LA Auto Show: Umweltgesetze sollen für Erfolg der E-Autos sorgen

LA Auto Show: Umweltgesetze sollen für Erfolg der E-Autos sorgen

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Die ersten Elektroautos aus Großserienproduktion fahren in diesen Tagen zu den US-Händlern

von Martin Seiwert

Während sich die Autobranche kurz vor dem Börsengang des US-Autoriesen General Motors in Los Angeles trifft, rollen die ersten Großserien-Stromautos zu amerikanischen Händlern. Damit die E-Mobile wie GMs Volt ein Markterfolg werden, braucht es keine milliardenschweren Subventionen, sondern ambitionierte Umweltgesetze. Das weiß niemand besser als die Kalifornier.

Heute um 7 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) öffnet die Los Angeles Auto Show ihre Tore -  vor einer Kulisse, die von Hollywoods Special-Effects-Experten stammen könnte: Sonnenschein, milde Temperaturen um die 20 Grad und tiefblauen Herbsthimmel verheißt die Wettervorhersage. Die milde Gabe der Wettergötter passt perfekt zum großen Motto der US-Automesse. Denn im Convention Center in Downtown L.A. wird dem Elektroauto gehuldigt - und die Verheißungen einer besseren, emissionsfreien Autozukunft werden ebenso makellos sein wie der Herbsthimmel draußen.

Einen Tag nach der Eröffnung wird der US-Autoriese General Motors (GM) an die Börse zurückkehren - mit einem Börsengang, der bis zu 15,8 Milliarden Dollar einbringen dürfte. Den Ausgabekurs hat GM erst gestern auf von 26 bis 29 auf 32 sbi 33 Dollar pro Aktie hochgesetzt - und die Zahl der ausgegebenen Aktien wird offenbar aufgestockt: Kreisen zufolge dürfte GM 478 Millionen Aktien auf den Markt werfen, das sind 31 Prozent mehr als bisher geplant.

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Der Börsengang des Autoriesen wird auf der Automesse für Gesprächsstoff sorgen - doch das wichtigste Thema dieser Messe wird auch GMs erfolgreiche Rückkehr an den Aktienmarkt nicht überstrahlen können. Die Auto Show wird eine jener Automessen werden, die mit unzähligen Absichtserklärungen zur neuen Epoche des elektrischen Autofahrens aufwartet. Doch kein einziges der gezeigten Großserien-Stromautos kann man jetzt schon kaufen. Das ist die schlechte Nachricht aus L.A. Die gute lautet: Es ist die letzte Messe dieser Art. Denn mit dem Chevrolet Volt und dem Nissan Leaf werden in Los Angeles zwei Autos gezeigt, die in diesen Wochen die amerikanischen Händler erreichen. Danach geht es Schlag auf Schlag. Alle ein, zwei Monate wird ein neues Elektromodell großer Autokonzerne und kleiner Newcomer in die Autohäuser rollen.

Wenn sich die Branche in zwei Monaten zur nächsten Messe in Detroit trifft, werden manchem Besucher die lautlosen E-Mobile aus dem Alltag schon vertraut sein – weil der grün angehauchte Professor aus der Nachbarschaft sich eines geleistet hat, weil der Paketdienst neuerdings damit herumfährt oder der Chef die Firmenflotte um ein paar Strommobile erweitert hat. „Wir haben lange auf sie gewartet, jetzt sind die Elektroautos endlich hier“, sagte Andy Fuzesi, Chef der Auto Show, vor der Eröffnung. „Niemand kann bestreiten“, meinte der Messechef voller Pathos, „dass ihre Ära nun gekommen ist.“

Dass die Ära des elektrischen Autofahrens begonnen hat, wird in Los Angeles tatsächlich niemand bestreiten. Wohl aber, dass man von der neuen Ära schon bald sehr viel auf der Straße bemerkt. Oder dass die Autokonzerne damit ein lukratives Geschäftsfeld entdeckt hätten. Das Elektroauto bleibt der größte Unsicherheitsfaktor der Branche, auch nach dem Marktstart der ersten Großserien-Fahrzeuge.

