_

Kurt Lauk im Interview: "Opel ist nicht systemrelevant"

von Christian Ramthun (Berlin)

Warum der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats Kurt Lauk staatliche Hilfe für Opel ablehnt.

Präsident des Quelle: dpa-dpaweb
Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk Quelle: dpa-dpaweb

WirtschaftsWoche: Herr Lauk, muss die Bundesregierung Opel retten?

Anzeige

Lauk: Nein. Der Staat wäre nur gefordert, wenn ein Unternehmen wegen der Finanzkrise angeschlagen wäre und ein vernünftiges Geschäftsmodell hätte.

Hat Opel denn kein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell?

General Motors und Opel haben in den vergangenen 20 Jahren eine falsche Strategie gefahren. Sie haben auf billige Massenautos gesetzt und zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert. Opel ist auch ohne Finanzkrise ein schwieriger Fall und in der Krise am ehesten gefährdet.

Soll Opel notfalls pleitegehen?

Notfalls ja. Wir haben am Markt weltweite Überkapazitäten von 15 bis 30 Prozent. Und man muss sagen: Die hiesigen Wettbewerber VW, Audi, BMW und Mercedes sind viel besser aufgestellt. Diese sind in den vergangenen Jahren auch verstärkt in das untere Kraftfahrzeugsegment eingestiegen, also das angestammte Terrain von Opel, weil sie so die Kohlendioxyd-Emission ihrer gesamten Flotten reduzieren können.

Ist Opel ein Opfer der Klimaschutzpolitik?

Ja, wegen der ökologischen Abgasvorschriften steigt der Wettbewerbsdruck, dem Opel nicht gewachsen ist.

Könnten nicht andere Autohersteller Opel übernehmen?

Wegen der gewaltigen Überkapazitäten und der Probleme bei allen Herstellern sehe ich das nicht.

Würden Sie Händlern und Opel-Mitarbeitern zuraten, sich am Unternehmen zu beteiligen und so einen Rettungsversuch zu starten?

Wenn es die Opel-Mutter General Motors nicht packt, wie sollen es dann die Händler und Mitarbeiter schaffen? Im Übrigen sehe ich die Gefahr, dass sie sich in einer kapitalintensiven Branche übernehmen.

Darf die Regierung den Autohersteller mit seinen 28.000 Beschäftigten denn pleitegehen lassen. Ist Opel nicht systemrelevant?

Für die Autoindustrie ist Opel nicht systemrelevant. Für die Politik mag sich allerdings die Frage stellen, wofür der Staat zahlen soll: Subventionen für den Firmenerhalt oder für Arbeitslose und Hartz IV.

Was ist besser?

Ich bin für eine Marktbereinigung im Interesse der verbleibenden Autohersteller mit besseren Geschäftsmodellen. Opel hätte auch nicht die vielen Milliarden Euro, die nötig sind, um neue Autos zu entwickeln, die den Ansprüchen der Kunden und der Klimapolitiker entsprechen.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.04.2009, 21:11 UhrAnonymer Benutzer: Wolfram Schießl

    Gestern hatte ein Koch bei mir ein Vorstellungsgespräch,Herr xxx arbeitet für 1200,00€ in ein Hotel in Dresden.Kein Angestellter von Opel würde dafür arbeiten.ich würde lieber den Koch helfe das er 5000.00€ verdient,als die AbM Kräfte von Opel zu unterstützen.Aber bei Opel wird es wie bei der Steinkohle gehen...
    bitte helft lieber Menschen die sich Selbstständig machen.Danke

  • 05.03.2009, 12:44 UhrAnonymer Benutzer: hodgepodge

    Es ist kein Wunder, daß Hr. Lauk in der Politik gelandet ist. So einen Unfug kann man in der industrie, vielleicht mit Ausnahme von GM USA, sonst nirgends zum besten geben. Thema verfehlt! Opel mag vielleicht nicht "systemrelevant" sein, allerdings ist der deutsche Mittlestand dies. Anzunehmen, daß nach einer Pleite von Opel sich die Leute dann halt einfach einen VW kaufen, einen Audi leasen oder sich einen Daimler als Dienstwagen vom deutschen Steuerzahler bereitstellen zu lassen, ist blauäugige Stammtischpolitik. Die Opel Käufer werden eben nicht 1:1 zu VW gehen, sondern zu Kia, Hundai, Toyota, Renault, PSA etc. Und diese werden genauso wenig wie ein VW Fox oder Polo in D gebaut. Ergebnis: Die Zulieferer bauen massiv Stellen ab. Dies ist bereits jetzt schon zu beobachten - in einer Zeit wo Opel durchaus noch Mengen an Zukaufteilen in D abruft. Und wenn ein Hr Winterkorn Hilfe für Opel beklagt, kann ich nur sagen Hut ab bei 20% Staatsbeteiligung und Umweltprämie für ausländische Polos und Fox.
    Es geht nicht um Opel - es geht um deutsche Arbeitnehmer, Familien und Steuerzahler. Daß GM raus muß, ist selbstredend. Genau das wollen die Opel Mitarbeiter und Zulieferer auch.

  • 02.03.2009, 17:01 UhrAnonymer Benutzer: doubi

    Daß die Opel-Mitarbeiter jahrelanges Mißmanagement, falsche Produktstrategien und das Desinteresse der Amerikaner am europäischen Markt jetzt ausbaden müssen, ist zwar traurig.

    Aber was hilft es, Opel zu helfen?
    Wo steht Opel in zwei oder drei Jahren?
    Am Ende zählt nur der Markterfolg.
    Der sentimental-populistischen Anwandlungen der Länderfürsten wegen kauft niemand einen Opel.

    Denjenigen Unternehmen, die solide gewirtschaftet, gute und gefragte Produkte auf den Markt gebracht haben und jetzt von der Krise, die sie nicht verursacht haben, getroffen werden - wird denen etwa geholfen?
    Nein, sie haben nämlich keine Lobby und müssen unter zum Teil persönlichen Opfern sehen, wie sie die Krise durchstehen, während die banker, die sich die Taschen vollgestopft haben, ungeschoren davonkommen.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.