Kurzfristige Krisenrezepte : Unternehmen droht Jo-Jo-Effekt bei Krisenbewältigung

Kurzfristige Krisenrezepte : Unternehmen droht Jo-Jo-Effekt bei Krisenbewältigung

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Wolken oder blauer Himmel?

von Mario Brück

Viele Unternehmen haben sich mit einem Standardrepertoire durch die Krise laviert. Neuerliche Konjunktur- und Wachstumsdämpfer könnten sie in massive Schwierigkeiten stürzen.

Die Auguren ringen in diesen Tagen wieder einmal wortgewaltig um die Lufthoheit am Prognosehimmel. Während das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin von einer Wachstumsabschwächung und nachlassender Dynamik in Deutschland ausgehen, werfen das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen oder das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle mit rosigen Prognosen um sich. Experten der EU-Kommission sehen Deutschland sogar als die Wachstumslokomotive in Europa.

Auch wenn die Gefahr einer neuerlichen, tief greifenden Rezession in Deutschland selbst bei notorischen Schwarzsehern als gering angesehen wird: Schon eine vorübergehende Delle oder eine sich abflachende Dynamik könnte für viele deutsche Unternehmen zum Gau werden. Das ist die Aussage einer Studie der Münchener Managementberatungsgesellschaft Goetzpartners, die untersucht hat, mit welchen Maßnahmen, Instrumenten und Programmen Unternehmen auf die Finanz- und Wirtschaftskrise reagiert haben. Trotz der deutlich verbesserten Wirtschaftslage sehen die Berater viele deutsche Unternehmen nach wie vor als gefährdet an.

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„Die Maßnahmen, die zur Bewältigung der Krise ergriffen wurden und noch werden, sind vielfach nicht nachhaltig genug“. Zu diesem vernichtenden Ergebnis kommen Hans-Jürgen Titz, Managing Director bei Goetzpartners, und seine Beraterkollegen nach der Auswertung einer Befragung von rund 70 Firmenchefs aus der Automobil- und Elektroindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Bau-, Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie. Parallel dazu wurden rund 40 Top-Manager aus den Sanierungsabteilungen großer Banken nach ihrer Einschätzung der Krisenbewältigung der jeweiligen Branche befragt.

Demnach hätten überhaupt nur gut die Hälfte der befragten Unternehmen mit tiefgreifenden Maßnahmen auf die Krise reagiert. Der Fokus habe vor allem auf die kurzfristige Sicherung von Liquidität und Ergebnis gelegen. Branchen mit hoher Exportquote wie die Automobilhersteller- und -zulieferer oder die Maschinen- und Anlagenbauer hätten die Krise zuerst gespürt und daher auch überproportional stark regiert. Branchen, die stark von der Inlandskonjunktur abhängig sind, etwa die Hersteller von Konsumgütern oder Lebensmitteln, reagierten nicht oder mit großer Zurückhaltung. „Diese Branchen und Unternehmen haben sich überwiegend mit der operativen Bewältigung der Krise befasst“, sagt Berater Titz. Chancen zur nachhaltigen Ertragssteigerung seien kaum genutzt worden.

Geringe Ertragskraft

Und so gelten aus Sicht der befragten Bankenmanager einige Branchen weiterhin als risikoreich und anfällig. In der Lebensmittelwirtschaft sowie der Bau- und Bauzuliefererindustrie seien nach wie vor erhebliche Schwächen festzustellen. Hauptprobleme sind die zu schwache Eigenkapitaldecke und die geringe Ertragskraft.

Wie gut sind also die deutschen Unternehmen und Branchen wirklich aufgestellt nach der Krise? Welche Maßnahmen wurden zur Überwindung der Krise ergriffen und wie krisenanfällig sind die Unternehmen und Branchen gegenüber einem neuerlichen Konjunkturabschwung?  

Kurzfristige Maßnahmen: Nur Bares ist Wahres

Im Mittelpunkt der Krisenbewältigung stehen laut Einschätzung von Goetzpartners bis heute überwiegend kurzfristig orientierte Maßnahmen wie die Liquiditäts- und Ergebnissicherung. Im Aufschwung wurde dieses Kapital nicht straff genug gemanagt, weil die Lieferfähigkeit im Vordergrund stand – im Durchschnitt haben etwa deutsche Mittelständler ihr Kapital 30 bis 50 Tage zu lange unnötig im Betrieb gebunden.

Wenn Kapital und Kredite jedoch knapp und teuer werden, dann gilt das Motto: Der billigste Kredit kommt aus der Innenfinanzierung. Und so wurden Vorräte abgebaut, Forderungen an Kunden schneller eingetrieben und Lieferanten später bezahlt. Der Liquiditätszufluss wurde beschleunigt, der Geldabfluss gebremst.

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