Milliardenpakete für die Elektromobilität

In ihrer Verunsicherung schieben die Hersteller die marktwirtschaftlichen Grundsätze, auf die sie sich in anderen Situationen so gern berufen, beiseite, und rufen nach Milliardensubventionen von Vater Staat. Tenor: Wer uns saubere Autos vorschreibt, muss auch dafür bezahlen.

Welcher Staat mit welchem Milliardenpaket die Elektromobilität zu beflügeln sucht und wie sich die Hersteller darauf einstellen können, wird eines der Topthemen an den Messeständen in L.A. sein. In Chinas gelenktem Kapitalismus sind 3,3 Milliarden Euro für die Elektromobilität vorgesehen. Auch in Frankreich wurden 2,2 Milliarden locker gemacht (Details zu den Subventionen hier). Deutschlands Autoindustrie will dem nicht nachstehen. Sie fordert demnächst wohl 4,5 Milliarden Euro für den Auf- und Ausbau einer E-Auto-Industrie. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten dann noch weitere Milliarden in Form von Kaufanreizen hinzukommen. 

Das ist alles aber noch wenig im Vergleich zu den USA, wo Präsident Barack Obama 22 Milliarden Euro in Autokonzerne und Zulieferer pumpt, um die USA zur führenden Elektroautonation zu machen. Selbst das ist manchem noch nicht genug: Bevor die Demokraten im Januar im US-Kongress ihre Mehrheit verlieren, sollen sie nach dem Wunsch einer Allianz von Gewerkschaften und Umweltverbänden (Blue Green Alliance) noch schnell ein zusätzliches Milliardenpaket für die Schaffung grüner Jobs durchpeitschen.

Dabei müsste die Botschaft aus Kalifornien eine ganz andere sein: Ambitionierte Umweltgesetze statt teurer Subventionen. Kalifornien hat seit jeher mit die weltweit strengsten Abgasvorschriften für Autos. Bei der Einführung des Katalysators war das Land der großen Schlitten und schnellen Sportwagen ein Vorreiter. Sagten Mitte der 80er-Jahre die deutschen Autobauer noch den Untergang ihrer Branche voraus, sollte der Abgasfilter Pflicht werden, hatten die Neuwagen im Sonnenstaat den Kat schon längst serienmäßig.

1984 setzte sich der damalige deutsche Umweltminister Klaus Töpfer über die Bedenkenträger der Autoindustrie hinweg, machte den Filter im nationalen Alleingang zur Pflicht. Am Ende waren die Autos sauberer, die deutschen Städte lebenswerter und das Image des Automobils dauerhaft verbessert. Von Verwerfungen in der Branche keine Spur, weder in Deutschland noch im Vorreiterland USA.

Das gleiche in Grün bei den CO2-Grenzwerten in Europa: Hatten die Autohersteller noch vor Kurzem über unerreichbare Ziele und nicht zu verkraftende Milliardenkosten gejammert, zeigt nun eine Untersuchung des Duisburger Auto-Professors Ferdinand Dudenhöffer, dass die meisten Hersteller die Grenzwerte nicht nur vorzeitig erreichen, sondern auch kostengünstiger als gedacht.

"Durch die CO2-Auflagen", folgert Dudenhöffer, "wurden bei vielen Herstellern Innovationen wie Elektrofahrzeuge und Plug-In-Hybride zur Marktreife entwickelt, die erlauben, in Ballungszentren die Lebensqualität weiter zu steigern. Durch die Regulierung wurde in der europäischen Automobilindustrie die größte Innovationswelle seit dem zweiten Weltkrieg ausgelöst." Es klinge paradox, sagt Dudenhöffer, und doch sei es richtig: Je strenger die Auflagen, um so besser für die Branche. Denn so würden die Autobauer zu den Höchstleitungen angespornt, die sie für einen dauerhaften Erfolg benötigten. Die Autobauer können eine ganze Menge, wenn sie müssen. Yes, they can! - das wäre die richtige Botschaft aus Kalifornien zum offiziellen Beginn der Stromauto-Ära.

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