänge, deren Durchführung Labbé mittlerweile in das neugegründete Deutsche Verwaltungs- & Aufsichtsrats-Institut (DVAI) ausgelagert hat.

Auch die meisten Teilnehmer dieses Kurses haben vor allem mit mittelständischen Unternehmen zu tun. Business Angel Günzl etwa hilft Startup-Unternehmen in der Gründungsphase, will aber besser auf die anstehenden Fragestellungen vorbereitet sein : „Ich hatte schon einige Beiratsfunktionen und bekomme immer mal wieder Angebote, in einem Aufsichtsrat mitzuarbeiten, wollte aber nicht ins kalte Wasser gestoßen werden.“

Weit über 100 Absolventen aus allen Branchen haben die drei jeweils dreitägigen Module – Recht, Strategie und Finanzen – bislang absolviert. Wer will, kann sein Wissen abschließend vom TÜV Rheinland im Rahmen einer schriftlichen Prüfung zertifizieren lassen. Der erfolgreiche Absolvent darf sich dann den etwas sperrigen Titel „Qualifizierter Aufsichtsrat für den gehobenen Mittelstand“ oder „Qualifizierter Verwaltungsrat für Public Corporate Governance“ auf die Visitenkarte drucken lassen. Ganz billig ist die Schulterklappe nicht. Für die drei Module blättert jeder Teilnehmer inklusive Kost und Logis rund 12 000 Euro hin, für die Prüfung nochmal 1000 Euro.

Die Motive der Teilnehmer oder ihrer Arbeitgeber, so viel Geld lockerzumachen, sind unterschiedlich. Die Mehrzahl der bisher rund 120 Absolventen hatte bereits Aufsichtsratserfahrung. „Die wollten ihr Know-how auffrischen, überwiegend, weil sie in ihrer Tagesarbeit an Grenzen gestoßen waren“, sagt Labbés Partner Thomas Kienle.

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